Zum Gepöbel in Zwickau

Einige von euch werden den Rummel um die Gedenkstätte an die NSU-Opfer in Zwickau mitgekriegt haben. Im Grunde eine gute Sache, hat diese Angelegenheit jedoch erstaunlicherweise sowohl die Rechten, als auch die Linken, aber vor allem die Angehörigen der NSU-Opfer empört. Viele haben es nur am Rande mitgekriegt und wissen über den Ablauf der Ereignisse nicht genau bescheid!

Ich will dieses Vorkommnis hier auf meine Art analysieren, weil es meiner Meinung nach eine sehr klare Momentaufnahme der gesellschaftlichen Brüche in Deutschland wiedergibt.

Was ist passiert?

In Zwickau, wo das Kerntrio des NSU zuletzt im Untergrund lebte, wurde von einer Bürgerinitiative am 8. September 2019 zum Gedenken an Enver Şimşek – dem ersten Opfer der NSU-Mordserie – auf der Ziegelwiese im nördlichen Teil des Schwanenteichparks eine Deutsche Eiche gepflanzt. Nur wenige Wochen später wurde der Baum von Unbekannten abgesägt. Eine Woche später wurde auch eine Bank mit einer Inschrift zerstört, die zum Gedenken an Şimşek aufgestellt worden war.

Dies sorgte berechtigterweise für allgemeine Empörung. Nun hat sich – wohl ausgelöst durch den schlimmen Anschlag von Halle am 10. Oktober – eine Schüler*inneninitiative der geschändeten Gedenkstätte in Zwickau angenommen. Ein paar Tage nach besagtem Anschlag wird eine große Gedenkveranstaltung abgehalten und die Wiedereinrichtung des Gedenkstätte – diesmal bestehend aus 10 Bäumen (für alle NSU Opfer) – beschlossen. Sogar die Bundeskanzlerin ist zur Einweihungsfeier eingeladen! Ein großartiges Zeichen von Bewußtsein, Haltung und Zivilcourage – noch dazu dargebracht von Schüler*innen in Zwickau! Wundervoll.

Das Problem ist nur, dass weder die Schüler*innen, noch die Lehrer, noch irgendjemand in der Stadtverwaltung und der Politik sich anscheinend auch nur Ansatzweise vorstellen konnte, dass eine Gruppe bei diesem wichtigen Ereignis im Grunde nie und nimmer fehlen darf: Die Angehörigen der Opfer und all die migrantischen Bürgerinitiativen, die seit Jahren sich um die Aufklärung und Aufarbeitung des NSU Komplexes bemühen. Vor lauter schnell schnell, hat man diese Menschen vergessen. Unglaublich!

Nun kam es doch tatsächlich am 4. November zur Einweihung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel in Begleitung von Schülervertreter*innen, dem Sächsischen Ministerpräsidenten und der Oberbürgermeisterin von Zwickau. Eine Handvoll repräsentativer Menschen, die dort ein Zeichen setzen wollten.

Die Gedenkstätte war wohl weiträumig abgeriegelt worden, denn es hatte sich schon eine Gegendemonstration von „wütenden Bürger*innen“ formiert, die mit „Merkel muß weg“ Rufen die Veranstaltung stören wollten. Sie werfen der Bundesregierung eine Wahrnehmungsverschiebung vor, denn für sie ist diese Gedenkstätte völlig unwichtig. Sie bedauern, dass die Regierenden in diesem Lande ihre Steuergelder sinnvoller ausgeben sollten, indem sie sich gefälligst um die wahren „Deutschen“ im Lande kümmern.

Deutschlandfunk Kultur reagiert am Tag darauf mit einer Sendug, die das Gepöbel der Rechten und die Verrohung der Gesellschaft  verurteilt!

Wir haben hier eine übliche Situation: Deutsch-deutsche Demokrat*innen zeigen Zivilcourage und Gedenken der Opfer von rechter Gewalt, die wiederum ebenfalls von Vertreter*innen der Mehrheitsgesellschaft verübt wurde. Die Polizei besteht vorwiegend aus deutsch-deutschen Beamt*innen und es protestieren deutsche Reche, die dieses Gedenken als Affront gegen sich sehen. Die Demokrat*innen und die seriösen Medien im Lande verurteilen das Gepöbel gegen die Kanzlerin.

Fazit: die Kartoffeln sind wieder mal mit sich selbst beschäftigt und auch fest davon überzeugt, dass sie alles richtig begreifen und das schon lösen werden. Zu Gunsten wessen auch immer: Entweder setzen sich die einen durch und lassen sich als Helden der Demokratie feiern, oder eben die anderen und machen dann im Auftrag des Staates ungeniert Jagd auf alle „Anderen“ – so wie das schon einmal auf unmenschliche Weise in diesem Land passiert ist. In beiden Fällen interessiert die Meinung der „Restgesellschaft“ nicht. Die müssen sich zurücklehnen und seufzend warten bis die Herrenrasse die Sache geklärt hat.

Eine Gedenkstätte für die Opfer des NSU in Zwickau! Wie wichtig und wertvoll dieses Zeichen jedoch tatsächlich wäre!

Ich sage „wäre“, denn sowohl die Tatsache, dass die Angehörigen der Opfer weder eingeladen, noch benachrichtigt wurden, als auch der Fakt, dass mehrere Namen der Opfer falsch geschrieben wurden, zeugt leider von einer halbherzigen Intention des Ganzen.

Da ich zunächst dachte, dass diese Veranstaltung von der Bundesregierung initiiert war, wurde ich sofort mißtrauisch: Ich dachte der Grund für den Faux Pas wird die Sorge davor gewesen sein, das Rechte Spektrum (mit Sicherheit auch unter den eigenen Wählern) verärgern zu können. vor allem aber war ich überzeugt, dass diese Entscheidung in der Sorge begründet lag, dass man bei einer Zusammenkunft mit den Angehörigen mit Konfrontationen und Forderungen um Tansparenz und Aufklärung im und um den NSU-Komplex zu rechnen hätte. Mitlerweile glaube ich aber, dass man die Angehörigen einfach vergessen hat, genauso, wie Frank Walter Steinmeier in Halle vergessen hat, dem Dönerimbiss, in dem ja bekanntlich 2 Menschen vom Attentäter hingerichtet wurden, seine Aufwartung zu machen. Ich befürchte tatsächlich, dass diese Menschen vergessen wurden und ständig vergessen werden. Ich vermute darüber hinaus, das das deswegen so ist, weil die Opfer mit Migrationshintergrund nur als symbolische Aufsteller fungieren, sozusagen als Markierungen, an denen man in ständiger Wiederkäuer-Manier sein vom Holocaust geplagtes Gewissen abarbeitet.

Heftige Reaktionen von Rechts hat man so oder so zu erwarten. Damit muss man rechnen! Sich darüber zu wundern, ist Heuchelei! Das ist die Realität in Deutschland! Und der muss man sich endlich entgegenstellen. Nichts hätte sich dazu besser geeignet, als ein Schulterschluss mit den Angehörigen, aber denkt man nicht mal.

Jetzt ist wieder einmal das Schlimmste eingetreten: keine klare Haltung gegen Rechts, keine klare Benennung der Täter und ihrer organisierten Netzwerkstrukturen, keine klare Positionierung an der Seite der Opfer und ihrer Angehörigen, kein klares Statement „gegen den Faschismus“!

Genau deswegen denke ich leider, dass man sich jetzt mal auf die Hinterbeine stellen sollte, statt hier über „Pöbeleien“ abzujammern, die nichts anderes sind, als Auswüchse von organisierten faschistischen Strukturen, die man seit Jahrzehnten auf Staatsebene bewusst und subtil protegiert, deren Akzeptanz man aber mit unbeholfenen Statements und solchen schwammigen Aktionen auch offen fördert.

Keine der genannten Parteien sieht die sogenannte „Opferpartei“ überhaupt als eine relevante Größe in diesem Game! Der Faschismus in Deutschland ist jedoch nicht nur eine innere Angelegenheit der (Deutsch-) Deutschen! Er kann nur besiegt werden, wenn die gesamte Gesellschaft sich organisiert gegen ihn stellt. Und das ist nur möglich, wenn auch alle Bestandteile der Gesellschaft immer angesprochen werden.

Abgesehen davon: stellt euch mal vor, Euer Vater wird ermordet und es findet eine Gedenkveranstaltung statt, auf der Ihr nicht eingeladen seid? Und noch dazu wird sein Name falsch geschrieben?

Wie würdet Ihr reagieren?

Be Kunst my friend!

