Geschichte? Was bringt mir das denn?

Buchtip:
Freiherr Max Von Oppenheim: „Denkschrift betreffend der Revolutionierung der islamischen Gebiete unserer Feinde“ (Berlin, 1914).

http://daskulturellegedaechtnis.de/work/oppenheim/

Viele von uns mochten das Fach Geschichte im Schulunterricht nie wirklich. Zusammen mit Mathe rangiert das Fach – so denke ich – immer noch unter den unbeliebtesten. Das Thema ist ja auch anfällig für sehr persönliche Projektionen. Schon unsere private Vergangenheit neigen wir vorteilhaft für uns zu interpretieren. Die unangenehmen Seiten interessieren da schon weniger. Einer beschönigten Geschichte mangelt es dann auch an dynamik und gegenwartsbezug. Sie ist eher eine leuchtende Inszenierung in der Ferne und hat mit dem hier und jetzt nicht viel zu tun. Wie sollte sie denn auch? Sie wurde ja mumifiziert und geglättet. Da gibt’s nicht viel zu erkennen, was einem im Umgang mit der Gegenwart weiterbringen könnte. Deswegen kommt dann natürlich auch oft die Frage: Geschichte? Das ist doch alles vergangen und vorbei? Was bringt mir das denn?
Ja liebe Kollegen und Kolleginnen. Aber wenn man sich selbst schon so gerne von kultureller Identität reden hört und diese dann auch noch immer öfter verknüpft mit einer nationalen, dann sollte man schon mal wissen, daß der deutsche Kaiser vor langer Zeit Hadschi Wilhelm Mohammed hat nennen lassen, nur um bei seinen osmanischen Verbündeten gut anzukommen, daß ein gewisser Herr Max von Oppenheim (seines Zeichens Archäologe, Nahost-Forscher, Diplomat, Spion, dessen Berichte auch am kaiserlichen Hofe gerne gelesen wurden), eine „Denkschrifft betreffend die Revolutionierung der islamischen Gebiete unserer Feinde“ verfasst hatte und jahrzehntelang – später auch (rotz seiner eigenen jüdischen Abstammung) in Kooperation mit den Nationalsozialisten – durchzuführen. Er starb gottseidank erfolglos. Aber der naive Wunsch, die islamische Population dieser Welt im Sinne einer, imperialen, später dann neoliberalen Expansion als schlagkräftige Dschihad-Truppe zu nutzen, war zwar schon ein Gedanke mit dem sich der Prophet Mohammed vielleicht durchaus hätte anfreunden können. Aber es war trotzdem nicht seine Erfindung. Zu einer Zeit, als Rassismus in Europa noch unreflektierter Standard war, hat man diesen Gedanken leicht zur Umsetzung bringen können. T. E. Lawrence (von Arabien), der im nachhinein hollywoodverklärte geniale englische Spion, litt wohl zeitlebens unter gewissensbissen, ob der falschen Versprechungen, die er seinen arabischen Verbündeten im Namen der britischen Außenpolitik angetan hatte. Immerhin!
Aber im Grunde sollten sich all diejenigen, die eine kulturelle Kluft zwischen Moslems und Christen sehen mal fragen, was ihr Anteil an diesem Phänomen ist. Ein Blick in die Ahnenreihe und intensive Recherchen wären da vielleicht aufschlußreich. Denn der Panislamismus ist mitunter ein Phänomen, an dem deutsche Denker (unter denen gab es damals noch wenige Frauen) maßgeblich beteiligt waren.
Die Arbeit des deutschen Auslandsgeheimdienstes begann in Nahost und hat im Wesentlichen bis jetzt nie einen Bruch erlitten. Nicht mal in der Nachkriegszeit. Warum auch? Die Amerikaner waren natürlich nicht doof genug, eine gut funktionierende Maschine nicht einfach weiterlaufen zu lassen. Also fand nie ein wirklicher Gesinnungswandel statt! Deutschland diente schon immer als Drehscheibe für islamistische Aktivisten aus aller Welt. Islamistische Netzwerke wurden damals wie heute von den unterschiedlichen Interessengruppen hofiert, um in der Nahost-Politik im eigenen Sinne zu agieren.
Deswegen behaupte ich: Nicht der Islam, sondern der Islamismus gehört zu Deutschland! Vor allem die Intellektuellen in diesem Land sollten sich mal ausgiebig mit ihrem eigenen radikalen Potential und dessen Tradition auseinandersetzen. Das ist der einzige Weg, wie man was erreichen kann.

