Schmachtfetzen #9: Cucurrucucu Paloma von Tomás Méndez

Das Original stammt aus den 50’er Jahren und wurde von dem mexikanischen Musiker Tomás Méndez geschrieben. Es handelt sich um einen klassischen Mariachi Song im Huapango Style, dessen Text auf sehr bildhaft romantische, aber auch fatalistische Art die Trauer um eine an den Tod verlorene Geliebte schildert. Meiner Meinung nach stammt die anrührendste Version vom großartigen Caetano Veloso. Dieser performte den Song in dem preisgekrönten Film „Sprich mit Ihr“ von Pedro Almodovar. Somit gerier er wieder in den Fokus der breiten Weltöffentlichkeit. Hier eine Liveversion in Begleitung eines Symphonieorchesters. Welches, konnte ich leider nicht herausfinden. Es ist meine ultimative Lieblingsversion:

Dicen que por las noches
No mas se le iba en puro llorar
Dicen que no comia
No msa se le iba en puro tomar
Juran que el mismo cielo
Se estremecia al oir su llanto
Como sufri por ella

Y hasta en su muerte la fue llamandoAy, ay, ay, ay, ay cantaba
Ay, ay, ay, ay, ay gemia
Ay, ay, ay, ay, ay cantaba
De pasion mortal moria

Que una paloma triste
Muy de mañana le va a cantar
A la casita sola
Con sus puertitas de par en par
Juran que esa paloma
No es otra cosa mas que su alma
Que todavia la espera
A que regrese la desdichada

Cucurrucucu paloma
Cucurrucucu no llores
Las piedras jamas, paloma
Que van a saber de amores?
Cucurrucucu, cucurrucucu
Cucurrucucu, cucurrucucu
Cucurrucucu, paloma
Ya no le llores

Sie sagen, dass er nachts nicht schläft
und ständig weint.
Sie sagen, dass er nichts mehr isst
und nur noch trinkt.
Sie glauben, dass sogar der Himmel ergraute,
nachdem er sein Klagen gehört hatte
und sah, wie er um ihrer wegen litt
und bis zu seinem Tode fortwährend weinte.

Ay, ay, ay, ay, ay sang sie
Ay, ay, ay, ay, ay seufzte sie
Ay, ay, ay, ay, ay sang sie
Aus tödlicher Leidenschaft starb sie

Und eine traurige Taube
sank nieder in am frühen morgen
auf das Dach eines verlassenen Häuschens
mit weit geöffneten Türen
Sie glauben, dass diese Taube
nichts anderes ist, als seine Seele,
die immer noch wartet,
auf das die verblichene zurückkehren möge.

Cucurrucucu meine Taube
Cucurrucucu weine nicht
was sollen diese Steine denn verstehen, ach meine Taube,
von der Liebe?
Cucurrucucu, cucurrucucu
Cucurrucucu, cucurrucucu
Cucurrucucu, meine Taube
Ach weine nicht!

Songwriter: TOMÁS MÉNDEZ SOSA

 

Schmachtfetzen #7: Zeki Müren – „Gözlerin Doğuyor Gecelerime“

Eine der großen Superstars der türkischen Musik, der sich nie wirklich zu seinem Schwulsein bekannt hat. Aber wie auch? Ab den 50er Jahren bis zu seinem Tod in den Achtzigern galt der unter Staatsvertrag stehende Musikbeamte Zeki Müren als die Verkörperung der türkischen Musikkultur. Er war der scheinende Stern am Firmament. In dieser Position konnte er sich sowieso alles erlauben. Man könnte ihn als eine Art türkischen „Liberace“ bezeichnen. Insofern waren seine unzähligen Affären und Liebschaften durchaus bekannt. Aber wie das eben in einer patriarchalen und streng konservativen Gesellschaftsstruktur ist, greift in solchen Fällen die Schizophrenie der Doppelmoral. Trotz allem waren seine Outfits und extravaganten Auftritte all diese Verlogenheit allemal wert! Dieser hier gepostete Song gilt als ein Klassiker aus der Arabesk-Ära des Künstlers. Natürlich hat er ihn nur interpretiert. Die Komposition stammt aus der Feder des großartigen Yusuf Nalkesen, der Text hingegen kam von Halit Çelikoğlu.