Das Problem ist nämlich: in dem Moment, in dem du meinst, politisch zu sein, bist du schon raus aus dem Kunstschissel! Die nächste Station ist dann immer gleich Ai Wei Wei. Wenn du nur “kreativ” bist hingegen, dann erübrigt sich die Frage eh. Was willste da noch groß labern? Das Geld ist dein Chef. Face it! Aber wenn du Kunst machst, dann ist das Geld dein Feind. Ob du’s willst oder nicht. Gibt’s nichts zu machen.

Du wolltest Kunst machen und sie ist aus Versehen zu Pop geworden? Ach so – dieses Versehen gab’s zuletzt in den 60’ern. Das gibt es jetzt nicht mehr. Jetzt ist es…Pop..und Kunst. Das nennt sich dann gleich Pop Art, klingt mitlerweile eher nach unkorrektem Milchprodukt und ist in jedem Supermarkt zu haben. Das bringt zwar Geld, macht aber viel Plastikmüll.

Also was machen mit der Kohle? Verbrennen, so wie damals KLF? Das war ein Kunstprojekt, das darauf angelegt war, Pop zu werden. Und es hat tatsächlich auch geklappt! KLF hat aber die Uhr noch weiter gedreht, indem sie die Einnahmen aus dem Projekt öffentlich verbrannt haben. Das war grandiose, die Materie schamlos verachtende Kunst. Kunst in ihrer vollkommenen Radikalität! Kunst, die den Kapitalismus fickt, statt sich hörig unterzuordnen! Somit erhielt KLF seine Würde zurück und wurde dafür von konservativen Kleinbauern auf den Kanalinseln verständlicherweise bitterst gehatet. Das war geil!

Batsch sind seitdem 3 Jahrzehnte vergangen und was ist passiert? Der Begriff “Wirtschaft” regiert krasser denn je. Die Kreativen haben sich als erstes gebückt. Sie wurden stufenweise “gesundtherapiert”. Zunächst mussten sie einsehen, in welcher Misere sie sich befinden, ohne die Wirtschaftlichkeit. Dann mussten sie Dankbarkeit üben und sich Marketingkonzepte aneignen. Sie schnappten nach jedem happen, den man Ihnen entgegenwarf und wurden zu “Marken”! Jetzt sind sie existenzberechtigt!

„Kreativ“ ist jetzt tot. Das Zauberwort heißt: “Kreativwirtschaft”. Du benötigst dazu lediglich einen kreativen Impuls und eine/n Wirt/in, der/die was schafft. Dann hast du eine Kreativwirtschaft. Musikwirtschaft gibt’s natürlich auch, oder Kulturwirtschaft. Den Begriff Kunst gibt’s glaub’ ich auch mit diesem Anhängsel? Wart ich gugel mal!

….Scheisse, offline!

Also, das ist echt lächerlich hier in Deutschland! Alle machen wichtig rum mit ihrer Web-Affinität, aber wenn du in ‘ner Bahn ins Münchner Umland fährst, dann bist du halt gerne mal für mindestens 20 Minuten Offline. So ein Mist! Kein Wunder: Herrenrasse hat halt keine Ahnung von Dienstleistung!

Na ja, dann gugelt halt selber! Ihr könnt mir ja bescheid sagen, ob die Begriffskombi (ich weigere mich, sie zu erwähnen) gängig ist, oder nicht. Ich befürchte das Schlimmste. Meiner Meinung nach könnte man die Kunst ja gerne als “Bordell” bezeichnen, als „Müllhalde“, oder als „Wiege der menschlichen Kultur“, whatever! Aber als Teil einer Wirtschaft? Warum gibt’s denn noch keine Wirtschaftskunst? Das wär doch mal was?

Ja, drehen wir den spieß doch mal um: Politkunst! Kreativkunst, Musikkunst, Sozialkunst, Onlinekunst, Konsumkunst, Sexkunst. Unterrichtskunst, statt Kunstunterricht! Es könnte noch viel mehr Begriffe wie diese geben, die der Kunst zu einer Art Gegendominanz verhelfen würden.

Aber im reellen Sprachgebrauch gibt es nur viel zu wenige von ihnen. Mir fallen spontan nur Begriffe wie Volkskunst, Raubkunst und Scheißkunst ein.

Dabei ist ja in der Hinsicht Sachsen offen: Automobilkunst, Reisekunst, Sportkunst. Und gegen das Totschlagargument “Hey jetzt komm mal runter! Davon wird man doch nicht satt. Kunst kann man doch nicht essen?” hab ich dann noch die hier: Essenskunst. Foodkunst. Brezenkunst. Kochkunst. Trinkkunst, und, und, und…

Nehmt erstmal das ihr pseudokreativen Gameprogrammierer!

Guckuk: Der Hass ist schon wieder da

Dieses Zitat schwirrt gerade duch die Medienwelt:

„Der Hass bricht nicht plötzlich aus, er wird gezüchtet. Alle, die ihn als spontan, oder individuell deuten, tragen unfreiwillig dazu bei, dass er weiter genährt werden kann“ (Carolin Emcke: „Gegen den Hass“).

Die Vorstellung des gezüchteten Hasses ist ein imposantes Bild – und natürlich mitnichten ein neues. In Europa herrscht meiner Meinung nach kein Sinneswandel und auch kein Rechtsruck vor. Es ist lediglich die Manifestation einer ewigwährenden elitären Grundhaltung, die seit dem Entstehen der Nationalismen eine Qualität angenommen hat, die es erlaubt, Mikroeitelkeiten innerhalb von Landesgrenzen passgereicht hochzuskalieren und auf eine Masse von Menschen mit möglichst einheitlichen Identitätsfaktoren zu übertragen.

So sehr wir auch die Vorzüge der französischen Revolution genossen haben, dürfen wir nicht vergessen, dass wir ihr auch die Qual des Nationalismus zu verdanken haben. Der Nationalismus ist die Hasszuchtanlage der Moderne und sie scheint auch noch in der Postmoderne ihre Funktion nicht zu verlieren. Man kann sich sicher sein, dass dieser Betrieb noch nie eingestellt wurde und auch nicht wird. Nein! Die Maschine läuft im Hintergrund immer weiter, sie läuft im Unterbewusstsein – auch in Friedenszeiten wie diesen -, während wir so banale Dinge tun wie Fußball schauen, ins Theater oder ins Kino gehen, einkaufen, in den Urlaub fahren und unserer täglichen Arbeit nachgehen.

Wir sind die Masse, um die ständig geworben wird. Unsere Entscheidungen sind bestimmend! Nur sind wir uns dessen selten bewußt. Wir machen es uns gerne einfach. Wir lassen uns Apps programmieren, die uns vermeintlich Kommunikationsaufwand abnehmen, aber uns immer tiefer in ein Businessgeflecht hineinziehen, in dem wir als willfährige Umsonstdienstleister mißbraucht werden. Während Großkonzerne ein Vielfaches an Staatsbudgets im Jahr Umsetzen, glauben wir an die autonome Souveränität unseres Staates. Aber uns ist nicht bewußt, dass in der heutigen Zeit kein Staat dieser Welt unabhängig agieren kann, es sei denn, er besitzt ein strategisches und militärisches Machtmonopol.

Dann stellt sich natürlich die Frage: Wer finanziert diese Macht? Reichen Steuereinnahmen aus, um eine militärische Macht zu etablieren, die den eigenen wirtschafltichen Einflussbereich kontrolliert? Wer zahlt diese Steuern, wenn es Google, Ikea, Microsoft und Apple nicht tun?

Man weiss es nicht genau, aber zwischen 3000 und 6000 Wohnungen in Berlin gehören einem einzigen britischen Konzern. Das klingt im ersten Moment vielleicht banal, aber wenn man bedenkt, wieviele Immobilien diese Firma wohl auf der gazen Welt besitzt, dann kann einem schon schummrig werden. Vor allem, wenn man bedenkt, wieviel Aufwand teilweise betrieben werden muss, um den Eigentümer seiner Wohnung ausfindig zu machen und dass man bei der Recherche dazu schonmal um die halbe Welt geführt wird, dann wird’s allmählich sogar gruselig:
https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/das-verdeckte-imperium/
https://wem-gehoert.berlin/

Die freie Marktwirtschaft hat es nie gegeben. Kapitalismus war immer schon auch der Kampf gegen die Freiheit, vor allem gegen die des Marktes. Es ging schon immer um Monopole. Wer mir da jetzt widerspricht, der versuche mal sein I-Phone zu nutzen ohne Apple-Id!