Das äußerst aufschlußreiche Machwerk des Max von Oppenheim ist jetzt – wie oben schon angegeben – im Verlag Das Kulturelle Gedächtnis erschienen. Sehr empfehlenswert, wenn man den Mut dazu hat!

Wagemutige Behauptung zum Thema Religion

Ich gehe stark davon aus, dass die Propheten der abrahamitischen Religionen zu mindestens 50 Prozent Schmarrn verzapft haben. Den Rest haben sie sich von den älteren Kulten zusammen geklaut. Die politische Leistung, Menschen vom Sex und von allem Seelengenuß abzuhalten, nur um einer, in einer Zeit nach dem Tode liegenden – also damit völlig uneinsichtigen – Belohnung in Form einer sehr wagen Vorstellung eines Paradieses willen, erachte ich wiederum (rein von der psychischen und gesellschaftlichen Leistung her) als phänomenal. Hut ab! Religion ist somit eher ein Resultat menschlicher Leistung, als das von göttlicher Fügung. Wir sind eine enorm leistungsstarke Spezies. Das darf man nicht unterschätzen. Gott ist unser Werk und nicht umgekehrt. Wenn wir dieses regulierende Wesen jetzt auch noch durch uns selbst ersetzen, sind wir eins mit dem Universum. Um das göttliche brauchen wir uns eh nicht zu sorgen, denn das ist immer vorhanden (solange wir es brauchen).

Im Endeffekt

Im Endeffekt ist doch alles ein fließender Pŕozess.
Aber denen vom Amt musst du das jetzt nicht unbedingt auf die Nase binden.
Das Amt ist eine Dame.
Sie ist unmerkbar alterslos. Das Archiv hat kein Alter. Es war schon immer da.
Noch vor Adam und Eva.

Du musst damit zurechtkommen. Das Amt tut das allemal.

Komm, zieh dir mal den Stock aus dem Arsch!

Es ist gut, nicht WEISS zu sein!

Es ist gut, die Gewissheit zu haben, nicht WEISS zu sein.

Ich meine, wenn man das Glück hat in dem Bewußtsein zu leben, das man nicht WEISS ist.

Es ist gut, nicht WEISS zu sein.

Du denkst an Hautfarbe?

Haha.

Nein – es geht nicht um die Farbe deiner Haut, denn die ist im schlimmsten Falle Pink und nicht WEISS. Es geht vielmehr um die Farbe deines Bewußtseins!

Wer jetzt sagt: „Das verstehe ich nicht“, der sollte einfach mal die Schnauze halten und nicht gleich schlaue Fragen stellen, denn er oder sie ist mit Sicherheit nicht schlau. Jetzt nicht gleich pikiert sein. Es ist nicht so schlimm, nicht schlau zu sein. Viele Menschen sind nicht schlau. Schlau sein, oder nicht zu sein, ist kein endgültiger Zustand. Es bedeutet nur, gerade eben nicht zu kapieren, um was es geht. Daran stirbt man nicht, auch wenn dir das deine Eltern und deine Lehrerinnen und Lehrer blöderweise anders eingetrichtert haben.

Diskutieren hilft da auch nicht viel. Entweder du verstehst es, oder du wirst es irgenwie durch langwierige Prozesse erfahren, oder aber: du erfährst es nie und bist und bleibst so, wie du bist und glaubst insgeheim an dein notorisches WEISSES Dauerglück. Hat auch was. Im Grunde ist das der heimliche Glaube an die Erfüllung durch Konformität. Es ist wie der Glaube an den Sinn von Werbung. Kann man niemandem schlechtreden. Kritisch wirds erst dann, wenn man aufs aufdringlichste versucht, Leute wie mich zum Publikum dieser Unbewußtheit zu machen, sozusagen als Trophäe der Selbstinszenierung. Das ist dann eklig. Da werd ich sauer.

Falls du es jedoch einmal doch erfahren solltest, dieses Gefühl, nicht WEISS zu sein, dann habe keine Angst, denn es ist gut.

Bekenne dich zu der Farbe, die du siehst. Sie ist besser, als WEISS.
In diesem geschilderten Sinne ist jede Farbe besser als WEISS.

Es ist gut, nicht WEISS zu sein.

Ein WEISSES Bewußtsein ist kein Bewußstsein. Es ist eher bewußt gelebte Bewußtlosigkeit!

Richtig ekelig.

