Wir sind alle Freaks

Die Wahrscheinlichkeit, dass im gesamten Universum ein Planet, die Voraussetzungen für die Entwicklung von lebenden Organismen bietet ist schon gering genug. Insofern ist die Welt und alles, was auf ihr so kreucht und fleucht definitiv ein Wunder. Von der geringen Wahrscheinlichkeit, dass ein weiterer solcher Planet existieren könnte, will ich erst gar nicht anfangen. Das erste mal, als ich im zarten Teenageralter mir Gedanken über sowas machte, war ich schockiert, ob der obskuren Traurigkeit, die diese Erkenntnis in mir auslöste.

Angesichts dieser Tatsache erscheint es mir gerade sehr seltsam, mit welch kleinlichen Dingen wir Menschen uns tagtäglich beschäftigen, vor allem: „mit welchem Einsatz“! Eigentlich ist jeder von uns ein durchgeknallter Freak, der im Angesicht der Unendlichkeit und unermesslichen Größe des Universums so Dinge tut, wie zum Beispiel: Laufen auf nem Fließband im Fitness-Studio, oder 5er Looping fahren auf der Wiesn, oder als V-Mann für den Verfassungsschutz arbeiten und Menschen zu Gewalttaten anstacheln, damit der Bundesinnenminister (Bundesinnenminister?) sich freuen kann. Der musste sich ja letztens auf eine äußerst unangemessene Art von der Bundeskanzlerin (Bund? Kanzlerin? Wtf?) demütigen lassen, die da wohl während einer Debatte im Bundestag mit vorgehaltener Hand tatsächlich zu ihm sagte: „Die Mutter aller Probleme ist deine Mutter, Mann!“

Schon hart! So hätt ich die jetzt nicht eingeschätzt. Wobei ich es ja überhaupt nicht mag, wenn man immer gleich die Mutter in alles involviert. Die sollten sie mal lieber rauslassen aus der Angelegenheit, denn wir Migranten können da schon mal verdammt empfindlich reagieren und ich weiß ja nicht, wie der Herr Innenminister das verträgt, wenn ihm ne Deutsche Reichsfahne (Huh?) aus dem Arsch ragt?

Mit sowas befassen wir uns? Schräg oder? Draußen tobt das gähnend Leere dunkle Universum und du auf deinem Erbsenplaneten lebst ein Leben, als wäre der Kosmos nur ein kleiner Teil deines intelligenten Handtelefons. Dabei ist es genau andersrum. Leute kommt mal klar!

Heute ist Oktoberfest Auftakt! (Oktoberfest? Wtf?). Allah möge es schonen! (Allah?).

Otomatik No

No!

No I don’t want. Thank you!

I say „no“ very often.
Can do nothing about it.
It is otomatik system you know?
Like computer program in my head.
Everybody say yes. I look sceptical.
Everybody say no. I also lthink about it.

Not because i don’t wanna be like everybody.
I want to be like them. True! Believe me!
But i am not.
That is a problem for me and for them.

I don’t accept things so easily you know?
Standard mainstream things i don’t accept so easily.
Stay hungry better.

If mainstream majority happy happy sunshine, i think about it critical.
I don’t say: „many people like this! So I like it too“.
I say: „a lot of people like this – be careful!“

Often i am right in my decision.
Mainstream things no good for health, for society, for humanity.
And i say: „ah good i don’t go that way“!

I don’t work for assholes either.
I also don’t work together with assholes.
I work free. I live free.
Better less money, but clean heart and soul, clear mind you know?

Sometimes i think, it would be nice, if i could be an easy yes-sayer.
Live be easy then! Don’t think, don’t ask, just smile and say yes!
But i can’t. It’s not possible.
Don’t say yes without thinking first, you know?
Think a lot and see. Then say yes maybe!
But never say: „oh good money, good fortune. Shut up, smile and go“. No! Never!

It’s otomatik, you know!
I get angry when people easily say yes to everything!
They like slaves.
I don’t like people who have the opportunity to decide freely but prefer to slave around for money.
I don’t like it!

I like people, who use their mind, heart and soul, you know?