Dies sorgt bei Leuten wie mir für Wut, aber auch für Neugierde. Ich versuche, mir der Hintergründe und Umstände des Unrechtes gewahr zu werden, um ein bewußteres Leben führen zu können, um mich so zu organisieren, damit meine täglichen Entscheidungen nicht nur mir, sondern einer möglichst großen Menge an Menschen, die ebenfalls so wie ich benachteiligt werden, zugute kommen.

Aber sehr viele Menschen erliegen in Anbetracht solch schockierender Einsichten einer nackten Existenzangst und suchen nach einem tragfägigen seelischen Gerüst, dass ihr Selbstbild stützt, ihr Selbstbewußtsein vor dem einbrechen bewahrt. Das tragische an der Sache jedoch ist, dass viele von Ihnen gar nicht so sehr in ihrer Existenz bedroht sind. Denn Deutschland gilt immer „noch“ als eines der Länder, in denen die Bevölkerung in weitem Maße sehr wohl durch eine sozialstaatliche Gesetzgebung vor dem Allerschlimmsten bewahrt wird.

Also stellt sich bei mir die Frage: geht es nun wirklich nur um eine existentielle Angst, wenn größere Bevölkerungsgruppen sich wieder mehr dem rechtslastigen Nationaldenken zuwenden, oder um etwas anderes? Spielt neben der Angst des Existenzverlustes vielleicht die Angst vor dem Identitätsverlust sogar eine größere Rolle?

Wenn ja, dann stellt sich widerum die nächste Frage: Worauf basiert unsere Identität denn, wenn sie so schwach besaitet ist? Womit identifizieren wir Europäer uns denn? Wie sieht unser Selbstbild aus und in wie weit hat es eine ernstzunehmende reelle Substanz? Wenn wir so leicht in erbarmungslos banal funktionierende „Hassproduktionsmaschinen“ hineingezogen werden können, wieweit ist es dann her mit unserer freiheitlich-aufgeklärten Gesinnung? Ist die von einem Tag auf den anderen im Mittelmeer untergegangen mit all den Schlauchbooten?

Das bezweifle ich. Ich glaube, dass wir schon seit längerem unsere Werte auf einem breit angelegten Markt verkauft haben und irgendwie immer noch nicht wahrhaben wollen, dass wir übermorgen schon in unserer Identitätslosigkeit ersaufen können. Das Spiel um die Identität haben wir den Kleinkrämern der Heimatfraktion überlassen, denn die bedienen uns zuverlässig und sie verlangen uns nicht viel Aufwand und Reflektion ab.

Sie sorgen dafür, dass wir trotz allem unbekümmert Netflix gucken können, um auf andere Gedanken zu kommen und uns vor der unerträglichen Schwere der täglichen News zu flüchten.

Und irgendwie ist diese Form des Gewissenfreikaufens ja auch geil. Denn es ist nämlich ein Doppelgeschäft: Wir kaufen zwar unser Gewissen frei, aber gleichzeitig verkaufen wir es auch. Also ist es ja in gewisser Art ein Deal!

Im Grunde jedoch verschenken wir es eigentlich…an die direkten Nachkommen der Nazis. Denn die waren meiner Meinung nach nie Weg. Sie waren immer da und haben beharrlich auf ihre Möglichkeit gelauert.

Aber lauern können wir auch.

Lauerst du mit?

Die Grenzen der Wahrnehmung

Die Band Doors wurde damals in den 60ern gegründet. Als Inspiration für ihren Namen diente den Bandmitgliedern das Buch „The doors of perception“ von Aldous Huxley. Damals gings um die Öffnung der menschlichen Wahrnehmungsebenen, vorwiegend im Zusammenhang mit dem Konsum von bewußstseinserweiternden Drogen. Der massenhafte Konsum von Rauschmitteln hat aber scheinbar über die Jahre zu genau dem Gegenteil von dem geführt, was sich die intellektuellen Drogengurus damals so vorgestellt hatten.

Im großen und Ganzen sieht’s jetzt so aus, dass Pforten nach Außen eher geschlossen werden, denn geöffent. Und das auf möglichst vielen Ebenen. Das ist gerade der Konsens in der westlichen Welt. Jetzt reichts mal mit Offenheit und Toleranz. Aber Hallo!

Früher konnte man noch freien Gewissens von seinem hart Ersparten in den Safari Urlaub nach Kenia fahren und dann bei der Diashow im Hobbykeller damit prahlen. Jetzt wird man dumm angesehen, weil man auf nem Elefanten reitet. Walewatching ist auch Tierquälerei. Nix darf man mehr. Fliegen steht eh unter Todesstrafe. Dafür muss man sich von kleinen Hauptschülerinnen schon schief anreden lassen. Es ist einfach unglaublich.

Wie soll ich denn da meinen Horizont erweitern?

Früher genoß man den Bildungsurlaub in den Ländern Karl Mays. In der „Ferne“ fand man zu sich selbst, befreite sich für eine Zeit vom Joch der Arbeitswelt und empfand sich wieder als gebildeter Mensch. Das gelang einem natürlich viel besser in der Gesellschaft von „ungebildeten“ Orientalen. Zwar konnte man auf Grund von Sprachmängel auf beiden Seiten,ja gar nicht richtig einschätzen, wer nun wirklich ungebildet war, aber das Gefühl alleine reichte ja schon, um sich gut vorzukommen! Das hatte man sich doch schließlich mühsam verdient, oder?

Jetzt hingegen kann kaum die Rede von so einem friedlichen und gesunden Austausch sein. Die ungebildeten Horden, die man damals in der Fremde als Gast beglückte, kommen jetzt hier bei uns eingefallen und wollen uns sagen, wie wir zu leben haben. Eine Frechheit! Wir wussten uns bei denen daheim immer gut zu benehmen und haben Devisen in Millionenhöhe in ihre Wirtschaftssysteme gepumpt. Man kann ja verstehen, dass man den Geldfluß in die entgegengesetzte Richtung unter den momentanen Verhältnissen nicht erwarten kann, aber zumindest ein Stückchen Anstand und Dankbarkeit könnte man schon erwarten, finde ich. Wenn man an einem fremden Tisch sitzt, frägt man doch zumindest mal nach, bevor man sich ein dickes Stück vom hauseigenen Kuchen nimmt?

Und jetzt geht’s ja Schlag auf Schlag weiter: jetzt wollen sie schon, dass man die Rolle von James Bond mit einer schwarzen Frau besetzt! Ja geht’s noch? Was soll denn das? Warum haben wir denn so etwas nötig bitte? Was reicht euch denn eine anständige weisse blonde Frau nicht? Obwohl ja dieses Gleichgetue unter den Geschlechtern allmählich echt nervig wird, aber bis zu einem bestimmten Grad kann man sich ja anpassen. Man reicht sich schließlich im gesellschaftlichen Miteinander freundlich die Hand. Muß man denn unbedingt davon ausgehen, dass einem gleich der ganze Arm ausgerissen wird? Was sind das denn für Sitten?

Oder dass jetzt in deutschen Kindergärten Schweinefleisch und Gelatine verboten wird, aus Rücksicht vor den muslimischen Kindern? Ja geht’s denn noch? Wenn man was sagt, ist man dann selber der Unverschämte! Ja was ist denn so schlimm an Schweinefleisch und Gelatine bitteschön? Wer’s nicht mag, muss es ja nicht essen? Wir können doch die elementaren Bestandteile unserer guten deutsch-europäisch-christlich-jüdischen – äh jüdisch passt grad nicht so ganz, aber wurscht – Kultur aufgeben wegen so Spirenzchen? Was soll aus unseren Kindern denn werden, wenn die keine Schweinegelatine mehr essen können? Es ist doch wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich die deutsche nationale Identität genetisch nur erhalten kann, wenn es in Schweinegelatine eingelegt wird? Schweinegelatine gehört doch in jeden guten deutschen Haushalt und also auch in unsere Kindergärten! Thomas Gottschalk hat jahrelang Werbung für Gummibärchen gemacht mit seinen Schweinegelatinehaaren. Und? hat’s jemanden gestört? Hat irgendjemand darunter gelitten? Ja gab’s denn damals keine Moslems? Haben die nie Gummibärchen gegessen?