München stirbt langsam, Istanbul brennt.

Bärtige Sensibelchen fahren auf Skateboards durch die langen Flure von global agierenden Designagenturen mit ihren Schoßhündchen auf dem Arm. Sie sind Kreativ. Ein Arbeitstag kostet ein Vermögen, aber das ist normal. Nach der Schicht wird unter besonderen Motti socialized. Heute Helloween Kostümball, morgen Thema Trump-Administration. Immer hält einer einen Vortrag, danach wird getrunken.

Kunst ist eine teure Schlampe. Sie wird auf Produktmessen mystisch beschworen, um Abnehmer für Softwarelösungen anzulocken. Wenn man nach ihr frägt, dann kann man schon einmal Zeuge eines Projektes werden, in dem man exemplarisch, anhand von nachinszenierten Einzelfällen die Diskriminierung von Einwanderern auf deutschen Behörden nachempfinden, oder anhand einer geführten 24-Stundentour die aussischtslose Lage von Obdachlosen auf Münchens Strasse mitempfinden kann. Dazu wird trocken Beuys zitiert: „Das System ist kriminell, der Staat zum Feind des Menschen geworden!“ Aha ja. Das hat der Mann tatsächlich vor Jahrzehnten gesagt, stimmt. Nur, was hat das jetzt mit eurem Voyeurismus zu tun?“

Im Glockenbachviertel pocht das Herz der Bewegung. Die Phase der billigen Jutetüten ist vorbei. Edelprostitution ist jetzt angesagt. Der härteste Scheiß gleitet wie Dünpfiff auf dem Straßenpflaster herum. Antroposophie und fernöstliche Lebensphilosophie, ja sogar Adorno sind jetzt Nobelfastfood. Sogar die Bedienung beim Vietnamesen, bei dem du seit Jahren Stammgast warst, lächelt dich neuerdings satanisch höflich an und tut so, als wärst du ein potentieller Siemensmanager und du weisst, während dem essen, dass nichts mehr so sein wird, wie es mal war, wenn die Rechnung erst mal auf dem Tisch liegt.

München stirbt. Vielleicht muss das auch so sein. Vielleicht muss diese Stadt erst einmal in ihrer kleinkarierten Hybris feiernd und ergebnisoffen untergehen, in Hoffnungslosigkeit versinken mit jeder erfolgreichen Umsatzbilanz?

Genau diese hindern einen daran, ein zweites mal nach der Kunst zu fragen. Kunst funktioniert hier – das ist erwiesen und belegt. Sie funktioniert so gut, dass man sie selber gar nicht mehr erleben muss. Sie ist nun untergebracht in einer Branche, heisst es aus kompetenten Mündern.

Zuerst sorgt man sich um sie, dann wird man missmütig und wenn man anfängt doch wieder nach ihr zu fragen, dann wird erwidert: „wir wollen Ihnen ja nur helfen“.

Ja ok, Danke.

Dann erfährt man, dass die Kunst ja nicht verloren ist, sondern lediglich ihren angestammten Platz gefunden hat. Nach Umsatzvolumen sortiert kommt sie an 5. Stelle. Nämlich nach der Software- und Game-industrie, der Medienindustrie, der Musikwirtschaft, der Designwirtschaft und der Kulturwirtschaft.

Es gibt sie als Bestandteil von Balken- und Kuchendiagrammen und auf bunten schematisch gekennzeichnetetn Karten des Freistaates Bayern. Man kann sie sich so ansehen und dann tschüss sagen und dann gibt’s Party.

Anders geil!

In der Zwischenzeit gehen zwei Bomben in Istanbul hoch. Sprengstoff beladene Lkw’s explodieren nahe des frischrenovierten Stadiums der Mannschaft  Besiktas Istanbul nach einem Derbyspiel. Es ist das Stadion der Mannschaft, die fast schon als Symbol der Opposition gilt. Die Angriffe galten den Polizeieinheiten, die am Strassenrand stationiert waren. Nach den neuesten Erkenntnissen starben bei dem terroristischen Anschlag mindestens 36 Polizeibeamte und 8 Zivilisten, hunderte wurden verletzt.

Ein Paar Jungs sassen zu dem Zeitpunkt auf der gegenüberliegenden asiatischen Seite am Strand, sangen uns spielten Gitarre. Ein Freund filmte sie und nahm zufällig die Explosion im Hintergrund auf. Der Knall war auf Grund der großen Distanz zeitverzögert nach einigen Sekunden erst zu hören:

Alles bestens?

