Sommerloch

Wie gut
die Einsamkeit tut!
Auch gut, dass niemand sich meldet,
um mich aus der süßen Trauer um den vergehenden Sommer zu reißen.

Und die Stimmen
in der trockenen Nacht
vor dem Fenster
klingen dumpf wie Opium

Wenn es einen Grund gibt,
dann befinde ich mich heute über ihm.
So warte ich
auf deine Stimme,

denn sie berauscht mich,
wenn sie fort ist
und weckt mich,
wenn sie klingt

München, August 2012

ausserdem das schauspiel

ausserdem komm ich aus ner ganz anderen ecke
ich komme

ich pisse durch das lüftungsgitter in die tiefgarage, weil ich zu faul bin, ein klo zu suchen
fliesst

ich hab panik, den zug zu verpassen
läuft

aber einen schönen hut trommeln auf ibiza
powermuschi

der rechtsanwalt tobt
ein volk wird plattgemacht
die u n schweigt

lächerlich, wie schlecht alles ist
ab und zu rollen
annehmen
und wieder

pi pa po, ja, weil die grossmutter sagt, ich gehöre zu deutschland

abonnier mich!

glauben und bilderberg

wenn wir
den blick schärfen
dann können wir
du trottel

das universum hat sich verschworen, denn ich bin das einzig wahre wesen
und es ist schon wieder gut

pass auf
die frau des präsidenten
hat sooo einen schwanz
ich zeig dir ein video
ich glaube
verzeih mir
aber

du darfst das schon mal sagen dürfen
dein latexkorsett ist geplatzt

die rothschilds verarschen uns hart
glaub mir!
glaube
glauben
und
bilderberg

Yine Haziran

Yine haziran.
Yine eski haziranları andıran,
ama hiç de öyle olmayan,
yine haziranlardan bir haziran.

Ve yıldan yıla daha çok ürküten,
ve aslında „roma imparatorluğu döneminde daha da ürkütücüydü kesin bu dünya“
dedirten,
ve „ama o zaman hiç olmazsa tanınmamış, bilinmemiş, kendi halinde kalmış yerler vardı“
diye düşündüren,
ve kesinlikle „o yerlerin o zamanlar şimdikinden daha ürkütücü olmadığını nereden biliyorsun?“ diye sorduran,
anlıyacağın: kendimizi kendimize oyalatan

bir haziran.

Cayır, cayır yanan,
infilak eden,
fakat yinede üşüten,
yıkıntılar içinde top koşturan bir çocuğun kuru damağının alt kısmına yapışmış yaz kokusunu,
insanlık yadigarı umudumuzu, kıvancı,
yahu bildiğimiz bileli bizim olmuş olan güneşi bile
„boşver yemeyiz!“ diye haykırmamıza rağmen,
bize çok ağırdan ve pahalıya satmaya calışan,
„başka ne işimiz var? Gittiği yere kadar, yani son saniyemize kadar yine de aşık olalım, futbol izleyelim, bayrak sallayalim, sevişelim, televizyona karşı doya doya küfredelim, kana kana geçimimizi sağlayıp uyuşalım….“ dedirttiren
ve bize dar alanda kısa kısa pas attıran,
kimisini önce parklarda direndiren ve sonra bozguna uğratan,
kimisine ise olup bitenleri çocuk oyunuymuş gibi uzaktan izleten,

ama aslında
çok masum ve suçsuz,
binlerce yıldan beri belki hiç değişmemiş,
sitemlerimize şaşırıp
„bana ne lan?“ dercesine
her yılki haziranlığına devam eden

işte öyle bir haziran.

Hangi haziran?
Herhangi bir haziran!

(Dieses Gedicht kann ich nicht übersetzen).

Du kannst doch nur bestehen?

Du kannst doch nur bestehen?
Wenn nicht, dann kein Kaugummi mehr von der Marke benutzen!
Das Regengebiet wird durchzogen von einem Biologenteam, das mich auszukennen scheint.
In solch einer überdimensionierten Floskel steckt das Messer.
Nimm es raus!
Es ist zu kurz um wahr zu sein.

Wie denn? Das ist doch ein ernsthaftes Problemgebiet?
Benötigt es Formulare?
Ja, aber vorsichtig zerreiben, wenn die Zeit nicht reicht.
Viel mehr wird in diesem Jahr wieder Vater.