Ach ich könnte noch ewig so auflisten, aber irgendwann verliert man doch die Geduld, oder? Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn der unbescholtene Bürger irgendwann zur Waffe greift! Da braucht sich doch keiner wundern? Natürlich ist man dann gleich wieder der Nazi! Nur weil man sich seinen Ärger mal von der Seele schießt? Irgendwo muß man ja hin damit? Die hohen Tiere im Parlament – an die kommt man ja leider nicht so leicht ran. Hier und da erwischt man vielleicht mal einen Lokal- oder Landespolitiker oder so. Die hätten die Kugel natürlich eher verdient. Aber wenn’s nicht anders geht, dann zielt irgend so ein Vollidiot schon mal auf einen von diesen Flüchtlingen. Warum auch nicht? Wer hat denen denn gesagt, dass sie ausgerechnet zu uns kommen müssen? Deswegen sind wir Deutschen doch nicht alle rechtsradikal? Wir sind halt hart an der Grenze, aber noch lange nicht drüber!

Bin ich Ihnen jetzt zu grob und unmenschlich? Ach ja? Ich kann Ihnen sagen, woran das liegt. An diesen ganzen Bewußtseinserweiterungen, die seit den späten 60ern auf unsere feine Gesellschaft einwirken. Ja genau! Vor lauter Bewußtseinserweiterung hat man nämlich seine eigen Identität total vernachlässigt. Im wesentlichen braucht man nämlich keine Erweiterung. Das Bewußstsein ist vor allem dazu da, sich seiner selbst gewahr zu werden und seine Mitmenschen als Menschen zu sehen und nicht als juristische Personen. Was ist denn das Individuum in dieser Gesellschaft? Ich bin doch kein Wesen mehr! Ich bin doch nur noch eine Person, ein konsumierendes Subjekt? Mehr sind wir doch alle nicht?

Und diese Verbrecher gaukeln uns da was vor und lassen uns glauben, dass es eine Bundesrepublik gibt? Mitten in unserem „Stammesgebiet“? Die machen sich hier breit und geben uns Personalausweise? Ja welches Personal wird denn da verwaltet um Himmels Willen? Das deutsche Volk muß jetzt aufwachen! Aufwachen!

Aber bald wird sich das ändern. Das sag ich euch! Ganz bald wird sich das ändern. Schaut, die Engländer sind schon viel weiter, als wir. Die Amerikaner machen das auch genau richtig. Die Russen, die Polen, die Italiener. Ja sogar die „faulen“ Griechen! Die französischen Schneckenfresser! Ja sogar die Türken! Sie alle stehen zu ihrem Volkskörper und zu ihrer Identität und zeigen der elitären Europäischen Union ihren Stinkefinger.

Und wir? Wir Deutschen?

Was machen wir?

Wir sind so armseelig und schwach, dass wir nicht einmal das Schweinefleisch und die Gelatine im täglichen Essen unserer Kinder zu erhalten in der Lage sind.

Danke Merkel!

Ich will zurück ins Reich endlich! Buuhuu…

P.S.:
Dieser Monolog ist eine Art puzzleartige Eruption von unfreiwillig aufgenommenen und im Unterbewußtsein archivierten Statements, die den Autor als guten Zuhörer seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, berieseln. Anlässlich der aktuellen absurden gesellschaftlichen Diskursen, dachte er sich, sie hier mal in dieser Form zu veröffentlichen. Vielleicht bringts ja Jemandem was?
Ich weiß, es ist traurig, aber es wird wohl genug Leserinnen und Leser geben, die das hier nicht mal als Satire empfinden. Deswegen weise ich vorsorglich darauf hin.

Falls Ihnen jetzt schlecht geworden ist, dann hat der Autor sein Ziel erreicht.

Danke.

Was sollen wir Gottlosen tun?

Ich bin Gottlos. Zumindest glaube ich nicht an einen genormten, einzigen Gott abrahamitischer Definition. Innerhalb einer Konstellation innerhalb einer heiligen Dreifaltigkeit finde ich ihn umso dubioser. Auch, dass er männlich sein soll, stört mich. Meist ist er noch dazu auch noch weiß. Aber auch wenn er eine Frau wäre und schwarz, oder farbig, würde ich ihn/sie nicht ernst nehmen – als Kunstfigur wohl schon, aber nicht als Gott.

Jetzt war Gott für mich schon immer ein schwieriger Begriff. Je mehr ich mich von ihm entfernte, kamen andere Gottheiten ins Spiel, die mir und auch vielen anderen Ersatz boten: der Wohlstand zum Beispiel, meine Rechte und Möglichkeiten als Bestandteil einer liberalen Ökonomie, oder die Sicherheit, der Glaube an meine Freiheit, an meine individuellen Menschenrechte.

Bis zu einem bestimmten Grad hat man die auch. Aber wenn ich mir ansehe, was mit Julian Assange gerade passiert, dann denke ich: diese Rechte existieren auch nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn man diesen Punkt überschreitet, stößt man an die Glaswand eines geschlossenen Gefäßes und dieses Gefäß trägt seit Jahrtausenden einen Namen: „Angst“.

In der Zwischenzeit gewinnen die VertreterInnen der abrahamitischen Religionen und der Kulturwelten, die an diesen heften, immer mehr an Terrain. Mit Ausnahme der Christen in Europa. Die werden immer weniger. Aber für die gibt es eine Ersatzreligion, die auf eine gemeinsame „weiße Identität“ beruht. Auch diese bedient sich der christlichen Religion als Legitimationsstütze. Aber im Grunde geht es nur um rassistisches Elitärdenken.

Die Religion als Basis von Kulturräumen steht im Öffentlichen Diskurs immer mehr im Vordergrund. So müssen sich VertreterInnen des Islam oft für radikale Islamisten rechtfertigen, die bezichtigt werden, die westliche Welt zerstören zu wollen. Umgekehrt predigen viele Imame in Moscheen das selbe über Vertreter des Christentums und des Judentums. Das sind große Apparate, die leider sehr für den Machtmißbrauch geeignet sind und auch schon immer waren. Ich will sie nicht verteufeln und auch nicht die Menschen, die tagtäglich in tiefem Glauben ihr wertvolles Tagwerk verrichten. Es geht mir nur um die Religion als Institution.

Man arbeitet immer mit diesem Sinnzusammenhang: „wenn die Religion bedroht ist, dann ist es auch die Kultur“. Dabei ist es genau umgekehrt: Die menschliche Kultur ist die Basis unseres Lebens. Wenn diese bedroht ist, dann kann es auch keine Religion geben. Jedoch ist unsere Kultur leider auch die Basis für Machtmißbrauch, Kriege, Rüstungsindustrie und somit für all die Zerstörung, die wir widerum selber anprangern.

Es sei denn, wir schaffen es, Räume zu kreieren, in der man die Kultur der Menschheit endlich aus der Steinzeit holen kann. Aber dafür brauchen wir in erster Linie keine Religion, keinen Wohlstand, kein Notre Dame, keine Moschee und keine Synagoge. Dafür brauchen wir Herz, Seele und Verstand.

Für Herz, Seele und Verstand ist in den herkömmlichen Machtstrukturen kein Platz. Deswegen denke Ich, dass wir uns von diesen befreien müssen. Dafür müssen wir uns aber auch Räume und Plattformen schaffen, in denen „wir“ uns als „unabhängige humane Wesen“ artikulieren können. Will damit meinen: nicht nur für Religionen muss Platz sein, sondern auch für uns „Freigeister“, die wir uns von diesen überkommenen Machtstrukturen, von Gott, Status und Wohlstand lösen wollen. Das ist durchaus legitim und erfordert eigene Strukturen.

Bisher kenne ich nur den Bund für Geistesfreiheit, der dieses Ziel institutionell verfolgt. Mag umstritten sein, ist aber zumindest eine Institution:

https://www.bfg-muenchen.de

Marginalisierung?

Wie geht man heutzutage elegant mit Faschismusvorwürfen um? Man kokettiert mit ihnen. So wie es letztens die israelische Justizministerin gekonnt vorgeführt hat:

Sie tritt selbstherrlich auf: ein bisschen Sex Appeal, ein bisschen Vanity Fair. Faschismus? Der Befriff wird ad absurdum geführt. Der Begriff ist dehnbar geworden. Wenn es den eigenen völkisch-identitären politischen Interessen dient, ist es kein Faschismus mehr. Er ist wie ein Parfum, das etwas markant riecht. Man kann sich immer mit dem individuellen Geschmack rechtfertigen, ja diesen sogar besonders in Szene setzen. Man hat ja schließlich seit der Beendigung des letzten offiziell so genannten „Weltkrieges“ fast 65 Jahre Zeit gehabt an den Geruchsnuancen zu arbeiten.