Here is a nice track to the same issue from Chuck D:

And a nice article from the archive of Brand Eins magazine (German):
https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2012/nein-sagen

Die Fußballweltmeisterschaft ist mir immer noch scheißegal

Elfmeterkrimi, spannender Stellungskampf, die Stars, die Finten, Reaktionsstärke, Durchhaltevermögen, die Fangesänge, die Strategien der Coaches, dumme und amüsante Spielerstatements, die Bemalungen und das Gefiebere der Fans. Alles schön und gut. Aber irgendwann wird’s schon unverschämt.

Warum unverschämt? Das will ich gerne erläutern, aber dazu muss ich ein wenig ausholen: die Zeiten, als ich mir regelmäßig am Wochenende dem Schicksal eines Spielballes folgend die Kehle aus dem Leib schrie und bei Fußballweltmeisterschaften und Klassikerduellen fast die Besinnung verlor, ist sehr lange her. Ich war jung und mir waren die komplexen Zusammenhänge des Fußballgeschäfts und auch die gesellschaftlichen, historischen und politischen auf der Welt nicht so ganz bewusst – Ich meiner selbst auch nicht so richtig. Die Welt schien nach vorgefügten Regeln zu funktionieren, an die ich mich eben anpassen musste und Fußball war einer dieser wichtigen Faktoren in meinem Leben. Wer frägt da schon nach dem warum? Alle waren heiß darauf und ich eben auch. Hinzu kam, dass in den 80’ern in Istanbul, wo ich mich damals befand, Spieler noch nicht so mit Geld zu geschissen wurden wie heute. Es gab Spieler, die konnte man unter der Woche in ihren angestammten Vierteln antreffen und mit ihnen ratschen. Sie waren sehr bekannt, aber trotzdem irgendwie normale Menschen, keine Götter. Sie hatten dieselben Probleme, wie alle anderen und konnten sich nur mäßig mehr leisten, versuchten sich im Kleingewerbe, versagten, verloren ihr Geld beim Spiel, oder versoffen es nach dem Ende ihrer Karriere.

Man ging damals früh ins Stadion, weil es keinen Vorverkauf für die billigen Plätze gab. So setzte man sich also unter die sengende Sonne im Ali Sami Yen oder im Inönü Stadion und wartete in der Kurve aufs Spiel, welches übrigens im Sommer auch schon mal um 20.00 h Abends erst beginnen konnte. Solange vertrieb man sich die Zeit damit, die Fans des Rivalen mit Stehgreifreimen zu necken, auf die diese dann immer prompt im kollektiven Fangesang antworten mussten, sonst war gleich die Ehre des ganzen Vereins futsch. Die Creative Executors saßen ganz am unteren Rand der Tribünen. Das waren die Elitegymnasiasten und -studenten der renommierten Schulen und Universitäten (Wir waren natürlich alle Männer, by the way). Sie fungierten wie der Hypothalamus der gesamten Fankurve. Sobald der Reim stand, wurde er durch Flüsterpost in windeseile nach oben weitergegeben, dann zählte der gut sichtbar positionierte, obligatorische Paukenspieler auch schon ein und los ging es. Was darauf folgte war eine Art „Freestylebattle zwischen zwei Fankurven“. Wer zu lange mit seiner gereimten Antwort im passenden Versmaß brauchte, hatte verloren. Das ging dann so lange, bis sich Müdigkeit, Hunger und Durst wieder einschalteten. Entweder hatte man sich genug Proviant mitgenommen, oder man wurde Opfer der Köfte- und Wasserhändler im Stadion, die sich das ganze Spektakel natürlich mit Wucherpreisen zu Nutze zu machen wussten.

Es gab keinen Fernsehbeweis, was weitreichende Möglichkeiten für kleine Schiebereien bot, welche wiederum den Presserummel um das ganze beflügelten. Nach dem gewonnenen Heimspiel zog man dann feiernd über die Istiklal-Straße ins Vergnügungsviertel Beyoglu, um sich ein Paar Bier und panierte Muscheln mit Knoblauchsoße zu gönnen. Ein paar Jahre habe ich das so durchgezogen und es war tatsächlich herrlich, muss ich gestehen. Auch damals ging zwar die Welt ein Stück weit unter, aber ich war Gott sei dank zu jung, um das alles zu begreifen. Irgendwann nach 3-4 Jahren war ich dann im Alter von um die 20 rausgewachsen aus diesem Kreislauf. Seitdem gab es selten Rückfälle.