Just in diesem Moment geht die demokratische Republik der Türkei komplett unter. Es ist heftig! Das Sultanat startet durch. Wohin das führen mag? Nicht auszudenken. Ich bin geladen, so sauer auf all die Klaqueure aus allen Meinungsbereichen, Schichten und Parteien, die dem Typen über Jahre hinweg die Stange gehalten haben – und zwar nicht nur in der Türkei, sondern vor allem in Europa. es wurde sehr viel Meinung gemacht, um das Bild dieses Menschen, dessen Werdegang als skrupelloser neoliberaler Islamist und Populist eigentlich seit Jahrzehnten durchweg bekannt war, vor allem in den Augen der globalen Öffentlichkeit rein zu waschen – nur, um dem Westen den rücken diplomatisch nach Osten freizuhalten.

Dies alles ging auf Kosten der demokratischen Kräfte in der Türkei. Denn das Bild im Ausland untermauert die innenpolitische Macht in solchen Ländern erheblich. Man konnte leider nichts gegen die Maschinerie anrichten und diese Unterstützung führte dann innen- und außenpolitisch zur Eroberung von immer mehr Deutungshoheit und Akzeptanz für dieses wahnsinnige System, die jetzt ohne Skrupel genutzt werden, um die monopolare Macht und den Rückschritt ins 19. jhd zu vollziehen.

Bald wird die Todesstrafe in der Türkei wieder eingeführt. Diese war seit 1984 faktisch und seit 2004 offiziell abgeschafft!

Jetzt stellt sich heraus, was meinesgleichen schon seit Jahren versucht haben diversen Journalist/innen, Korrespondent/innen, aber auch Normalbürgern und sonstigen Diskussionspartner/innen in der Türkei und hier zu erklären.

All die Andeutungen von Reformen und die Annäherungen an Europa wurden mit vorgehaltener Hand durchgeführt. Dabei wurde immer darauf geachtet, das Meinungsbild im Inland und im Ausland zu beherrschen – zumindest solange, bis die AKP fest genug im Sattel saß, um dann im entscheidenden Moment – nämlich in dem Moment, in dem sich in der komplexen Machtstruktur die Spreu vom Weizen trennt – den absoluten Wahnsinn, nämlich die Trennung von der Rechtstaatlichkeit endgültig zu vollziehen.

Jetzt sind sie leider nicht mehr zu stoppen und es stehen uns harte Zeiten bevor. Wenn man hier in Europa meint, man sei sicher und es würde einen hier nicht belasten, dann irrt man sich gewaltig.

Nun wird es unbequem.

Denn man hat es zu lange zugelassen, dass vor lauter unnötiger Angst um den Verlust seiner hohen gesellschaftlichen Ansprüche, die man hierzulande hat, das Fehlen eben dieser in einem sehr nahe liegenden Schwellenland einfach zugelassen und legitimiert werden konnten.

Europa hat sich zu lange in Sicherheit gewogen und in bequemer Selbstsucht selber genügt und gefallen. Solange die Dinge liefen, war einem Erdogan als Pseudodemokratischer Despot an der Tür zum Osten gut genug.

Seit über einem Jahr finden im Osten des Landes Progrome von ungeheurem Ausmaß statt, ganze Ansiedlungen, Städte, Stadtviertel werden Plattgewalzt, die Menschen dämonisiert und verfolgt. Parteisitze in Brand gesetzt, legitimierte lokalpolitische Positionen enteignet. Journalist/innen verhaftet, mit dem Tode bedroht und ins Exil getrieben. Hinzu kommt, dass der Terror seinen Tribut fordert und Hunderte von Zivilisten und junge Rekruten ihr Leben opfern müssen, für eine Politik, die sie nicht verschuldet haben. Heute wurde die letzte große Tageszeitung – die traditionsreiche Cumhuriyet – überfallen und eigentlich konfisziert. Sie wird wohl, genau so, wie all die vielen anderen, ja wie sogar die östlichen kommunalen Verwaltungen, die in der Führung der Oppositionspartei HDP waren – einem regierungsfreundlichen Treuhänder übergeben.

ich bin zutiefst bestürzt, führe zwar mein Alltagsleben weiter, weil es mir irgendwie Halt gibt, aber die Tage vergehen zäh. vor allem, wenn ich an all meine Freunde und Familie dort denke!

Ich weiß nicht, was tun…