Die Zeit ist reif, meine Damen und Herren! Der Weizen trennt sich wieder von der Spreu. Man sollte ab jetzt den Statements in seiner Umgebung aufmerksam Gehör schenken. Mir kommt es so vor, als würde ich nun genau das verspüren, was ich bisher nur aus Geschichtsbüchern kannte. So muss es wohl früher auch gewesen sein: Faschistische, rassistische, frauen- und queerfeindliche Statements werden verharmlost, meist von Menschen, die es gar nicht so böse meinen. Ganz im Gegenteil: es sind oft die, die sich ganz besonders um die Gesellschaft sorgen. Es sind die Sensibelchen, die lieben Menschen. Sie wollen nicht, dass es zu Schlagabtauschen kommt und nehmen übereifrig die regulierende Position ein.

Ja, sie empfinden sich als die liebenswürdigen Streitschlichter und wollen jeder Seite gleichermaßen entgegen kommen. Das führt dazu, dass sie krasse Aussagen – vor allem aus rechtskonservativen Kreisen – relativieren. Wie zum Beispiel letztens den dummen Karnevalswitz der Parteivorsitzenden der CDU (die hoffentlich bald in den Annalen der Partei versinken wird), in welchem sie unverhohlen transgenderfeindliche Äußerungen von sich gab. Es wäre gute alte Tradition, aktuelle Themen am politischen Aschermittwoch aufs Korn zu nehmen. Man dürfe sich da nicht so aufregen.

Es wird so getan, als handele es sich einfach nur um ein etwas komisch riechendes Parfum. Es ist auf keinen Fall Lebertran! Es ist eine Frage der persönlichen Präferenz. Es wäre geradezu antidemokratisch, diesen speziellen Humor nicht als solchen anzuerkennen und stattdessen eine politisch böswillige Aussage darin erkennen zu wollen.

Ausserdem:
„Das ist Tradition! Politischer Aschermittwoch! Hallo!“
„Also ich mag die ja auch nicht besonders, aber in diesem Falle, muss ich sie wirklich in Schutz nehmen.“
„Mit der Überbewertung solcher Lappalien, schadet man dem demokratischen Diskurs nur noch mehr.“
„Haben wir in diesem Land wirklich nicht ernstere Themen zu besprechen? Die Wirtschaft zum Beispiel.“

Kaum ist die Diskussion einigermaßen abgeebbt, bringt jedoch der Chef der Jungen Union genau die Verunglimpflichungen, die seine Parteichefin noch als ironischen Aschermittwochsscherz abgetan hat, bei einer Ansprache auf dem JU-Deutschlandtagb in Düsseldorf. Diesmal ist kein Karneval und es ist auch kein Scherz. Der Knabe meint das Bitterernst:

https://www.queer.de/detail.php?article_id=33214&fbclid=IwAR0xfzcxCoIN8DVE8kvovZ-wJlaoG-2n1s1I0kPBR_89H3H-XCF1nHDg6KI

Nein! Wir haben kein wichtigeres Thema! Rassismus, Faschismus, Marginalisierung von gesellschaftlichen Gruppen. Das sind die wichtigsten Themen weltweit! Und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Leider! Der Faschismus ist nicht nur ein Parfum, dass man ungeniert aufträgt. Wir impregnieren uns gerade damit. Er verhärtet unsere Hülle und macht sie undurchlässig. Wir verlieren unsere Offenheit und vor allem unsere Menschlichkeit. Deswegen „müssen“ wir uns Tag für Tag damit auseinandersetzen. Er kommt schleichend und heimtückisch. Mit jeder Ausnahme und Relativierung, ist er näher an uns dran. Die unwürdigste Art, den Kampf gegen ihn zu verlieren, ist das Eingelullt-Werden und danach von nichts gewusst haben, das Stille annehmen, obwohl man ja eigentlich gar nicht wollte und auch nie einer rechten Gesinnung angehörte, das „ja aber…“ sagen.

Viele wollen es nicht wahrhaben, aber die Zeit der offenen und ehrlichen Statements ist gekommen! Wir müssen den Kampf mit diesen Umtrieben entschlossen aufnehmen! Dürfen uns nicht nur im stillen Kämmerlein unseren Teil denken, sondern wir müssen uns äußern. Das ist nicht peinlich. Es ist auch nicht peinlich, detaillierte Fragen zu stellen, genauer hinzugucken, füreinander einzustehen.

Wenn wir das jetzt nicht machen, dann werden wir das bald bitter bereuen!

Keinen Fußbreit dem Faschismus!

„Der tiefe Zusammenhang zwischen harter elektronischer Musik und dem Nationalsozialismus“.

Nein, das akzeptiere ich nicht! Wir Deutschen sind keine Nazis! Es gibt bei uns keine Nazis mehr. Und wenn, dann sind das Neonazis und die haben mit den Nazis von damals nichts, aber gar nichts zu tun! Es gibt keine genealogische Fortsetzung dieser Ideologie in unserem Land. Wer das behauptet, ist ein verantwortungsloser Populist und beabsichtigt, die Stabilität unseres Rechtsstaates zu verletzen. 1945 ist der Nationalsozialismus abgeschafft worden und mit ihm auch der klägliche Rest der Nationalsozialist*innen. Deutschland hat seine dunkle Vergangenheit vollkommen verarbeitet und in die Geschichtsbücher verbannt. Wir Deutschen betrachten diese Phase unserer Geschichte nur noch aus der nüchternen Distanz von Historiker*innen.

Was’n billiger Witz!

Hahahahaaaaa!

Leckt mich am Arsch ihr naiven Dumpfbacken! Einen Scheiß habt ihr eure Geschichte verarbeitet! Bisher habt ihr diese Alibi-Rechtsstaatsdoktrin stur durchdekliniert. Aber im Grunde wusstet Ihr schon immer, dass dem nicht so ist, dass die Faschos sehr schnell wieder in Reih‘ und Glied mit erhobenen Armen dastehen würden, sobald die politische Gemengelage es nur wieder hergeben würde. Ihr wolltet es nur nicht wahrhaben und wahrscheinlich hattet Ihr die naive Hoffnung, dass alles wieder gut wird, wenn man das oben genannte Mantra nur oft genug vorbetet. Und jetzt tun alle wieder ganz entsetzt und fallen aus allen Wolken, nicht wahr? Keiner kann es sich so recht erklären, woher der „plötzliche“ Rechtsruck – vor allem in der jungen Population dieser Gesellschaft – herrührt?

Ich will es euch erklären: Ihr habt zu viel Techno gehört in den 90ern! Daran liegt das! War ich es etwa, der jahrzehntelang chemische Drogen zu stampfenden Beats genommen hat? Ha? War ich das? Nein! Ich konnte mit dem Scheiß nie was anfangen. Und ich habe mir wirklich Mühe gegeben. Das könnt ihr mir glauben! Ich wollte mich integrieren! Aber nach ein Paar Jahren der vergeblichen Liebesmüh‘, hab‘ ich dann kapitulieren müssen. Techno war nie etwas für mich. Alle haben’s geliebt, nur ich nicht. Trotzdem bin ich unermüdlich in die Technodissen gegangen, hab‘ mir die Nächte um die Ohren geschlagen, hab‘ Pillen geschmissen, immer in der Hoffnung, irgendwie Teil dieser Bewegung sein zu können. Aber nein! Es hat einfach nicht funktioniert! Neidisch habe ich meinen euphorisierten Freundinnen und Freunden beim jauchzenden abfeiern zugesehen und musste immer enttäuscht und frustriert die Szene verlassen. Zuhause hab ich dann meinen Ecstasyrausch ausgestanden. Mit dem konnte ich nämlich auch nix anfangen. Übel war das. Ich stand wieder einmal außerhalb der Gesellschaft, hing wieder mit meinen Homies im Ghetto ab, hörte Hip Hop und Arabesk Musik. Vor lauter Frust zogen wir dann den Techno-Kids die Jacken ab, stachen hin und wieder einen von ihnen ab und beklauten auch ihre Omis.

Ich habe lange darüber nachgedacht, woran das wohl gelegen haben mag und endlich habe ich eine Erklärung gefunden! Es hat meiner Meinung nach kulturspezifische Gründe: Techno hat irgendein Bedürfnis bei meinen europäisch-stämmigen „weißen“ Mitmenschen gedeckt, das ich eben nicht hatte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Musikströmung die subtile Verarbeitung einer generationenübergreifenden grausamen Kriegserfahrung getriggert hat. Der deutsche Techno war immer der härteste. Ist ja klar: die Deutschen haben schließlich immer hart eingesteckt: zuerst liefen die Kolonialpolitik und der erste Weltkrieg schief. Dann kam Adolf und hat ihnen nochmal die Eier aufgeblasen und die hat man ihnen im 2. Weltkrieg wieder eingetreten. Danach reihte sich ein Drama ans nächste: Adenauer, Heimatfilm, Mauerbau, Schlager, Krautrock, Neue Deutsche Welle, Mauerfall, Techno. Da braucht man sich nun wirklich nicht zu wundern.