Jetzt sieht es im Fußballgeschäft anders aus. Irrsinnig hohe Gagen und Transfergebühren, Übertragungslizenzen etc. machen das ganze Spektakel zum Absurden Megaschauspiel, in dem das Spiel an sich immer unwichtiger wird. Völlig überladen und Barock mutet der Fußballzirkus an. Stumpfsinnige Fußballerzitate beherrschen die Medienagenda und sogar die politische ab und an. Es ist kaum auszuhalten.

Auch auf politischer Ebene vollzieht sich eine äußerst dynamisierte Entwicklungskurve. Der ganze Irrsinn, der sich in der Zeit des kalten Krieges noch anbahnte, kommt jetzt gerade zum sieden. Der populistische Wahnsinn ist wieder einmal zum täglich Brot geworden, Geflüchtete ertrinken zu tausenden jährlich im Mittelmeer, In Gaza sind die Menschen eingekesselt, werden tagtäglich zerbombt und wer für sie Stellung bezieht gilt als „antiisraelisch“ (was immer das auch heißen mag?), während wir um die Rettung von ein paar thailändischen Schülern aus einer Tropfsteinhöhle fiebern, jeden Tag uns selbst in den sozialen Medien feiern, Fußball und Netflix gucken, Games ballern und so tun, als ob die ganze Scheiße auf dieser Welt noch genau so leicht zu ignorieren wäre, wie noch vor 10 Jahren. Das ganze wird garniert mit Politikerzitaten, deren Stumpfsinn dem von Fußballproleten in nichts nachsteht. Rechtsnationalisten sitzen in „Deutschland“ im Parlament und beim Nachbarn Österreich schon in der Regierung! Ein deutscher Innenminister kann es sich erlauben, über die lebensbedrohliche Notsituation von abertausenden Menschen Witze auf einem Niveau zu reißen, das einem Mark und Bein erschaudern lässt.

Im NSU-Prozess wird der Täterkreis trotz schwerer belastender Beweise und Fakten hartnäckig auf ein „isoliertes Trio“ beschränkt und jeder in diesem Land weiß ganz genau, was eigentlich dahintersteckt: nämlich ein abgebrühter Unwillen der Justiz, die ganze Nazikacke, in der Verfassungsschutz, Polizei und einige andere staatliche Institutionen bis zum Halse stecken, umfangreich aufzudecken. Schließlich geht es hier um die tiefsten der unergründlichen Tiefen der Staates, die es um jeden Preis zu schützen gilt! Jetzt hat man Zeit gewonnen. Die Mühlen des Gesetzes können bei Bedarf eben noch viel länger mahlen, als so schon üblich. Die Hoffnung ist wohl, dass das Thema somit in der Öffentlichkeit an Brisanz verliert und irgendwann dann nur noch in „was ist eigentlich aus ….. geworden“- Artikeln der großen politischen Zeitschriften und Magazine auftaucht.

Einen solchen Umgang mit „unbequemen“ Inhalten von Staats wegen, bemängeln wir Deutschen immer sehr gerne an sogenannten „diktatorisch geführten Staaten“ wie der Türkei, oder Rußland: Ganz offensichtliche und ungehemmte Beseitigung von unliebsamen ZeugInnen, Schredderung und jahrhundertlange Abschottung von juristisch relevanten Akten und und und. Kein Zweifel, da wirkt wohl ein „ultratiefer Staat“ und das schon seit langem. Man kann es sich scheinbar in diesem Land erlauben, schmutzige Machenschaften von staatlichen Behörden und Institutionen einfach unter den Tisch fallen zu lassen, Mördernetzwerke, die zum großen Teil mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeiten und von diesem finanziert werden, zu decken und eben auch Personen, die nachweislich bei einer Reihe von rassistisch motivierten Morden Mithilfe geleistet haben, Tatwaffen besorgt haben etc., mit läppischen Haftstrafen belohnen?