Ich hatte Visionen: Pink Lady wunder ohne Steve.
Die Nacht gibt nix ohne Mond und Newsticker, wo man findet das es ist in all seiner Macht und Fülle – ja und kulminiert in der Höflichkeit der Lebensumstände, die einen dazu bewegen Bilder, die anderen nicht.

Wie auch immer mit Sahne und das Ganze auch noch nie wieder glaubten alle, doch wie diffizil könnte man im eigenen Haus tatäschlich des zerschundenen Pumpendynamos abhold werdende Mütter gebären in einer unübersehbar schwierigen Zeit?

Serie: Widerstand – 2. Innenleben

Der Moment.
Wenn die Luft vibriert wie ein lebender Organismus,
das Gewissen in der Kehle pocht
und die Gewissheit schwer ins Bewußtsein plumpst,

wie damals, als man den ersten Stein seines Lebens
ins Wasser warf
und er sich in Luftblasen wiegend
schwer und ewig auf den Grund senkte.

Der Moment,
Wenn man Auge in Auge, Nase an Nase und naiv,
mit der milchgesichtigen Vorhut der Macht diskutiert
über Sinn und Unsinn,
während im Hintergrund die Mörder unheilvoll rumoren.

Wenn man dann laut, aufrecht und mit offener Stirn
gegen die Laufrichtung der Uniformen rennt,
durch die Menschen, die in ihnen stecken,
bis ganz weit hinein zu den Vorgesetzten.

wenn sich der Mund öffnet,
von Zorn getrieben und von Musen gesegnet,
Blicke und Worte Manifest werden
und die Stimme heiser.

Wenn der Hochmut an einem abperlt, wie Regenwasser,
Gefälligkeit, Kalkül, Diplomatie und Falschheit erstarren.
Entrüstung für die einen,
für die anderen die einzig mögliche Lebensform.

Der Moment des Triumphes,
wenn man schneller ist,
berechtigter, entschlossener,
humorvoller, klüger,
aber auch wahrhaftiger, herzlicher, liebender.

Dann kommt der Moment,
wenn die ersten sterben,
in unendlich laufenden Bilderschleifen,
begraben unter Lawinen aus Kameras und Mikrofonen.

Wenn Freunde noch kurz vor der Feindschaft
ein letztes mal vereint sind in einem leidenschaftlichen Aufschrei,
eben genau dieselben, die sich bald nicht mehr gekannt haben wollen werden,
enttäuscht, verkauft, gebrochen.

Und der Moment,
wenn nach lodernder Hoffnung und unendlichem Schmerz
mal wieder alles vorbei zu sein scheint
und man weder weiss, ob man auf dem richtigen Schlachtfeld,
noch, ob man auf der richtigen Seite gestanden ist.

Und dann natürlich der heiligste aber auch unehrenhafteste aller Momente,
nämlich der des Wartens.
Gemütliches Sonntagsfrühstück.
Aha! Stellengesuch vom nationalen Geheimdienst in der Zeitung.

Der Gärprozess Deutschland

Die Grenzen der Wahrnehmung sind natürlich der Standard.
Aber das Ziel ist die permanente Überschreitung der selbigen.
Die Ästhetik der Dekadenz tanzt wild und unruhig über Breitwände,
im Wettstreit mit dem Leid der Welt.

Es ist wieder nur eine Epoche, ein Irrtum, ein Selbstverständnis und mitnichten ewig.
Wieder wird alles vergessen, was war – der Innovation willen.
Die Enttäuschungen reifen heran und die Hoffnungen gehören wieder der Jugend.
Kalaschnikofs, Sprenggürtel, Bärte, Suren, und Schlachtrufe in heiserem Deutsch.

Tausende toben in „Horden“ auf den Strassen.
Lüstern, unbeherrscht, verkommen.
Klebrig die grapschenden Hände, dunkel die Blicke,
dunkel, fremd, drohend auch die Haut.

Dunkel ist auch dieses Land.
Die Nächte wecken eine seltsame Nostalgie,
nach einer Vergangenheit, die niemals sein darf.
Deswegen sind Winternächte in Berlin zum Beispiel seltsam wirklich.

Jetzt stürzen sie sich wieder erregt auf ihre Mobilfunktelefone
um extralange Kurznachrichten zu verfassen
im Zweifingersystem.
Empörungen jagen im Binärcode durch den Äther

Etagenweise wird verzweifelt und schnell gelacht.
Dazu hat man die Zeit, es geht schliesslich ums Konzept. Das ist der Job.
Für die Ausführung gibt’s erstmal Algorithmen und die 3D-Druckertechnologie.
Aber die ist leider noch nicht soweit.