Ironischerweise nannte man die größte Manifestation der Technobewegung in Deutschland auch noch „Loveparade“!… Loveparade? Fest der Liebe? Dieser Geisterbahnlärm soll die musikalische Entsprechung einer universellen Liebe sein? Was ist denn bei euch kaputt gewesen Leute? Das ist doch keine Liebesmusik? Das ist pure Sinnesamputation. Ihr habt euch eure Hirne und Seelen ficken lassen, weil Ihr euch und eure ganze nationale Schande nicht mehr ertragen habt. So schaut’s
aus. Und ich Idiot hab mir als Teenager auch noch Selbstvorwürfe gemacht, weil ich auf den Mist nicht stand. Wie sollte ich auch? Es hatte ja nichts mit mir zu tun. Irgendwann bin ich dann wieder beim guten alten R’n B und Hip Hop angelangt und gut war’s. Aber ein paar migrantisch-stämmige Freunde wollten unbedingt mitmachen. Und wenn man sie gefragt hat, dann hieß es, wegen der Extase und dem Sex. So ein Schmarrn. Wer will denn bitte mit diesen Geisterfressen Sex haben? Ich bitte euch. Da ging’s doch nie um Sex? Es ging um harte seelische Selbstzerstümmelung und sonst nix – also eigentlich um genau das Gegenteil von Sex, Soul, Liebe?

Ja, jetzt wird wieder groß protestiert, ich weiß! Ich würde die ganze Szene über einen Kamm scheren. Ja klar. Es gäbe ja gaaaanz viele unterschiedliche Spielarten von Techno. Ja, klar. Detroit Sound, Industrial, Frankfurt etc.. Ja Gibt es! Völlig unterschiedlich! Mhm! Manche reden sogar so, als wäre das die vielseitigste aller Musikrichtungen. Bullshit! Klar, mit einenhalb bis zwei Pillen in der Fresse käme mir das wahrscheinlich auch so vor!

Und dann geht’s gleich weiter im Shitstorm: Was mir einfallen würde, Techno als Nazimusik zu bezeichnen? Das habe ich nie und nimmer behauptet! Im Grunde hab ich ja auch nichts gegen Techno, aber…. Ihr müsst doch selber zugeben, dass das Gestampfe etwas militantes hat, oder? Es ist kalt, stählern und militant. So seh‘ ich das. Und es manifestieren sich darin die Schrecken der deutschen Geschichte. Techno ist die Rache des todbringenden Preußentums an seinen unwürdigen Nachfahren!

An den Haaren herbeigezogen? Find‘ ich gar nicht. Die Technogeneration ist Hirntot und hat rein ideologisch – völlig konträr zu ihrer selbstproklamierten Liebesmessage – wenig positives an ihr Umfeld und vor allem an die nächsten Generationen weitergegeben. Was ihr gelebt habt, war purer Hedonismus getarnt im Mantel einer universellen Pseudospiritualität. Das Resultat liegt offen auf der Hand: Ein kollektives Gehirnvakuum, dass jetzt bereit ist, mit eindimensionalen rechtsnationalen Phrasen gefüllt zu werden. Das sind doch alles die Kinder der Technogeneration, oder nicht? Die Kids sind doch alle Anfang 90er geboren? Von wegen die tolle deutsche elektronische Musik – leckt mich! Verlierermusik ist das!

So und jetzt verrat‘ ich euch noch was: wisst Ihr, warum Hans Georg Maaßen gerade wirklich gegangen wird? Es sind Tapes aufgetaucht, auf denen der (hoffentlich endlich) Ex-Verfassungsschutzchef dabei zu sehen ist, wie er Anfang Neunziger auf Ostberliner Underground-Technoraves rumhängt und Speed snifft. Na? Glaubt Ihr mir nicht? Die Aufnahmen werden bald viral gehen! Denkt dann an mich! Ich bin einer der Wenigen, der sie vorab sehen durfte. Ich geniesse da nämlich so ein Privileg…also, ich werde durch die Dönermafialobby protegiert und habe dadurch Zugriff auf hochbrisantes ultrageheimes Material des Verfassungsschutzes. Und das ist ein Fakt, der nur sehr wenigen in der Republik bewusst ist: die Dönermafia existiert wirklich! Aber hallo! Und sie hat schon längst den Verfassungsschutz infiltriert. Ihr denkt, die Zeit der Nazis ist gekommen, aber da irrt Ihr euch gewaltig: die türkischen Dönerfaschos sind jetzt am Start.

Diese Angelegenheit ist sehr weit in den tiefsten Tiefen des deutschen Staates verankert. Die rechtsradikalen Netzwerke in Deutschland sind ein Vogelschiss im Vergleich zur Dönermafia! Der NSU-Komplex wurde einzig und allein nur dafür geschaffen, um diese Organisation absurd wirken zu lassen, damit sie im Hintergrund ungestört weiter agieren konnte. All diese neuen rechten Strukturen – vor allem im Osten – wurden von staatsinternen dubiosen Seilschaften in Zusammenarbeit mit einer geheimen Zelle im Verfassungsschutz gelegt, um die Machenschaften der Dönermafia zu decken. Und nun regiert sie insgeheim die Bundesrepublik Deutschland!

Ich könnte mich jetzt eigentlich mal richtig relaxen und als Mitwisser meine Vorteile davon ziehen, aber ich mache es nicht. Warum? Weil ich ein guter Deutscher bin und mich als solcher meiner Heimat verpflichtet fühle. Ich liebe Deutschland und singe unter der Dusche heimlich die 3. Strophe der Nationalhymne, aber eines muss ich meinen deutschen Volksgenossen endlich einmal sagen: das mit der elektronischen Musik, das musste wirklich nicht sein. Das könnte allmählich auch mal abebben. Bringt doch nix! Gebt den Techno auf. Hört mehr Metal, Hip Hop oder Arabesk. Techno ist die Mutter allen Übels. Believe me!

Beitrag von Tuncay Acar für die Europaausgabe des türkischen Satiremagazins „Uykusuz“ – Veröffentlicht im September 2018.

Entsetzen in Deutschland

Ja wir sind entsetzt und beschämt. Deutschland schämt sich wieder. Das find ich gut! Das zeigt zumindest, dass das Schamgefühlt noch existiert. Sogar die Bild Zeitung ist empört. Ja schämt euch mal ihr Säcke! Ich schäme mich aus reiner Solidarität mit euch, obwohl ich bekennender Passdeutscher nur bin. Der sächsische Ministerpräsident Kretschmer hat ganz gut geredet bei der Pressemitteilung letztens. Er hat sein Volk in keinem Punkt geschont, die auf dem Rücken der Opfer betriebene rechtspopulistische Propaganda verurteilt und eindringlich auf die Gefahr von Rechts hingewiesen. Ich stimme mit ihm in fast allen Punkten überein. Nur in ein paaren nicht: Die Polizei hat vielleicht das beste gemacht, was sie in solcher Unterzahl hätte leisten können, aber gut vorbereitet war sie nicht. Nach all der Vorgeschichte, die das Bundesland Sachsen hinsichtlich rechtsextremistischer Gewalt schon vorzuweisen hat, nach all den Verfolgungsjagden, die sich auf der Straße nur ein Paar Tage vor dem letzten Riesenaufmarsch abgespielt haben, kann sich ein Polizeisprecher nicht damit rechtfertigen, dass man mit einer solchen Masse an rechten Demonstranten nicht gerechnet habe. Sorry, aber das ist leider der Job! Damit müsst Ihr rechnen. Wir rechnen schon seit Jahren ständig damit. Das schafft ihr schon auch. Außerdem wissen wir nur sehr genau, dass ihr das durchaus könnt, wenn ihr wollt!

Ich persönlich habe keine Lust mehr auf Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Co. Ja es sind schöne Bundesländer, aber ich fühle mich dort nicht wohl und solange ich nicht muss, fahre ich auch nicht hin. Ja es gibt No-Go-Areas für mich in Deutschland. Die meisten befinden sich in den sogenannten Neuen Deutschen Bundesländern. So wie mir geht es einigen aus meinem Umfeld. Ob mit Migrationsvordergrund, dunklerer Haut, oder ohne. Ist das nicht schade? Um’s einfach zu formulieren: „Da ist es mir zu Fascho“ und es gibt eine sehr traurige Vorgeschichte, die sich seit den 90ern bis in die jetzige Zeit weiterzieht.