Wenn ich in hitzigen Debatten meine Meinung äußere und von „Nazi“-Strukturen spreche, dann kommt es oft vor, dass so mancher/e plötzlich ein Schweppes-Gesicht kriegt: Nazis gebe es nicht mehr, heißt es dann oft. Mit unserer Nazigeschichte hätten wir Deutschen abgeschlossen. Das wäre alles Vergangenheit und Geschichte. Wenn, dann solle man von ‚Neonazis‘ reden und bitte dringend von einem historischen Zusammenhang mit den Nazis von damals absehen!“

Den Gefallen werde „Ich“ ihnen jedenfalls nicht tun. Vor allem tue ich ihnen nicht den Gefallen, mit der besonderen Qualität ihres kulturell maßgeschneiderten Faschismus sich auch noch eine Einzigartigkeit her zu inszenieren. Nein, der deutsche Faschismus ist nix besonderes! Er ist genauso Faschismus, wie jede andere Form des national und kulturell impregnierten Faschismus auch! Man kann sie Nazis, Neonazis, Faschisten, Rassisten oder sonst wie benennen. Die Deutschen sind da nichts Spezielles. Momentan nimmt diese Gesinnung wieder weltweit das Heft in die Hand und keiner von uns kann sich seiner Verantwortung entledigen. Keiner und Niemand! Es führt kein Weg daran vorbei, sich auch mit dem Faschisten, Rassisten, dem Unmenschen in sich selbst zu konfrontieren – in jedem Moment, in dem man das Leid anderer ignoriert, weil man doch nichts dafür kann und sich in der wohlhabenden und sicheren westlichen Zivilisation ja eh auf der „richtigen Seite“ wähnt.

Seien wir uns eines sicher: Wir sind mitnichten automatisch auf der richtigen Seite! Viele von uns sind leider ignorante Flachköpfe. Vor nichts sind wir gefeit! Jeden Moment kann wieder alles passieren, was wir uns in unseren wildesten Alpträumen nicht vorstellen wollen und es passiert schon. Keiner von uns hat das Recht, zu meinen, dass sein weißer gepämperter EuropäerInnenarsch einen besonderen EU-Schutzschild besitzt! In einer solchen Situation so zu tun, als wäre das Leben eine Sitcom und man selbst sein eigener Hauptdarsteller oder seine Hauptdarstellerin ist äußerst vermessen und dumm.

Und die Moral von der Geschicht?

Scheiß auf Fußball!
Vergiß Weltmeister! Vizeweltmeister, 3. und 4. Plätze interessieren eh niemanden.

Stattdessen sollte man dem Heimatministerium als Institution mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen. Und zwar so lange, bis es endlich abgeschafft ist.

Und mit was man sich sonst beschäftigen könnte?

Man könnte sich um Mitmenschen in Not aufrichtig kümmern! Man könnte auch in erhitzten politischen Diskursen trotzdem Mensch bleiben und nicht zu Abziehbildern davon zusammenschrumpfen! Man könnte sich ehrenamtlich organisieren! Man könnte mal was umsonst für nen guten Zweck tun, um Menschen zu entlasten, die das ihr halbes Leben lang schon machen! Man könnte Menschen in Not aufnehmen, ihnen helfen, sich zurechtzufinden in diesem Dschungel! Man könnte sich dabei ertappen, wie man dazu neigt, sie billig abzustempeln, schwammige Ausreden zu erfinden, um durch eine Gewisse Portion Ignoranz sein Gewissen zu entlasten! Man könnte sich mit genau diesem Gewissen und sich selbst konfrontieren, vor allem mit seinem Europäertum, den zu diesem gehörigen sogenannten Werten. auf die man sich mit seiner popligen Identität beruft! Von den religiösen wage ich überhaupt nicht zu reden! So manche Parteien tragen ja das C der Christlichkeit sogar als Schmuckornament in ihrem Namen!

Man sollte es nie und nimmer vergessen: Aus Opfern werden sehr schnell Täter und umgekehrt! Die grösste Nahrung, ja sogar eine Grundvoraussetzung des Faschismus ist die kollektive Opferhaltung. Moslems, Juden, Christen, Frauen, Männer, Schwarze, Weiße, Schwule, Lesben, Konservative, LInke…niemand ist gefeit davor! Jeder kann Opfer und Täter werden, ja sogar beides in einem sein.

Man könnte also versuchen ein „anständiger“ Mensch zu sein, bevor man meint, etwas anderes sein zu müssen!

Zahlungsform

Im Billig Discounter ist lange Schlange an der Kasse. Die Kundin vor mir packt gerade mit mürrischem Blick die Ware in ihre Einkaufstasche. Dabei fällt eine Plastiktüte auf den Boden, die auf einem Berg Lebensmittel auf dem Kassenband lag. Sie hatte diese wohl zusätzlich geordert, da ihr Einkauf kaum in ihre eigene Tasche passen wird. Das Band ist dicht bedeckt mit Würstchen, Semmeln, Nudeln, etc.. und viel Plastik. Sie reagiert kaum, kramt in ihrer Tasche rum. Ich beuge mich herunter, hebe die Tüte vom Boden auf und lege sie wieder aufs Band. Sie reagiert zu meinem verwundern immer noch nicht. Die Kassenkraft frägt sie nun, ob sie Bar oder mit Karte zahlen will. Auch darauf reagiert sie nicht.
Kurz sieht sie während dem geschäftigen einpacken zu mir mit müden dunklen Augen auf. Ein schüchternes Lächeln bricht urplötzlich durch das mürrisch durchfurchte junge Gesicht. Sie bedankt sich leise. Danach kramt sie ein Briefcouvert mit Geldscheinen aus der Tasche. Der kleinste Schein ist ein Fuffi. Ich spüre, wie in mir eine diffuse Empathie ihr gegenüber wächst. Sie ist mir nun sehr sympathisch. Ich mag Menschen, die Bargeld aus Couverts kramen.

Geschichte? Was bringt mir das denn?

Buchtip:
Freiherr Max Von Oppenheim: „Denkschrift betreffend der Revolutionierung der islamischen Gebiete unserer Feinde“ (Berlin, 1914).