Zeki Müren – „Gözlerin Doğuyor Gecelerime“

Ne mektup geliyor ne haber senden
Söyle de bileyim bıktın mı benden?
Her akşam güneşin battığı yerden
Gözlerin doğuyor gecelerime 4x

Geçilmez gurbetin sokaklarından
İçilmez suları pınarlarından
Öptüğüm o ıslak dudaklarından
Sözlerin doğuyor gecelerime 4x

Çileli doğmuşum zaten ezelden
Hasrete alıştım ne gelir elden
Yaşlı gözlerime baktığım yerden
Gözlerin doğuyor gecelerime 4x

Zeki Müren – „Deine Augen scheinen in Meine Nächte“

Es kommt weder ein Brief noch eine Nachricht von dir.
Sag doch: hast du mich etwa satt?
Von dort, wo die Sonne am Abend untergeht,
scheinen nun deine Augen in meine Nächte.

Die Gassen der Fremde sind schwer zu beschreiten.
Die Wasser ihrer Quellen sind untrinkbar.
Aus deinen feuchten Lippen, die ich küsste,
fliessen nun deine Worte in meine Nächte.

Ich bin doch schon mit Ungemach geboren,
habe mich an die Sehnsucht gewöhnt.
Von dort, wo du in meine feuchten Augen blicktest,
scheinen deine nun in meine Nächte.

Schmachtfetzen #8: Yaşar Güvenir – Sensiz Saadet Neymiş

Sensiz saadet neymiş
Tatmadım bilemem ki
Alnımın yazısıydın
Ne yapsam silemem ki

Sensiz saadet neymiş
Tatmadım bilemem ki
Alnımın yazısıydın
Ne yapsam silemem ki

Seni uzaktan sevmek
Aşkların en güzeli
Alıştım hasretine
Gel desen gelemem ki

Seni uzaktan sevmek
Aşkların en güzeli
Alıştım hasretine
Gel desen gelemem ki

Was bedeutet Glück ohne dich?
Kenne es doch nicht? habe es nie erfahren.
Du warst des Schicksal’s Siegel auf meiner Stirn.
Ich kann es nicht löschen.

Was bedeutet Glück ohne dich?
Kenne es doch nicht? habe es nie erfahren.
Du warst des Schicksal’s Siegel auf meiner Stirn.
Ich kann es nicht löschen.

Das schönste ist,
dich aus der Ferne zu lieben.
Die Sehnsucht nach dir, bin ich gewöhnt.
Auch wenn du mich riefest, wie sollte ich denn kommen?

Das schönste ist,
dich aus der Ferne zu lieben.
Die Sehnsucht nach dir, bin ich gewöhnt.
Auch wenn du mich riefest, wie sollte ich denn kommen?

Yaşar Güvenir wird 1929 als 6. Sohn des Staatsmusikers Osman Güvenir nach 5 Fehlgeburten als erstes gesundes Kind geboren. Deswegen auch die Namenswahl: „Yaşar“ = „Er wird leben“.

In eine Musikerfamilie hineingeboren, interessiert sich der Junge sehr schnell für das Instrument seines Vaters: den Kanun (die Zither der türkischen klassischen Musik).

Als Jugendlicher begeistert er sich für Jazz und westliche Musik, verliert jedoch seine Liebe zur türkischen Musik nicht. Im Lizeum lernt er Piano und Akkordeon zu spielen. Bald beginnt er im Amerikanischen Club in Ankara aufzutreten.
Als junger Literaturstudent fährt er mit seinen musikalischen Aktivitäten fort und singt und spielt nun vorwiegend englischsprachige Lieder und türkische Tangos.

Seine Karriere entwickelt sich bald in Istanbul weiter, wo er duch 2 Liveaufzeichnungen im Istanbuler Staatsradio sehr populär wird. Seine englischsprachige Komposition „My Crazy Baby“ wird von der damals populären italienischen Sängerin Mina unerlaubt gecovert und es kommt zu einem langwierigen Rechtsprozess, im Zuge dessen er die Nennung seines Namens als Komponist und Texter des Songs durchsetzen kann. Dadurch erlangt Güvenir kurzfristig eine nicht zu unterschätzende Popularität in Europa.

Er verliebt sich, wird Vater zweier KInder und eröffnet in Ankara ein eigenes Etablissement. Diese Unternehmung wird jedoch nicht durch Erfolg gekrönt. Auch privat läuft es nicht gut. Seine Frau trennt sich von ihm und verunglücklicht kurz danach bei einem Verkehrunfall, was ihn veranlasst, die Textzeilen zu „Sensiz Saadet Neymis“ zu verfassen.

Der Songtext gewinnt einen bedeutenden Preis im Inland und wird von den großen Star „Zeki Müren“ interpretiert. Diese Version gefällt Güvenir nicht besonders und er beschließt, eine eigen Version zu komponieren.

Als dann diese eigene Version des Liedes von einem weiteren großen Star der türkischen Musikszene – Gönül Yazar – interpretiert wird, erziehlt er große Verkaufszahlen. Güvenir komponiert weiterhin großartige Songs, bleibt aber leider unter dem Radar der Öffentlichkeit und erhält unverdientermaßen wenig Anerkennung dafür.

Ein weiterer großer persönlicher Verlust führt dann paradoxerweise zu seinem nächsten großen musikalischen Erfolg: Als seine Tochter stirbt, formuliert er seine Trauer wieder in einem brillianten Songtext, welcher von dem großen Sänger Ahmet Özhan sehr erfolgreich interpretiert wird: „Çaresizim“ (Ich bin verzweifelt).

Jedoch lässt der nächste Schicksalsschlag nicht lange auf sich warten: nach einer Herzoperation erleidet er eine halbseitige Lähmung und kann ab da seinen linken Arm nicht mehr benutzen, jedoch führt er seine Arbeit als Komponist und Texter fort.

Am 10. Januar 1998 stirbt der relativ unbekannte und unbeachtete Musiker und hinterlässt eine große Zahl an grandiosen Songs.

Schmachtfetzen #6: Intizar

Wahrscheinlich wurde dieser Song von einem französischen Popsong adaptiert. Ich bin gerade noch am recherchieren. Der Text quillt direkt aus den tiefsten Tiefen der hilflosen Seele eines oder einer hoffnungslos Verliebten auf.

Die türkische Version stammt von Suat Sayin, einem samtstimmigen Sänger, der den Zenith seiner Phase in den 60ern und 70ern hatte und dafür bekannt war, dass er als einer der ersten arabeske Einflüsse in die türkische Klassik eingebracht hat.

Liedtext auf Türkisch:

Sakın bir söz söyleme
Yüzüme bakma sakın
Sesini duyan olur
Sana göz koyan olur

Düşmanımdır seni kim
Bulursa cana yakın
Annen bile okşasa
Benim bağrım kan olur

Dilerim tanrıdan ki
Sana açık kucaklar
Bir daha kapanmadan
Kara toprakla dolsun

Anmasınlar adını
candan anan dudaklar
Sana benim gözümle
Bakan gözler kör olsun

Übersetzung auf Deutsch:

Sei nur still und sag kein Wort!
blicke mir ja nicht ins Gesicht!
es kann sein, dass man dich hört
und ein Auge auf dich wirft.

Wenn mein Feind sich nach dir sehnt.
und eine Nähe zu dir spürt,
gar deine Mutter dich berührt,
mein Herz im Dunklen tief versinkt.

Ich bete oft zum Himmel hoch,
dass jeder dir offene Schoß
sich mit schwarzer Erde füllt
und sich niemals wieder schließt.

Den Lippen die dich von mir rufen
denen sei dein Name versagt.
Den Augen, die dich bei mir suchen
sei kein Licht bei Tag und Nacht!

Schmachtfetzen #5: Bergen – Sen affetsen, ben affetmem

Tanrım kötü kullarını
Sen affetsen ben affetmem
Bütün zalim olanları
Sen affetsen ben affetmem
Bütün zalim olanları
Sen affetsen ben affetmemSen tanrısın, affedersin
Bağışlarsın, kulum dersin
Sen tanrısın, affedersin
Bağışlarsın, kulum dersin
Neler çektim, sen bilirsin
Sen affetsen ben affetmem
Sen affetsen ben affetmem
Bütün zalim olanları
Sen affetsen ben affetmemAğlatıp da gülenleri
Terk edip de gidenleri
Sevilip sevmeyenleri
Sen affetsen ben affetmem
Sevilip de sevmeyenleri
Sen affetsen ben affetmem

Ümidimi kıranları
Bu dünyayı yakanları
Ümidimi kıranları
Bu dünyayı yakanları
Dar günde bırakanları
Sen affetsen ben affetmem
Sen affetsen ben affetmem
Boynu bükük koyanları
Sen affetsen ben affetmem

Allmächtiger, du mögest den schlechten Menschen verzeihen, ich aber nicht.
All diesen Grausamen mögest du  verzeihen, ich aber nicht.Du bist allmächtig, du kannst verzeihen,
sie sind ja schließlich deine Geschöpfe.
Du mögest verzeihen, ich aber nicht.
Du mögest verzeihen, ich aber nicht.
All diesen Grausamen
Mögest du verzeihen, ich aber nicht.Denen, die einen zum weinen bringen und selber lachen.
Denen, die gehen und einen verlassen,
die geliebt werden und selber nicht lieben können,
all denen mögest du vielleicht verzeihen, ich aber nicht.

Denen, die geliebt werden und selber nicht lieben
mögest du  verzeihen, ich aber nicht.
Denen, die meine Hoffnung zerstört haben,
die diese Welt in Flammen gesteckt haben,
die mich in schlechten Tagen alleine gelassen haben,
mögest du  verzeihen, ich aber nicht.
Denjenigen, die mein Haupt niedergesenkt halten,
mögest du  verzeihen, ich aber nicht.

Belgin Sarılmışer (Künstlerinnenname: Bergen) war eine Türkische Arabesksängerin aus dem Südosten der Türkei (Mersin).
Ihre Karriere begann anfang der 80er Jahre. Zeitgleich ging mit einem konservativen Clanangehörigen eine verhängnisvolle Beziehung ein, die ihr Leben und ihre Karriere wesentlich beeinflussen und auch früh beenden sollte. Er lernte sie in einem Etablissement als Sängerin kennen, jedoch verbot er ihr nach der Heirat, jemals wieder auf der Bühne aufzutreten.
Sie wollte jedoch weder ihn, noch ihre Karriere aufgeben. Als die talentierte Sängerin von populären Musikproduzenten aus Istanbul angeworben wurde, konnte ihr Lebenspartner dies nicht ertragen. Er liess ihr Nachts auflauern und Säure ins Gesicht schütten. Dadurch verlor sie ein Auge. Der Mann wurde zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt.
Sie stand aber trotzdem zu ihrer Liebe zu ihm und besuchte ihn sogar mehrere male im Gefängnis. Hartnäckig verweigerte sie ihm sogar die Scheidung, mit der sie sich eigentlich aus der gesellschaftlichen Zwangssituation befreien hätte können, denn ihm ging es lediglich um den Clanstolz, der die Ehe mit einer Sängerin nicht zuließ. Sie führte trotzdem ihre Karriere fort und wertete ihr hartes Schicksal sogar zu ihrem Nutzen um. Bergen wurde daraufhin als „die Frau der Leiden“ propagiert und hatte sehr großen Erfolg. Sie lebte ein mutiges unabhängiges Leben und gönnte sich auch einige Liebhaber.
Ihre aufbegehrende Haltung forderte jedoch letztendlich unerbittlich ihren Tribut. Kurz nachdem ihr Ehemann 1989 aus dem Gefängnis entlassen wurde, passte er ihren Wagen auf dem Heimweg nach einem Konzert in einer Nachbarstadt ab und ermordete sie.
Während ihrer kurzen, aber furiosen Karriere nahm Bergen 6 Vinylalben, 11 Musikkassetten auf und drehte einen Spielfilm. Insgesamt produzierte sie 129 Lieder. Sie gilt seitdem in der Türkei als Inbegriff der leidenden, unangepassten Frau und fungiert immer noch als Symbolfigur der Arabesk-Szene, in der die Kredibilität und Authentizität gerne durch reelle Erschwernisse des persönlichen Lebens untermauert werden. Bergen lebte jeden einzelnen ihrer Songs im wörtlichen Sinne.
Der oben eingefügte Song ist einer ihrer bekanntesten. Text und Komposition stammen aus der Feder des berühmten Arabesk-Komponisten Ali Tekintüre.

Schmachtfetzen #4: „Haberin Var Mı?“ von Fikret Kızılok

Haberin var mı?

Haberin var mı?
Terk etmedi sevdan beni
Aç kaldım, susuz kaldım gecelerce

Geceler geceler

Yastığımda, düşümde, içimdesin
Bir hain bıçak gibi kalbimdesin
Dermanı yoktur bilirim

Tütünsüz, uykusuz kaldım
Terk etmedi sevdan beni
Aç kaldım, susuz kaldım gecelerce

Geceler geceler

Yastığımda, düşümde, içimdesin
Bir hain bıçak gibi kalbimdesin
Dermanı yoktur bilirim

Weißt du überhaupt davon?

Die Liebe zu dir hat mich nie verlassen.
Ich leidete hunger und Durst all die Nächte,

die Nächte, die Nächte.

Du bist in meinem Kissen, in meinem Traum,
in meinem Herzen wie ein hinterhältiges Messer.
Ich weiß, es gibt keinen Trost.

Ich bin ohne Tabak, ohne Schlaf geblieben.
Die Liebe zu dir hat mich nie verlassen.
Ich leidete hunger und Durst all die Nächte,

die Nächte, die Nächte.

Du bist in meinem Kissen, in meinem Traum,
in meinem Herzen wie ein hinterhältiges Messer.
Ich weiß, es gibt keinen Trost.

Schmachtfetzen #3: Was ist mir geblieben?

Ein wunderbar leidvolles Lied von Aşık Mahzuni Şerif: „Nem kaldı?“ (Was ist mir geblieben?)

Hier in einer Version des legendären Cem Karaca:

Parsel parsel eylemişler dünyayı
Bir dikili taştan gayrı nem kaldı
Dost köyünden ayağımı kestiler
Bir akılsız baştan gayrı nem kaldı

Padişah değilem çeksem otursam
Saraylar kursam da asker yetirsem
Hediyem yoktur ki dosta götürsem
İki damla yaştan gayrı nem kaldı

Yiğit geçinenler namert çıktılar
Sonra ettiğine pişman çıktılar
Eski dostlar bize düşman çıktılar
Birkaç tane itten gayrı nem kaldı

Mahzuni Şerifim çıksam dağlara
Rastgelsem de avcı vurmuş marala
Doldur tüfeğini beni yarala
Bir yaralı döşten gayrı nem kaldı


Was ist mir geblieben?

Sie haben die Welt durchparzelliert.
Was ist mir geblieben ausser einen stehenden Stein.
Kein Fussbreit liessen sie mir im einst vertrauten Dorf.
Was ist mir geblieben, ausser einem unvernünftigen Kopf?

Ich bin kein Sultan, kann nicht ungerührt bleiben.
oder gar Schlösser bauen und mir Söldner halten.
Habe kein Geschenk, um’s dem Freund zu bringen.
Was ist mir geblieben, ausser zwei Tropfen der Tränen?

Vornehmliche Edelmänner, entpuppten sich als Halunken.
Und reuten danach, was sie getan.
Die trauten Freunde, sind uns Feind geworden.
Was ist mir geblieben, ausser ein paar Hunden?

Ah Mahzuni Şerif, würde ich Berge erklimmen.
würde ich das Rotwild finden, der Jäger hätte es schon gestreckt.
Lade dein Gewehr nun und verletze mich.
Was ist mir geblieben, ausser einem wunden Herzen?

Schmachtfetzen #2 – Orhan Gencebay: „Kaderimin Oyunu“ oder „das Schauspiel meines unheilvollen Schicksals“

Hallo Schätzchen,

Ein wunderschöner Schmachtfetzen vom Großmeister Orhan Gencebay wurde in den 70’ern von der türkischen Pop-Ikone Ajda Pekkan im damals populären Stil mit fetten Bässen und funky Drums reinterpretiert. Die tieftraurigen Texte sind ein Charakteristikum dieser Musikrichtung: Arabesk bedeutet, das alltägliche Leid zu genießen, ohne dabei die Würde zu verlieren. Dies gehört zu einem Lifestyle, der hierzulande oft mit Migranisation und romantischer Fremdheimatidylle in Verbindung gebracht wird. Ich will euch nun zeigen, dass das eigentlich genauso ein Lifestyle-Pänomen ist, wie damals das Aufkommen der ersten amerikanischen Fastfoodketten. Man kann sich ganz leicht daran gewöhnen und irgendwann ist es dann ein Teil unserer aller Heimat!
Man muß sich nur mal bewußt darauf einlassen. Besonders in nicht migrasionisierten deutschen Köpfen könnte das zu Wunschentwicklungen führen können: zum Beispiel kann diese Musik als ein sehr passendes Vehikel dienen, um der unverbindlichen Distanz des Hipster Lifestyles endlich einen verbindlichen, emotionalen Gegenentwurf entgegenzubringen: Die wohltuende Kraft des würdevollen Herzschmerzes und die Kunst des stilvollen, „langsamen“ Schnappssuffes. Letzterer wird den harten Moslems unter euch gar nicht schmecken, aber um so besser! Harter Arabesk, statt harter Islam!
Bitte orientiert euch an dieser meiner simplen Anleitung (Arabesk für 2 Personen): Einfach eine 0,7’er-Flasche Raki (für Anfänger reicht erstmal eine 0,35er oder 0,5er), ansonsten Pastis, Ouzo, Zipouro oder sowas holen, guten halbfettigen Schafskäse, Honigmelone,  gerne sonstige kleine Vorspeisen je nach Vorliebe dazu (aber kein Zaziki – dann holt euch lieber irgendeinen Biobrotaufstrisch, oder ihr macht euch halt den Zaziki selber, dann wärs zum Beispiel wieder ok). Anisschnaps, also Raki, Ouzo, Arak, oder Pastis etc., am besten leicht mit Leitungswasser verdünnen. Zipouro trinkt man hingegen pur. Aber bei all diesen hüschen Schnäpsen auch immer noch Leitungswasser pur im Extraglas noch dazutrinken! Vor allem aber: langsam trinken und essen! Gerne auch emotional werden, Anekdoten erzählen, heulen, lachen und immer wieder den oder die Gelagepartner/innen innigst umarmen.
Am besten kommt das ganze natürlich unter freiem Himmel auf der Parkbank oder so. Wichtig ist: Ihr solltet alles schön herrichten! Ein kleines hübsches Tüchlein mit Blümchenmuster oder meinetwegen bayerischem Rautenmuster drunterlegen. Die Vorspeisen auf kleine Tellerchen verteilen. Wer sich mal ordentlich verwöhnen will, der holt sich schnell noch einen Steckerlfisch am Flaucher. Für die Herren gilt: geht nicht mit Boxershorts und Flipflops oder so, sondern mit Hemd, leicht hochgekrempelter Stoffhose und Flipflops. Bei den Damen auch eher altbackene Kleider, aber nicht so sehr auf Taille, bitte. Wir machen ja keinen Lindyhop. Dann Smartphone rausholen und einfach folgende Süper Stereo Youtube-Playliste öffnen, die ich extra für euch angelegt habe…

…und lernen, das Leid und die Sehnsucht zu genießen! Mit großherzigen Gesten der Arme und Hände laut mitsingen! Egal, wenn ihr die Texte nicht könnt, einfach mitsummen, das geht immer. Denkt an eure verflossene Liebe, an die alten Zeiten in der Antifa, den Straßenkampf, oder an all die sinnlosen Stunden, die ihr im Büro vor dem Computerbildschirm verbringt, oder vor Glotze oder an sonstwas süßlich schmerzendes.

Und hier noch speziell der besagte Song von Meister Orhan – wie gesagt, gesungen von Ajda Pekkan (Ich habe euch eigenhändig den Songtext übersetzt):

Ne sevenim var ne soranım var
Weder liebt mich wer, noch frägt jemand nach mir

Öyle yalnızım ki
Ich bin so alleine

Çilesiz günüm yok dert ararsan çok
Kein Tag vergeht ohne Leid, Sorgen habe ich genug

Öyle dertliyim ki,
Ich bin so voller Trauer

Bana kaderimin bir oyunumu bu?
Ist dies ein Schauspiel meines unheilvollen Schicksals?

Aldı sevdiğimi verdi zulumu
Nahm mir die Liebe und gab mir die Qual

Dünyaya doymadan geçip gideceğim
Ungesättigt des Lebens werde ich von hier gehen

Yoksa yaşamanın kanunumu bu?
Oder ist das das Gesetz des Lebens?

Bıktım artık yaşamaktan
Ich bin das Leben leid

Çekmekle bitermi bu hayat yolu
Solch ein leidvolles Leben ist doch nicht zu ertragen

Bu yalnızlık bu dertler…
Diese Einsamkeit, dieser Kummer

Bekleyeceğim… bekleyeceğim…
Ich werde warten, ich werde warten

Geri dönmese bile
Auch wenn sie/er nicht zurückkehren mag

Alıştım kaderin zulmüne artık
Denn ich bin die Härte des Schicksals schon gewohnt

Bana gülmese bile
Und daran, dass es mich nie anlacht

Geri dönmez artık giden sevgililer
Die vergangene Liebe kehrt nie mehr zurück

Her ümit ufkunda ağlıyor gözler
Hinter jedem Horizont der Hoffnung weinende Augen

Bitmeyen çilenin derdin sarhoşuyum
Ich bin trunken von nimmer endender Trauer und voll Leid

Kahredip geçiyor en güzel günler
Die schönsten Tage zerstören mich und vergehen

Bıktım artık yaşamaktan
Ich bin des Lebens leid

Çekmekle bitermi bu hayat yolu
Solch ein leidvolles Leben ist doch nicht zu ertragen

Bu yalnızlık bu dertler…
Diese Einsamkeit, dieser Kummer

Schmachtfetzen #1: Die bitteren Wahrheiten

Mein Weg führt mich zu den Trinkhallen
Wenn ich trinke, kommt mir meine Liebste in den Sinn
Wenn ich mir die Augen wische, auf dass sie doch trocknen mögen,
so lösen sich dennoch die Tränen in Strömen, einer Frühlingsflut gleich

Wo sind meine Geliebten, wo die Liebenden?
All die bitteren Wahrheiten, sie bringen mich zum weinen
Kein Ende nehmen die Klagen und die Schuld
Dumpf schlägt mein Kopf gegen die Steine
In jungen Jahren sind die Haare ergraut
Eben diese schneeweissen Haare will ich ausraufen

Wer mich sieht und nicht kennt, denkt ich bin verrückt
Sie wissen nicht, wie haltlos meine Wunde blutet
Ich suche mein vergangenes Glück und jenes sucht auch mich
Es dünkt mich danach, lebendig ins Grab zu gehen

Wo sind meine Geliebten, wo die Liebenden?
All die bitteren Wahrheiten, sie bringen mich zum weinen
Kein Ende nehmen die Klagen und die Schuld
Dumpf schlägt mein Kopf gegen die Steine
In jungen Jahren sind die Haare ergraut
Eben diese schneeweissen Haare will ich ausraufen

Songtext „Acı Gerçekler“ (Die bitteren Wahrheiten) übersetzt aus dem Türkischen
Text: Ali Tekintüre
Musik: Mustafa Sayan
Interpret: Ibrahim Tatlıses
Von dem gleichnamigen Album „Acı Gerçekler“ (1989):
http://www.youtube.com/watch?v=tOQxkf4pCIo