Was Regierungsvertreter allerdings nicht gerne hören, ist der Vorwurf, man hätte bisher nicht genug gegen die Entwicklung von rechtsradikalen Netzwerken und der Verbreitung rechten Gedankenguts in Deutschland getan. Kretschmer äußert auch die Meinung, dass es jetzt nicht weiterhelfe, sich darüber zu streiten, wer mehr, oder weniger dagegen getan hätte. Im Klartext heißt das für mich, dass man sich immer noch einer kritischen Selbstanalyse verweigert.

Guten Morgen liebe Leute! Welche Hinweise braucht Ihr denn noch? In einigen Regionen im Osten Deutschlands bemächtigen sich rechte Strukturen so wichtiger Themen wie der Jugendarbeit, der Kinderbetreuung, der Familienarbeit und anderer sozialer Bereiche. Rechtsnational fokussierte Verlage übernehmen den Sektor der politischen Bildung. Rechte Musikveranstalter, Bands und Musikverlage drängen immer aufdringlicher in das Kultursegment, während Staat und Kommunen sich nicht trauen, Kultur- und Sozialetats mal deutlich nach oben zu korrigieren und neue, mittel- bis langfristig wirkende innovative Konzepte im Umgang mit rechtsradikalen Tendenzen in der jungen Bevölkerung einzuleiten, bestehende zu stärken und zu fördern.

Das staatliche Gewaltmonopol im verbalen Nachklang zu bemühen reicht alleine nicht aus! Erstens bezweifle ich es vehement, dass der Staat sein Gewaltmonopol gegen Rechts voll ausreizen wird. Und außerdem würde dies auch nicht viel helfen. Es braucht größere Etats und neue Konzepte im sozialen und kulturellen Bereich. Soziale Tätigkeiten und Berufe müssen wieder anständig bezahlt werden. Die Prioritäten in der Gesellschaft müssen anders gesetzt werden. Damals anfang der 90’er, nach Hoyerswerda, Rostock Lichtenhagen, Mölln, Solingen begnügte sich die Politik damit, mit einer härteren Einwanderungsregelung vor den rechten Forderungen einzuknicken. So konnten sich rechte Strukturen Kaskadenförmig aufeinander aufbauend weiterentwickeln. Nun sind wir soweit, dass der ganze NSU Komplex nicht korrekt aufgearbeitet werden kann, weil der Verfassungsschutz die Täter deckt und die Justiz die Tätergruppe wider besseren Wissens auf Einzeltäter reduziert. Der Rechtsstaat fürchtet sich vor seinen eigenen tiefen Abgründen und bevorzugt sie zuzuschaufeln und den Kopf in den Sand zu stecken.

Und jetzt? Jetzt kommt der nächste Arschtritt von Rechts und man ist schon wieder entsetzt, auf Grund der wiederholten Zerstörung seines rosaroten Traumbildes von sich selbst durch ostdeutsche, rechte Chaoten. Ja dann seid mal entsetzt und beschämt! Hässlich seid ihr obendrein. Ich persönlich würde mich freuen, wenn es diesmal nicht bei Entsetzen und Scham bleibt. Es braucht eine breit aufgestellte Agenda gegen Rechts, ein flächendeckendes sozialpolitisches Programm, sonst fliegt uns das rosarote Rechtstaatstheater hier sehr bald um die Ohren. Was soll denn das? Alle tun immer noch so, als wären das ein paar verirrte Wirrköpfe? Das sind stramm organisierte verfassungsfeindliche politische Netzwerkstrukturen, die bis in den Verfassungsschutz und den Polizeiapparat hineinreichen. Ja ja, ich übertreibe! Klar! Einen Scheißdreck übertreibe ich! Und das wißt Ihr alle eigentlich genauso gut wie ich. Nur wahr haben will man’s halt nicht. „Es ist doch noch so schön? wir befinden uns doch gerade erst wieder im wirtschaftlichen Aufschwung“.

Ja tun wir. Dann sollten wir gefälligst flächendeckend in langfristige sozialpolitische Bildungs- und Beschäftigungsprogramme für Ostdeutschland investieren, damit dieser Spuk mal ein Ende hat. Auf’s staatliche Gewaltmonopol würde ich mich da am allerwenigsten verlassen. Das hat noch nie wirklich geholfen. Außerdem sitzt genau in diesem Gewaltmonopol das faschistische Potenzial des Staates.

Eigentlich ist jeder von uns mindestens zwei

#metwo?

Ja verdammt! Seit Jahrzehnten bin ich mindestens two. Seit ich mich kenne empfinde ich das eigentlich so. Two, three, four und auch mehr: Georgier, Türke, Deutscher, Bayer, Münchner, Milbertshofener, Europäer, Istanbuler, Asiate, Bosporus-Asiate, Musiker, Percussionist, Sänger, Straßenmensch, Künstler, Graffitiartist, Archäologe, Kulturaktivist, Küstenmensch, Fischer, und und und. Warum so viele? Weil ich mich schnell identifizieren kann mit einer neuen Lebensform, einer neuen Sprache, einem neuen Rhythmus, einer neuen Melodie, einem neuen Gefühl. Jedes sinnliche und geistige Element im Leben birgt eine Neue Identität in sich. Für mich ist das nichts Besonderes, auch nichts Neues. Im Grunde glaube ich, dass jeder Mensch so funktioniert.

Klar verstehen das viele nicht. Das ist im Wesentlichen aber nicht nur hier in Deutschland so, sondern leider im Großteil der Welt. Ich verweigere mich der Behauptung, dass ein Problemempfinden gegenüber Multi-Identitäten in der deutschen Bevölkerung besonders oft auftreten soll. Es fällt hier nur besonders stark ins Gewicht, denn man hat den Debattierraum dazu und vor allem den Vorteil, dass man sich von einer einengenden nationalen Identität eigentlich schon längst optimal weit weg bewegt hatte. Ja dies war und ist ja eigentlich noch ein Hort der DichterInnen und DenkerInnen, also welch Wunder auch! Die mentalen Freiräume, die man sich andernorts noch mühsam erarbeitet, sind hier auf Grund der geistigen Vorgeschichte, aber natürlich auch bedingt durch den Dämpfer der Nazikeule und ihrer Folgen im Grunde schon längst vorhanden. Wie schön eigentlich!

Nun erheben sich jedoch die Stimmen derer, laut denen eben diese Freiräume wieder künstlich eingeengt werden sollen, denn ohne Nationalempfinden fehlt uns Deutschen doch etwas! Wir wollen genauso unsere stumpfsinnigen nationalen Symbole feiern, wie alle Anderen auch, obwohl wir eigentlich aus Erfahrung zu gut wissen, das diese nur hohle Gebilde sind. Vielleicht liegt dem nur eine Art banaler Futterneid oder so etwas zu Grunde?

Das erinnert ein wenig an die Zeit während der Hochphase der globalen Kolonisation, als die Deutschen, auf Grund ihres allzu geringen Erfolges, die permanente Unzufriedenheit plagte. Sie hatten immer zu wenig von dem, was die anderen hatten und das was sie selber hatten – nämlich eine reiche Kultur-/Kunstlandschaft und geisteswissenschaftliche Tradition – war Ihnen nicht Mannhaft genug. An dieser Stelle kam bekanntlich Hitler ins Spiel und blies ihnen durch den gestutzten Schnauzbart etwas Mannhaftigkeit in den Arsch. Aber da er selber auch nur ein Ei hatte, konnte das Ganze ja nicht gut enden. Das Schlimme ist: Man kann nicht mal aufrichtigen Herzens „Schade“ sagen.

Nun jedoch zurück zur Kritik am nationalistischen Gedanken: In den meisten Ländern war und wäre so etwas nicht einmal im geringsten diskutierbar. In vielen Regionen der Welt greifen seit Jahrhunderten, religiöse, kulturelle, nationalistische, rassistische Formeln so stark in den Alltag ein, dass eine kritische Sicht auf spezifische gesellschaftliche Themen im Auge der Allgemeinheit sofort als ultrakrasser Affront gegen die Gemeinschaft gesehen und auf Anhieb bekämpft werden muss. Nicht nur in sogenannten „Schwellenstaaten“, sondern zum Beispiel auch in den USA. Dort ist der Begriff „unpatriotisch“ beispielsweise noch erstaunlich oft als negative Wertung im alltäglichen Diskurs präsent.

Was unpatriotisch ist, hat in den USA – vor allem auf politischer Ebene – keine Legitimation! Warum ich jetzt explizit nur die USA nenne? Weil ich gschert (bayrisch für arschig) bin und auch weiß, dass das auffallen wird. Es ist ein strategischer Griff, um euch bei der Stange zu halten. Die einen fühlen sich wahrscheinlich provoziert und die anderen bestätigt. Das tut der Aufmerksamkeitsquote dieses Artikels gut. Abgesehen davon könnte man an dieser Stelle natürlich ganz viele andere Staaten ebenfalls nennen.