http://daskulturellegedaechtnis.de/work/oppenheim/

Viele von uns mochten das Fach Geschichte im Schulunterricht nie wirklich. Zusammen mit Mathe rangiert das Fach – so denke ich – immer noch unter den unbeliebtesten. Das Thema ist ja auch anfällig für sehr persönliche Projektionen. Schon unsere private Vergangenheit neigen wir vorteilhaft für uns zu interpretieren. Die unangenehmen Seiten interessieren da schon weniger. Einer beschönigten Geschichte mangelt es dann auch an Dynamik und Gegenwartsbezug. Sie ist eher eine leuchtende Inszenierung in der Ferne und hat mit dem hier und jetzt nicht viel zu tun. Wie sollte sie denn auch? Sie wurde ja mumifiziert und geglättet. Da gibt’s nicht viel zu erkennen, was einem im Umgang mit der Gegenwart weiterbringen könnte. Deswegen kommt dann natürlich auch oft die Frage: Geschichte? Das ist doch alles vergangen und vorbei? Was bringt mir das denn?
Ja liebe Kollegen und Kolleginnen. Aber wenn man sich selbst schon so gerne von kultureller Identität reden hört und diese dann auch noch immer öfter verknüpft mit einer nationalen, dann sollte man schon mal wissen, daß der deutsche Kaiser vor langer Zeit Hadschi Wilhelm Mohammed hat nennen lassen, nur um bei seinen osmanischen Verbündeten gut anzukommen, daß ein gewisser Herr Max von Oppenheim (seines Zeichens Archäologe, Nahost-Forscher, Diplomat, Spion, dessen Berichte auch am kaiserlichen Hofe gerne gelesen wurden), eine „Denkschrifft betreffend die Revolutionierung der islamischen Gebiete unserer Feinde“ verfasst hatte und jahrzehntelang – später auch (rotz seiner eigenen jüdischen Abstammung) in Kooperation mit den Nationalsozialisten – durchzuführen. Er starb gottseidank erfolglos. Aber der naive Wunsch, die islamische Population dieser Welt im Sinne einer, imperialen, später dann neoliberalen Expansion als schlagkräftige Dschihad-Truppe zu nutzen, war zwar schon ein Gedanke mit dem sich der Prophet Mohammed vielleicht durchaus hätte anfreunden können. Aber es war trotzdem nicht seine Erfindung. Zu einer Zeit, als Rassismus in Europa noch unreflektierter Standard war, hat man diesen Gedanken leicht zur Umsetzung bringen können. T. E. Lawrence (von Arabien), der im nachhinein hollywoodverklärte geniale englische Spion, litt wohl zeitlebens unter gewissensbissen, ob der falschen Versprechungen, die er seinen arabischen Verbündeten im Namen der britischen Außenpolitik angetan hatte. Immerhin!
Aber im Grunde sollten sich all diejenigen, die eine kulturelle Kluft zwischen Moslems und Christen sehen mal fragen, was ihr Anteil an diesem Phänomen ist. Ein Blick in die Ahnenreihe und intensive Recherchen wären da vielleicht aufschlußreich. Denn der Panislamismus ist mitunter ein Phänomen, an dem deutsche Denker (unter denen gab es damals noch wenige Frauen) maßgeblich beteiligt waren.
Die Arbeit des deutschen Auslandsgeheimdienstes begann in Nahost und hat im Wesentlichen bis jetzt nie einen Bruch erlitten. Nicht mal in der Nachkriegszeit. Warum auch? Die Amerikaner waren natürlich nicht doof genug, eine gut funktionierende Maschine nicht einfach weiterlaufen zu lassen. Also fand nie ein wirklicher Gesinnungswandel statt! Deutschland diente schon immer als Drehscheibe für islamistische Aktivisten aus aller Welt. Islamistische Netzwerke wurden damals wie heute von den unterschiedlichen Interessengruppen hofiert, um in der Nahost-Politik im eigenen Sinne zu agieren.
Deswegen behaupte ich: Nicht der Islam, sondern der Islamismus gehört zu Deutschland! Vor allem die Intellektuellen in diesem Land sollten sich mal ausgiebig mit ihrem eigenen radikalen Potential und dessen Tradition auseinandersetzen. Das ist der einzige Weg, wie man was erreichen kann.

Das äußerst aufschlußreiche Machwerk des Max von Oppenheim ist jetzt – wie oben schon angegeben – im Verlag Das Kulturelle Gedächtnis erschienen. Sehr empfehlenswert, wenn man den Mut dazu hat!

Wagemutige Behauptung zum Thema Religion

Ich gehe stark davon aus, dass die Propheten der abrahamitischen Religionen zu mindestens 50 Prozent Schmarrn verzapft haben. Den Rest haben sie sich von den älteren Kulten zusammen geklaut. Die politische Leistung, Menschen vom Sex und von allem Seelengenuß abzuhalten, nur um einer, in einer Zeit nach dem Tode liegenden – also damit völlig uneinsichtigen – Belohnung in Form einer sehr wagen Vorstellung eines Paradieses willen, erachte ich wiederum (rein von der psychischen und gesellschaftlichen Leistung her) als phänomenal. Hut ab! Religion ist somit eher ein Resultat menschlicher Leistung, als das von göttlicher Fügung. Wir sind eine enorm leistungsstarke Spezies. Das darf man nicht unterschätzen. Gott ist unser Werk und nicht umgekehrt. Wenn wir dieses regulierende Wesen jetzt auch noch durch uns selbst ersetzen, sind wir eins mit dem Universum. Um das göttliche brauchen wir uns eh nicht zu sorgen, denn das ist immer vorhanden (solange wir es brauchen).

Im Endeffekt

Im Endeffekt ist doch alles ein fließender Pŕozess.
Aber denen vom Amt musst du das jetzt nicht unbedingt auf die Nase binden.
Das Amt ist eine Dame.
Sie ist unmerkbar alterslos. Das Archiv hat kein Alter. Es war schon immer da.
Noch vor Adam und Eva.

Du musst damit zurechtkommen. Das Amt tut das allemal.

Komm, zieh dir mal den Stock aus dem Arsch!