Weisse Körper schälen sich dünnhäutig – fast transparent –
aus durchnummerierten Sesseln.
Wie schlüpfende Mückenlarven wirken sie, jedoch sind sie steinalt.
Sie haben sich eingenistet in den öffentlichen Tempeln
und halten die feinen Nasen ständig witternd in die Luft.

Biologen würden sagen: sie verteidigen ihr Revier.
Kommt man näher, sieht man Schneidezähne in zerfurchten Grimassen,
umrahmt von billigem Schmuck und wachen Blicken.
Urplötzlich können sie angreifen.

So zum Beispiel einen iranischen Cembalospieler in der Philharmonie.
Dann bellt und heult die Brut zunächst, wie Wölfe oder Hunde es tun.
Auf ein unscheinbares Zeichen stürzen sie ungeahnt los
und reissen ihre Mäuler auf, in der Hoffnung auf dicke blutige Happen.

Seit neuestem aber bleibt ihr Blutdurst ungestillt.
Die Opfer sind keine Opfer mehr
und tönen schrill in sturer Nonchallance und in herabwürdigendem Akademikerenglisch.
Nur der Pöbel draussen auf der Strasse holt sich wie gewohnt noch seinen Zoll.

In den Sitzreihen der Tempel jedoch,
bleibt lediglich die Trauer um die eigene Fruchtbarkeit
und die Sehnsucht nach einer Vergangenheit,
die niemals sein darf.

Das Kapital

Schwer bist du und unsichtbar eigentlich.
Was man sieht ist nur dein Abdruck.
Du erzeugst physischen schmerz.
So schwer bist du.
Du belästigst einen wie ein schwergewichtiger, redsamer Clown und läufst ständig um einen herum, krakelend, schmierig, gierig auf der Suche nach einem Stückchen Schwäche. Das ist deine größte Sucht.
Du greifst nach einem, schüttelst einen ständig, machst grobschlechte laute Scherze, physisch übergriffig, distanzlos, ruhelos.
Du greifst einem in den Schritt, oder drückst deine dicken Finger zwischen die Rippen, bis das Zwerchfell zu explodieren scheint.
Und jedes Lächeln auf meinen Lippen ist ein Verlust meiner Seele und ein kapitaler Gewinn für dich, den du stets mit grässlichem Fratzengeballer feierst.
Wenn du genug Beute gemacht hast, wendest du dich geschäftig und kühl ab, hast es nicht nötig, dich zu verabschieden.
Dein Raubzug ist für dich eine legitime Handlung.
Wenn du bleibst, dann nur um einer extraordinär größeren Beute willen, die dein Warten rechtfertigt.
Du liebst gut kalkuliertes Risiko.
Je größer deine Beute, desto länger kannst du warten.
Während du wartest heuchelst du Nähe.
Das kannst du gut.
Je länger deine Anwesenheit wärt, desto erdrückender wirst du.
Denn du bist immer noch feudal, immer noch archaisch, immer noch roh, banal und obszön.
Dein Abdruck zollt dem Zeitgeist tribut und kann dadurch beeindruckend erscheinen.
Du selbst hingegen bist immer noch klobig, finster, ekelerregend.
Trotzdem kannst du einem alle Annehmlichkeiten des Universums bereiten.
Je weiter man von dir entfernt ist, desto annehmlicher scheint das Leben.
Dabei bist du immer da.
Immer.
Und es ist eine Farce des Lebens, dass man sich trotzdem nach dir sehnt.

Was wußte man schon?

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Man war klein, ungelenk, stumm
Klobig steckten die Füße in den Schuhen
Man machte nichts
Es wurde gemacht
Es gab immer eine Erklärung für alles
Wenig Fragen
Die Farben waren gilb
Man wurde geliebt und verlacht, sobald man nur seinen Mund öffnete

Es gab nichts zu zweifeln
Alles passierte, man mußte gut zuhören und aufpassen
Denn es ging sehr schnell
Dann gab es noch diese langen Tage
Durst und Hitze waren Gefühle
Kälte und Metall waren Gerüche
Gewalt und Tod waren unvorstellbar
Sie erschienen nur als künstliche Schreie und dumpfe Vertonungen
Sie waren Spiel
So lebte man dahin, bis irgendwann die Gewissheit einen überkam
Die Gewissheit mochte ich nie leiden

Triptonious Coltrane