Zurück zum Thema: Diese Selbstverständlichkeit, die in der amerikanischen Öffentlichkeit vorherrscht, hat man sich wohl auch hierzulande schon lange herbeigesehnt, und das wohl schon seit der dramatischen Verstummung der flammenden Patriotenseele im Sommer 1945. Jetzt ist es aber bald wieder soweit! Auch hierzulande nehmen nationalistische Wertungskriterien zunehmend überhand. Woanders sind es religiös, oder kulturhegemonial dominierte. Ist ja auch wurscht, Hauptsache Identität.

Deswegen werde ich bei meinem nächsten öffentlichen Auftritt die deutsche Nationalhymne singen. Und zwar genau deswegen, weil sie mir schnurzpiepegal ist, genauso wie die türkische übrigens auch. Nationalhymnen finde ich lächerlich. Auch nationale Identitäten bewegen mich nicht. Nationen hingenen können mir leider nicht egal sein, denn als Funktionsprinzipien bilden sie aktuell die Grundlage dieser Scheiß-Weltordnung. Im Grunde sind sie jedoch nur Scheingewebe, weil im Hintergrund steuerbefreite Megakonzerne die Staatsbudgets steuern, aber da wären wir schon wieder bei der Verschwörungstheorie angelangt. In ein paar Jahren tun zwar dann alle so, als hätten sie das schon immer gewusst und auch schon ganz früh so formuliert, die feigen Säcke! Jetzt gehört es jedoch noch zur intelligenten Mainstreamansicht, so zu tun, als ob Staatsoberhäupter und Premiers die Nationen dieser Welt regieren….ich denke tatsächlich, dass das Bullshit ist.

An dieser Stelle komme ich völlig zusammenhangslos zu einem wichtigen Bekenntniss: Ja, ich bin ein Passdeutscher und ich liebe dieses Gefühl, dass ich meinen Pass einfach nur als Vehikel nutze, um mir Vorteile zu verschaffen. Wenn ich einen türkischen Pass hätte, wäre ich übrigens auch Passtürke, aber der türkische Pass bringt gerade nicht viel Vorteile. Also bin ich lieber Passdeutscher. Passamerikaner würde ich hingegen nie und nimmer sein wollen. Weder Adler, noch Halbmond und Stern wecken in mir irgendwelche hochtrabenden Emotionen. Nationale Zugehörigkeit ist für mich ein rein funktionaler Akt. Mehr braucht man sich da auch echt nicht einzubilden.

So schauts aus! Das heißt ja nicht, dass man nirgends dazugehört. Ganz im Gegenteil! Ich gehöre dahin, wohin ich mich zugehörig fühle, mitnichten jedoch zu einem durch nationale Grenzen eingeengten Raum, in welchen mich mein Pass im wahrsten Sinne „einpassen“ soll.

In mir schlagen mehrere Herzen  bla bla. Es schlagen soooo viele Herzen in mir, dass sie in einem Pass gar nicht Platz finden würden, könnten und müssten bla.

In diesem Sinne gerne mindestens #metwo! Die rassistischen Anfeindungen bin ich natürlich auch gewohnt, ist klar! Ich kenne sie sehr gut sogar. Die bewusst und offen geäußerten sind meist harmloser, als die bewusst subtil getätigten Diskriminierungsversuche. Am allerbesten kenne ich jedoch die am häufigsten vorkommende und hinterhältigste Variante: die naiv, dumm und unbewusst dahergelaberte, die mit einem dämlichen Gekicher garnierte, auf die man oft mit einer üblen subtilen Gegendiskriminierung antwortet, welche aber wiederum nichts bringt, weil sie auf Grund der abgrundtiefen Dummheit deines Gegenübers im positiven Sinne missgedeutet und als Selbstbestätigung mit Heim genommen wird. In dem Falle bleibt dir nur noch das barsche Brüskieren, aber das würde nur emotionales Chaos mit unwürdigem Gejammer mit sich bringen und das willst du dir nicht antun, wirklich nicht! Zumal sie dich dann im Heulton auch noch zum Täter machen, diese dreckigen kleinen Aasgeier. Sowas kann dann sogar in subkutan agierender Aggression ausarten. Es kann sogar passieren, dass du zur Projektionsfläche eines narzistischen Selbsterfahrungstrips wirst. Im schlimmsten Falle wirst du gestalkt. Im allerschlimmsten von einem völlig abstrusen Netzwerk aus rechtsnationlistischen AktivistInnen, Verfassungschutz und V-Männern ermordet.

Na, ja. Immerhin entsteht ab und an mal ein guter Witz!

Der dauernde Kulturkampf mit der Mainstream-Mehrheit ist eine zähe Angelegenheit. Man muss sich eine Reihe von radikalen Schocktherapiemethoden aneignen und dabei stark darauf achten, dass man nicht zu viel Zeit und Energie in Einzelfälle investiert, außer, man sucht kurzfristige Erbauung, oder man hängt wirklich an ihnen. Deswegen wende ich diese Form der Therapie meist nur noch an, wenn ich gleich einen Haufen Mitmenschen vor mir habe. Dann lohnt es sich wenigstens ordentlich und das in vierfacher Hinsicht: die dummen fangen’s Grübeln an, die narzistischen Psychos fühlen sich entlarvt und suchen sich ein anderes Opfer, die schlauen amüsieren sich und ich amüsier mich gleich mit.

Das beste sind Konterroutinen, die man in solchen Fällen dann wie Maschinengewehrsalven rausballert. Den Oberflächlichkeitsanteil dieser bemesse ich dabei wiederum an der Oberflächlichkeit meines Gegenübers. Je mehr er oder sie bereit ist, zu geben, desto mehr Intensität und Tiefe gibt es auch von mir, was oft auch bedeuten kann, dass es schmerzhafter wird. Aber jeder Milimeter menschlicher Nähe ist es Wert. Glaubt es mir! Nimm den Schmerz, wandle ihn um in positive Energie und gib diese ungehemmt weiter. Es lohnt sich!

Am schönsten wär’s eh ganz ohne diesen bescheuerten Hick Hack.

Und wenns gar nicht klappt, dann kann man sich ja immer noch einfach in Ruhe lassen.

In diesem Sinne: #weatleasttwo!

Du bist ein Horst

Ich würde mir auch mal gerne eine solch fürstliche Diät wünschen für so einen Haufen Faxen und Kasperltheater, wie „Horst Heimat“ sie seit Jahren in seinem vorigen Job und vor allem jetzt im Moment fabriziert. Das Problem bei der Angelegenheit ist, dass er und seine Spezis gerade 1A Vorarbeit für die rechtsradikalen Populisten im Parlament betreiben. Ich schätze sie so rückgratlos ein, dass es mich nicht wundern würde, wenn sie irgendwann offen mit ihnen kooperieren.

Und dann heisst’s wieder: „Das hätte man doch nun wirklich nicht kommen sehen können!“. Alles nur Alibi, ich sag’s euch. Doch, das kann man vorahnen! Haben wir schon zu oft erlebt. Ich meine, ich will’s ja nicht heraufbeschwören, aber man muss eben auch mal realistisch bleiben: Wenn man nicht will, dass Geschichte sich wiederholt, dann muss man aus ihr seine Lehren ziehen, sich zumindest mit ihr beschäftigen.

Diese Hornochsen hingegen sehen für mich nicht danach aus, als hätten sie irgendwas dazugelernt und das macht die Situation eben so kritisch. Jetzt kann man natürlich sagen: „Ja schau dich doch mal um. Die Hornochsen gibt’s ja nicht nur bei uns“. Ja, klar, gibt’s die nicht nur bei uns, aber erstens mal hat man das schon öfter in der Vergangenheit gesagt und auch die Rechnung dafür kassiert und zweitens mal, denke ich, dass sich halt jeder um seine eigenen Hornochsen kümmern muss.

Is‘ ja so, oder? Die darf man halt nicht aufs bebaute Feld lassen, denn die haben kein Bewusstsein für gewachsene zivilisierte Kultur. Für die zählt nur ihr Wiederkäuermagen und der verträgt einiges. Aber was erzähl ich hier wem eigentlich? Oder gibt’s unter den Gästen dieses Blogs jemanden, der/die diese Nasen gewählt haben?

Blumentopf haben dem Thema vor Jahren übrigens einen herrlichen Track gewidmet: