Über Triptonious Coltrane

Triptonious Coltrane prefers sweet breakfast

Schmachtfetzen #9: Cucurrucucu Paloma von Tomás Méndez

Das Original stammt aus den 50’er Jahren und wurde von dem mexikanischen Musiker Tomás Méndez. Es handelt sich um einen klassischen Mariachi Song im Huapango Style, dessen Text auf sehr bildhaft romantische, aber auch fatalistische Art die Trauer um eine an den Toc verlorene Geliebte schildert. Meiner Meinung nach stammt die anrührendste Version vom großartigen Caetano Veloso. Dieser performte den Song sogar in dem bewegenden Film „Sprich mit Ihr“ von Pedro Almodovar.

Dicen que por las noches
No mas se le iba en puro llorar
Dicen que no comia
No msa se le iba en puro tomar
Juran que el mismo cielo
Se estremecia al oir su llanto
Como sufri por ella

Y hasta en su muerte la fue llamandoAy, ay, ay, ay, ay cantaba
Ay, ay, ay, ay, ay gemia
Ay, ay, ay, ay, ay cantaba
De pasion mortal moria

Que una paloma triste
Muy de mañana le va a cantar
A la casita sola
Con sus puertitas de par en par
Juran que esa paloma
No es otra cosa mas que su alma
Que todavia la espera
A que regrese la desdichada

Cucurrucucu paloma
Cucurrucucu no llores
Las piedras jamas, paloma
Que van a saber de amores?
Cucurrucucu, cucurrucucu
Cucurrucucu, cucurrucucu
Cucurrucucu, paloma
Ya no le llores

Sie sagen, dass er nachts nicht schläft
und ständig weint.
Sie sagen, dass er nichts mehr isst
und nur noch trinkt.
Sie glauben, dass sogar der Himmel ergraute,
nachdem er sein Klagen gehört hatte
und sah, wie er um ihrer wegen litt
und bis zu seinem Tode fortwährend weinte.

Ay, ay, ay, ay, ay sang sie
Ay, ay, ay, ay, ay seufzte sie
Ay, ay, ay, ay, ay sang sie
Aus tödlicher Leidenschaft starb sie

Und eine traurige Taube
sank nieder in am frühen morgen
auf das Dach eines verlassenen Häuschens
mit weit geöffneten Türen
Sie glauben, dass diese Taube
nichts anderes ist, als seine Seele,
die immer noch wartet,
auf das die verblichene zurückkehren möge.

Cucurrucucu meine Taube
Cucurrucucu weine nicht
was sollen diese Steine denn verstehen, ach meine Taube,
von der Liebe?
Cucurrucucu, cucurrucucu
Cucurrucucu, cucurrucucu
Cucurrucucu, meine Taube
Ach weine nicht!

Songwriter: TOMÁS MÉNDEZ SOSA

 

Das Weiße und der Jazz

Das Weiße liegt wie eine Zuckerkruste auf meiner Haut.
Es war mal schlecht.
Jetzt ist es gut.

Aber es ist auch nie richtig weiß gewesen.
Weiß wird schnell schmutzig und meistens bleibt es das dann auch.
Schmutziges Weiß ist unerträglich.

Das Weiße hat einen Job.
Es schafft systematisch Probleme, um deren Lösungen zu verkaufen.
Danach muss das Weiße unbedingt in den Urlaub.
Es hat keine Zeit.
Das ist äußerst clever!

Das Weiße ist ein schlaues, selbstgefälliges Arschloch.
Und es ist Kacke.

Nein, es reicht nicht, wenn deine Haut weiß ist!
Dein Bewusstsein muss auch Blütenweiß sein.
Dein Name muss weiß sein.
Deine Sprache muss weiß sein.
Deine Herkunft, deine Blutkörperchen, deine Niere, dein Herz, deine Galle, dein Darm, deine Blase, deine Bildung, deine Pädagogik, deine Anthroposophie.
Du weißt, was ich meine!

Und wenn du es nicht weißt,
Dann weißt du wahrscheinlich auch nicht, was Miles Davis getan hat?
Miles Davis hat mit dem Rücken zum weißen Publikum gespielt.
Miles Davis, Miles Davis, Miles Davis, Miles Davis.
Er war so talentiert.
Aber er war nicht nett.
Das Weiße sagt, Miles wäre ein Rassist gewesen.
Er hat das Weiße diskriminiert!

Das hat dieser Miles Davis gewagt!
Nein, MIles Davis war kein netter schwarzer Jazz Musiker.

Weißt du woher der Begriff „Jazz“ überhaupt kommt?
Jazz heißt eingentlich „Lärm“.
Unharmonisch, unerträglich.
Ein Lärm, der aus schwarzen Kehlen, Nasen, Hautporen, Eingeweiden, Mündern, Lungen, Gelenken, Köpfen, Herzen, Seelen heraussprang.
Es war und ist die Lebenslust aller,
Dargeboten von „den Anderen“.

Jazz ist die universelle, kosmische Lust.
Und die Lust ist die Sprache derer, die Nichts zu verlieren haben.
Wenn du sie übersetzt, dann stirbt sie.

Das Weiße hat den Jazz gefürchtet!
Warum, weiß ich nicht. Wird schon irgendein gewaltiger Identitätskomplex gewesen sein.
Deswegen hat es ihn als „Lärm“ abgetan.
Aber Jazz hat seinen Namen einfach angenommen,
Elegant ausgeschmückt und zurückposaunt:
JJJJAAAAAZZZZZZ
JAYAYAYAAAAZZZZ
JAZZMATAZZ
TALKIN ALL THAT JAZZ

Dann hat das Weiße ihn verboten.
STOP THAT JAZZ!
Aber Jazz war zu schnell, zu schön, zu häßlich, zu geschmeidig, zu Dunkel, zu Hell, zu unberechenbar.

Dann wurde Jazz ausformuliert,
Zu Regelwerk verarbeitet,
Übersetzt.

Und jetzt gibt es in dieser Stadt nicht mal einen Jazz Sender.

Aber jede Menge 80er Rock und Heimatsoundshizzle im Radio.

Was sollen wir Gottlosen tun?

Ich bin Gottlos. Zumindest glaube ich nicht an einen genormten, einzigen, dreifaltigen, oder sonstwie gearteten Gott abrahamitischer Definition. Auch, dass er männlich sein soll, stört mich. Meist ist er noch dazu auch noch weiß. Aber auch wenn er eine Frau wäre und schwarz, oder farbig, würde ich ihn/sie nicht ernst nehmen – als Kunstfigur wohl schon, aber nicht als Gott.

Jetzt war Gott für mich schon immer ein schwieriger Begriff. Je mehr ich mich von ihm entfernte, kamen andere Gottheiten ins Spiel, die mir und auch vielen anderen Ersatz boten: der Wohlstand zum Beispiel, meine Rechte und Möglichkeiten als Bestandteil einer liberalen Ökonomie, oder die Sicherheit, der Glaube an meine Freiheit, an meine individuellen Menschenrechte.

Bis zu einem bestimmten Grad hat man die auch. Aber wenn ich mir ansehe, was mit Julian Assange gerade passiert, dann denke ich: diese Rechte existieren auch nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn man diesen Punkt überschreitet, stößt man an die Glaswand eines geschlossenen Gefäßes und dieses Gefäß trägt seit Jahrtausenden einen Namen: „Angst“.

In der Zwischenzeit holen sich die VertreterInnen der abrahamitischen Religionen und der Kulturwelten, die an diesen heften, immer mehr Plattformen. Die Religion als Basis von Kulturräumen steht im Öffentlichen Diskurs immer mehr im Vordergrund. So müssen sich VertreterInnen des Islam oft für radikale Islamisten rechtfertigen, die bezichtigt werden, die westliche Welt zerstören zu wollen. Umgekehrt predigen viele Imame in Moscheen das selbe über Vertreter des Christentums und des Judentums. Das sind große Machtapparate, die leider sehr für den Machtmißbrauch geeignet sind und auch schon immer waren. Ich will sie nicht verteufeln und auch nicht die Menschen, die tagtäglich in tiefem Glauben ihr wertvolles Tagwerk verrichten. Es geht mir nur um die Religion als Institution.

Man arbeitet immer mit diesem Sinnzusammenhang: „wenn die Religion bedroht ist, dann ist es auch die Kultur“. Dabei ist es genau umgekehrt: Die menschliche Kultur ist die Basis unseres Lebens. Wenn diese bedroht ist, dann kann es auch keine Religion geben, jedoch aber auch keinen Machtmißbrauch, keine Kriege und keine Rüstungsindustrie. Unsere Kultur ist auch die Basis all der Zerstörung, die wir anprangern.

Außer: wir schaffen es, Räume zu kreieren, in der man die Kultur der Menschheit endlich aus der Steinzeit holen kann. Aber dafür brauchen wir in erster Linie keine Religion, keinen Wohlstand, kein Notre Dame, keine Moschee und keine Synagoge. Dafür brauchen wir Herz, Seele und Verstand.

Für Herz, Seele und Verstand sind in den herkömmlichen Machtstrukturen kein Platz. Deswegen denke Ich, dass wir uns von diesen befreien müssen. Dafür müssen wir uns aber auch Räume und Plattformen schaffen, in denen „wir“ als „Humane Wesen“ uns  unabhängig artikulieren können. Will damit meinen: nicht nur für Religionen muss Platz sein, sondern auch für uns Freigeister, die wir uns von diesen überkommenen Machtstrukturen, von Gott, Status und Wohlstand lösen wollen. Das ist durchaus legitim und erfordert eigener Strukturen.

Bisher kenne ich nur den Bund für Geistesfreiheit, der dieses Ziel institutionell verfolgt. Mag umstritten sein, ist aber zumindest eine Institution:

https://www.bfg-muenchen.de

Schmachtfetzen #7: Zeki Müren – „Gözlerin Doğuyor Gecelerime“

Eine der großen Superstars der türkischen Musik, der sich nie wirklich zu seinem Schwulsein bekannt hat. Aber wie auch? Ab den 50er Jahren bis zu seinem Tod in den Achtzigern galt der unter Staatsvertrag stehende Musikbeamte Zeki Müren als die Verkörperung der türkischen Musikkultur. Er war der scheinende Stern am Firmament. In dieser Position konnte er sich sowieso alles erlauben. Man könnte ihn als eine Art türkischen „Liberace“ bezeichnen. Insofern waren seine unzähligen Affären und Liebschaften durchaus bekannt. Aber wie das eben in einer patriarchalen und streng konservativen Gesellschaftsstruktur ist, greift in solchen Fällen die Schizophrenie der Doppelmoral. Trotz allem waren seine Outfits und extravaganten Auftritte all diese Verlogenheit allemal wert! Dieser hier gepostete Song gilt als ein Klassiker aus der Arabesk-Ära des Künstlers. Natürlich hat er ihn nur interpretiert. Die Komposition stammt aus der Feder des großartigen Yusuf Nalkesen, der Text hingegen kam von Halit Çelikoğlu.

Zeki Müren – „Gözlerin Doğuyor Gecelerime“

Ne mektup geliyor ne haber senden
Söyle de bileyim bıktın mı benden?
Her akşam güneşin battığı yerden
Gözlerin doğuyor gecelerime 4x

Geçilmez gurbetin sokaklarından
İçilmez suları pınarlarından
Öptüğüm o ıslak dudaklarından
Sözlerin doğuyor gecelerime 4x

Çileli doğmuşum zaten ezelden
Hasrete alıştım ne gelir elden
Yaşlı gözlerime baktığım yerden
Gözlerin doğuyor gecelerime 4x

Zeki Müren – „Deine Augen scheinen in Meine Nächte“

Es kommt weder ein Brief noch eine Nachricht von dir.
Sag doch: hast du mich etwa satt?
Von dort, wo die Sonne am Abend untergeht,
scheinen nun deine Augen in meine Nächte.

Die Gassen der Fremde sind schwer zu beschreiten.
Die Wasser ihrer Quellen sind untrinkbar.
Aus deinen feuchten Lippen, die ich küsste,
fliessen nun deine Worte in meine Nächte.

Ich bin doch schon mit Ungemach geboren,
habe mich an die Sehnsucht gewöhnt.
Von dort, wo du in meine feuchten Augen blicktest,
scheinen deine nun in meine Nächte.

800 Millionen für Notre Dame

Am 15.04.19 ist die Kathedrale Notre Dame in Paris abgebrannt. Massive Schäden sind dadurch am historischen Bau entstanden und wir stehen alle – imaginär oder reell – vor den brennenden Trümmern. Andächtig. Andacht ist wichtig in solchen Zeiten. Denn ein wichtiges Symbol ist schwer verwundet worden. Ein Symbol unserer Wertegemeinschaft. Natürlich ist der architektonische, historische Wert auch wichtig. Aber mehr als das, geht es um unser Selbstverständnis. Aber für was stand und steht denn Notre Dame? Notre Dame steht nicht nur für die Kirche und den christlichen Glauben, die heilige Mutter Gottes, etc.. Nein es steht natürlich für unsere westliche Zivilisation, für unsere weiße Zivilisation. Viele werden jetzt sagen: für europäische Werte, ideelle Werte, die Huldigung des menschlichen Verstandes, den Respekt vor dem freien Gedanken, Kunst, Kultur, etc. etc. etc..

Deswegen die Sorge! Der Brand vergegenwärtigt uns die Vergänglichkeit genau dieser Werte. Indem wir uns um das Symbol sorgen, das diese Verkörpert, sorgen wir uns auch um sie. Deswegen sind auch innerhalb von 2 Tagen sofort 800 Millionen Euro an Spenden zusammengekommen für den Wiederaufbau. Ganze 800 Millionen! in 2 Tagen!

Aber ist das alles, wofür Notre Dame steht? Nein! Notre Dame steht auch für das alte Europa, das überwiegend weiße Bewusstsein Europas. Es steht auch für das harte, das kühle Europa, das sich emotionslos abschotten kann, wenn es darum geht, andere Werte, wie Macht, Geld und Vermögen zu horten und zu schützen. Es steht für das mittelalterliche Europa, dem wir in einer obskuren Form immer noch verpflichtet sind. Vor allem aber steht Notre Dame für die Angst Europas – die Angst, die durch die eigene Gier am Leben erhalten wird. Die Angst davor, irgendwann einmal alles zurückgeben zu müssen, was man sich über die Jahrhunderte zu unrecht genommen hat. Ich glaube man ist eher bereit, in Höllenflammen unterzugehen, als sich der Last seines Gewissens zu ergeben.

Die 800 Millionen könnte man in diesem Zusammenhang auch als Ablass Zahlung betrachten. Der Ablass des 21. Jahrhunderts. Und Greta Thunberg ist so etwas, wie ein neuer Luther.

Marginalisierung?

Wie geht man heutzutage elegant mit Faschismusvorwürfen um? Man kokettiert mit ihnen. So wie es letztens die israelische Justizministerin gekonnt vorgeführt hat:

Sie tritt selbstherrlich auf: ein bisschen Sex Appeal, ein bisschen Vanity Fair. Faschismus? Der Befriff wird ad absurdum geführt. Der Begriff ist dehnbar geworden. Wenn es den eigenen völkisch-identitären politischen Interessen dient, ist es kein Faschismus mehr. Er ist wie ein Parfum, das etwas markant riecht. Man kann sich immer mit dem individuellen Geschmack rechtfertigen, ja diesen sogar besonders in Szene setzen. Man hat ja schließlich seit der Beendigung des letzten offiziell so genannten „Weltkrieges“ fast 65 Jahre Zeit gehabt an den Geruchsnuancen zu arbeiten.

Die Zeit ist reif, meine Damen und Herren! Der Weizen trennt sich wieder von der Spreu. Man sollte ab jetzt den Statements in seiner Umgebung aufmerksam Gehör schenken. Mir kommt es so vor, als würde ich nun genau das verspüren, was ich bisher nur aus Geschichtsbüchern kannte. So muss es wohl früher auch gewesen sein: Faschistische, rassistische, frauen- und queerfeindliche Statements werden verharmlost, meist von Menschen, die es gar nicht so böse meinen. Ganz im Gegenteil: es sind oft die, die sich ganz besonders um die Gesellschaft sorgen. Es sind die Sensibelchen, die lieben Menschen. Sie wollen nicht, dass es zu Schlagabtauschen kommt und nehmen übereifrig die regulierende Position ein.

Ja, sie empfinden sich als die liebenswürdigen Streitschlichter und wollen jeder Seite gleichermaßen entgegen kommen. Das führt dazu, dass sie krasse Aussagen – vor allem aus rechtskonservativen Kreisen – relativieren. Wie zum Beispiel letztens den dummen Karnevalswitz der Parteivorsitzenden der CDU (die hoffentlich bald in den Annalen der Partei versinken wird), in welchem sie unverhohlen transgenderfeindliche Äußerungen von sich gab. Es wäre gute alte Tradition, aktuelle Themen am politischen Aschermittwoch aufs Korn zu nehmen. Man dürfe sich da nicht so aufregen.

Es wird so getan, als handele es sich einfach nur um ein etwas komisch riechendes Parfum. Es ist auf keinen Fall Lebertran! Es ist eine Frage der persönlichen Präferenz. Es wäre geradezu antidemokratisch, diesen speziellen Humor nicht als solchen anzuerkennen und stattdessen eine politisch böswillige Aussage darin erkennen zu wollen.

Ausserdem:
„Das ist Tradition! Politischer Aschermittwoch! Hallo!“
„Also ich mag die ja auch nicht besonders, aber in diesem Falle, muss ich sie wirklich in Schutz nehmen.“
„Mit der Überbewertung solcher Lappalien, schadet man dem demokratischen Diskurs nur noch mehr.“
„Haben wir in diesem Land wirklich nicht ernstere Themen zu besprechen? Die Wirtschaft zum Beispiel.“

Kaum ist die Diskussion einigermaßen abgeebbt, bringt jedoch der Chef der Jungen Union genau die Verunglimpflichungen, die seine Parteichefin noch als ironischen Aschermittwochsscherz abgetan hat, bei einer Ansprache auf dem JU-Deutschlandtagb in Düsseldorf. Diesmal ist kein Karneval und es ist auch kein Scherz. Der Knabe meint das Bitterernst:

https://www.queer.de/detail.php?article_id=33214&fbclid=IwAR0xfzcxCoIN8DVE8kvovZ-wJlaoG-2n1s1I0kPBR_89H3H-XCF1nHDg6KI

Nein! Wir haben kein wichtigeres Thema! Rassismus, Faschismus, Marginalisierung von gesellschaftlichen Gruppen. Das sind die wichtigsten Themen weltweit! Und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Leider! Der Faschismus ist nicht nur ein Parfum, dass man ungeniert aufträgt. Wir impregnieren uns gerade damit. Er verhärtet unsere Hülle und macht sie undurchlässig. Wir verlieren unsere Offenheit und vor allem unsere Menschlichkeit. Deswegen „müssen“ wir uns Tag für Tag damit auseinandersetzen. Er kommt schleichend und heimtückisch. Mit jeder Ausnahme und Relativierung, ist er näher an uns dran. Die unwürdigste Art, den Kampf gegen ihn zu verlieren, ist das Eingelullt-Werden und danach von nichts gewusst haben, das Stille annehmen, obwohl man ja eigentlich gar nicht wollte und auch nie einer rechten Gesinnung angehörte, das „ja aber…“ sagen.

Viele wollen es nicht wahrhaben, aber die Zeit der offenen und ehrlichen Statements ist gekommen! Wir müssen den Kampf mit diesen Umtrieben entschlossen aufnehmen! Dürfen uns nicht nur im stillen Kämmerlein unseren Teil denken, sondern wir müssen uns äußern. Das ist nicht peinlich. Es ist auch nicht peinlich, detaillierte Fragen zu stellen, genauer hinzugucken, füreinander einzustehen.

Wenn wir das jetzt nicht machen, dann werden wir das bald bitter bereuen!

Keinen Fußbreit dem Faschismus!

Identitätsausfall

Früher war’s einfacher
Mann war wer
Frau war auch irgendwo
Andere waren Disco
High Energy

Ganz andere saßen in der Chrystallkugel und schauten hinaus
Sie waren auch Frauen, Männer und Kinder, aber dunkler
Sie erkannten nichts
Konisch gebrochene Reflektionen in drastischen Farbwechseln
Schwirrten an ihnen vorüber

Manche von diesen verwandelten sich dann plötzlich in verzerrte große Augen
Und fokussierten alles
Bedrohlich und christallklar
Bevor sie wieder im schwammigen Außen verschwanden grinsten sie noch
Zähnefletschend

Da blieb einem schon die Spucke weg
Und die Artikulation fiel einem natürlich auch schwer!
Kein Wunder…
Oder?

Jetzt ist alles anders
Die Kugel hat Risse
Die Augen sitzen in der Ferne mit ausgestreckten Zungen
Man sieht sie ganz genau

Sie grinsen nicht mehr und näher trauen sie sich auch nicht mehr
Irgendwie liegt zickige Humorlosigkeit in der Luft
Aber egal
Oder?

Nur zur Sicherheit

Früher oder später kommt eh alles auf den Tisch.
Und Rückfälle gibt’s immer!
Ja, is‘ so!
Man muss halt nach vorne schauen.

Damit’s dann im nachhinein nicht komisch rüberkommt:
Wir haben alles gewusst!

Damit kann man leben.
Das geht schon, wenn man will.
Da muss man jetzt nicht weinen.
Wir sind ja schließlich Menschen,
haben eine Identität, Religion und Grundrechte.

Und lügen kann man ja auch zur Not.
Ja, is‘ so!

Fehlt nur noch, dass der Vatikan sich zu seiner homosexuellen Mehrheitsgesellschaft bekennt.
Da würden die Saudis aber blöd schauen, ich sag’s euch!

Gewaltmonopol

Nicht sicher!
Na dann eben besseres Passwort.
Ja, mach Witze!

Ne also ich habe damals in einer Agentur für Wirtschaftskommunikation gearbeitet…
My Ass!

Ne, also, wir leben in einem Rechtsstaat.
Rechts!
Staat!

Ne also was kann meine Oma dafür?
Die will vergessen!
Ich will auch vergessen!

Polizei, Gewaltandrohung, Gewalt!
Einzelfall.

Kann man Faschismus als Ideologie bezeichnen, oder ist das ein gesellschaftliches Phänomen? Denn es gibt wohl tatsächlich ziemlich wenige Faschisten, die sich selber als solche bezeichnen würden, oder?

Ne also zum Beispiel ein Polizist mit faschistischem Gedankengut?

Oder Wenn du dich jetzt bei einem faschistoiden Gedanken ertappen würdest, dann würde ja dein Gehirn das im ersten Moment mal vollkommen ignorieren.

Ne also ein Kommunist, oder eine Sozialistin könnte ja auch nicht gleichzeitig noch Faschist oder Faschistin sein, oder?

Wie sollte das denn gehen, gell?

Ein Israelischer Soldat?

Aber ein amerikanischer Polizist schon? Zumindest ein Rassist könnte er sein, oder?

Ne also Ich mein das jetzt nicht so, wie du meinst…

 

Schmachtfetzen #8: Yaşar Güvenir – Sensiz Saadet Neymiş

Sensiz saadet neymiş
Tatmadım bilemem ki
Alnımın yazısıydın
Ne yapsam silemem ki

Sensiz saadet neymiş
Tatmadım bilemem ki
Alnımın yazısıydın
Ne yapsam silemem ki

Seni uzaktan sevmek
Aşkların en güzeli
Alıştım hasretine
Gel desen gelemem ki

Seni uzaktan sevmek
Aşkların en güzeli
Alıştım hasretine
Gel desen gelemem ki

Was bedeutet Glück ohne dich?
Kenne es doch nicht? habe es nie erfahren.
Du warst des Schicksal’s Siegel auf meiner Stirn.
Ich kann es nicht löschen.

Was bedeutet Glück ohne dich?
Kenne es doch nicht? habe es nie erfahren.
Du warst des Schicksal’s Siegel auf meiner Stirn.
Ich kann es nicht löschen.

Das schönste ist,
dich aus der Ferne zu lieben.
Die Sehnsucht nach dir, bin ich gewöhnt.
Auch wenn du mich riefest, wie sollte ich denn kommen?

Das schönste ist,
dich aus der Ferne zu lieben.
Die Sehnsucht nach dir, bin ich gewöhnt.
Auch wenn du mich riefest, wie sollte ich denn kommen?

Yaşar Güvenir wird 1929 als 6. Sohn des Staatsmusikers Osman Güvenir nach 5 Fehlgeburten als erstes gesundes Kind geboren. Deswegen auch die Namenswahl: „Yaşar“ = „Er wird leben“.

In eine Musikerfamilie hineingeboren, interessiert sich der Junge sehr schnell für das Instrument seines Vaters: den Kanun (die Zither der türkischen klassischen Musik).

Als Jugendlicher begeistert er sich für Jazz und westliche Musik, verliert jedoch seine Liebe zur türkischen Musik nicht. Im Lizeum lernt er Piano und Akkordeon zu spielen. Bald beginnt er im Amerikanischen Club in Ankara aufzutreten.
Als junger Literaturstudent fährt er mit seinen musikalischen Aktivitäten fort und singt und spielt nun vorwiegend englischsprachige Lieder und türkische Tangos.

Seine Karriere entwickelt sich bald in Istanbul weiter, wo er duch 2 Liveaufzeichnungen im Istanbuler Staatsradio sehr populär wird. Seine englischsprachige Komposition „My Crazy Baby“ wird von der damals populären italienischen Sängerin Mina unerlaubt gecovert und es kommt zu einem langwierigen Rechtsprozess, im Zuge dessen er die Nennung seines Namens als Komponist und Texter des Songs durchsetzen kann. Dadurch erlangt Güvenir kurzfristig eine nicht zu unterschätzende Popularität in Europa.

Er verliebt sich, wird Vater zweier KInder und eröffnet in Ankara ein eigenes Etablissement. Diese Unternehmung wird jedoch nicht durch Erfolg gekrönt. Auch privat läuft es nicht gut. Seine Frau trennt sich von ihm und verunglücklicht kurz danach bei einem Verkehrunfall, was ihn veranlasst, die Textzeilen zu „Sensiz Saadet Neymis“ zu verfassen.

Der Songtext gewinnt einen bedeutenden Preis im Inland und wird von den großen Star „Zeki Müren“ interpretiert. Diese Version gefällt Güvenir nicht besonders und er beschließt, eine eigen Version zu komponieren.

Als dann diese eigene Version des Liedes von einem weiteren großen Star der türkischen Musikszene – Gönül Yazar – interpretiert wird, erziehlt er große Verkaufszahlen. Güvenir komponiert weiterhin großartige Songs, bleibt aber leider unter dem Radar der Öffentlichkeit und erhält unverdientermaßen wenig Anerkennung dafür.

Ein weiterer großer persönlicher Verlust führt dann paradoxerweise zu seinem nächsten großen musikalischen Erfolg: Als seine Tochter stirbt, formuliert er seine Trauer wieder in einem brillianten Songtext, welcher von dem großen Sänger Ahmet Özhan sehr erfolgreich interpretiert wird: „Çaresizim“ (Ich bin verzweifelt).

Jedoch lässt der nächste Schicksalsschlag nicht lange auf sich warten: nach einer Herzoperation erleidet er eine halbseitige Lähmung und kann ab da seinen linken Arm nicht mehr benutzen, jedoch führt er seine Arbeit als Komponist und Texter fort.

Am 10. Januar 1998 stirbt der relativ unbekannte und unbeachtete Musiker und hinterlässt eine große Zahl an grandiosen Songs.