800 Millionen für Notre Dame

Am 15.04.19 ist die Kathedrale Notre Dame in Paris abgebrannt. Massive Schäden sind dadurch am historischen Bau entstanden und wir stehen alle – imaginär oder reell – vor den brennenden Trümmern. Andächtig. Andacht ist wichtig in solchen Zeiten. Denn ein wichtiges Symbol ist schwer verwundet worden. Ein Symbol unserer Wertegemeinschaft. Natürlich ist der architektonische, historische Wert auch wichtig. Aber mehr als das, geht es um unser Selbstverständnis. Aber für was stand und steht denn Notre Dame? Notre Dame steht nicht nur für die Kirche und den christlichen Glauben, die heilige Mutter Gottes, etc.. Nein es steht natürlich für unsere westliche Zivilisation, für unsere weiße Zivilisation. Viele werden jetzt sagen: für europäische Werte, ideelle Werte, die Huldigung des menschlichen Verstandes, den Respekt vor dem freien Gedanken, Kunst, Kultur, etc. etc. etc..

Deswegen die Sorge! Der Brand vergegenwärtigt uns die Vergänglichkeit genau dieser Werte. Indem wir uns um das Symbol sorgen, das diese Verkörpert, sorgen wir uns auch um sie. Deswegen sind auch innerhalb von 2 Tagen sofort 800 Millionen Euro an Spenden zusammengekommen für den Wiederaufbau. Ganze 800 Millionen! in 2 Tagen!

Aber ist das alles, wofür Notre Dame steht? Nein! Notre Dame steht auch für das alte Europa, das überwiegend weiße Bewusstsein Europas. Es steht auch für das harte, das kühle Europa, das sich emotionslos abschotten kann, wenn es darum geht, andere Werte, wie Macht, Geld und Vermögen zu horten und zu schützen. Es steht für das mittelalterliche Europa, dem wir in einer obskuren Form immer noch verpflichtet sind. Vor allem aber steht Notre Dame für die Angst Europas – die Angst, die durch die eigene Gier am Leben erhalten wird. Die Angst davor, irgendwann einmal alles zurückgeben zu müssen, was man sich über die Jahrhunderte zu unrecht genommen hat. Ich glaube man ist eher bereit, in Höllenflammen unterzugehen, als sich der Last seines Gewissens zu ergeben.

Die 800 Millionen könnte man in diesem Zusammenhang auch als Ablass Zahlung betrachten. Der Ablass des 21. Jahrhunderts. Und Greta Thunberg ist so etwas, wie ein neuer Luther.

Marginalisierung?

Wie geht man heutzutage elegant mit Faschismusvorwürfen um? Man kokettiert mit ihnen. So wie es letztens die israelische Justizministerin gekonnt vorgeführt hat:

Sie tritt selbstherrlich auf: ein bisschen Sex Appeal, ein bisschen Vanity Fair. Faschismus? Der Befriff wird ad absurdum geführt. Der Begriff ist dehnbar geworden. Wenn es den eigenen völkisch-identitären politischen Interessen dient, ist es kein Faschismus mehr. Er ist wie ein Parfum, das etwas markant riecht. Man kann sich immer mit dem individuellen Geschmack rechtfertigen, ja diesen sogar besonders in Szene setzen. Man hat ja schließlich seit der Beendigung des letzten offiziell so genannten „Weltkrieges“ fast 65 Jahre Zeit gehabt an den Geruchsnuancen zu arbeiten.

Die Zeit ist reif, meine Damen und Herren! Der Weizen trennt sich wieder von der Spreu. Man sollte ab jetzt den Statements in seiner Umgebung aufmerksam Gehör schenken. Mir kommt es so vor, als würde ich nun genau das verspüren, was ich bisher nur aus Geschichtsbüchern kannte. So muss es wohl früher auch gewesen sein: Faschistische, rassistische, frauen- und queerfeindliche Statements werden verharmlost, meist von Menschen, die es gar nicht so böse meinen. Ganz im Gegenteil: es sind oft die, die sich ganz besonders um die Gesellschaft sorgen. Es sind die Sensibelchen, die lieben Menschen. Sie wollen nicht, dass es zu Schlagabtauschen kommt und nehmen übereifrig die regulierende Position ein.

Ja, sie empfinden sich als die liebenswürdigen Streitschlichter und wollen jeder Seite gleichermaßen entgegen kommen. Das führt dazu, dass sie krasse Aussagen – vor allem aus rechtskonservativen Kreisen – relativieren. Wie zum Beispiel letztens den dummen Karnevalswitz der Parteivorsitzenden der CDU (die hoffentlich bald in den Annalen der Partei versinken wird), in welchem sie unverhohlen transgenderfeindliche Äußerungen von sich gab. Es wäre gute alte Tradition, aktuelle Themen am politischen Aschermittwoch aufs Korn zu nehmen. Man dürfe sich da nicht so aufregen.

Es wird so getan, als handele es sich einfach nur um ein etwas komisch riechendes Parfum. Es ist auf keinen Fall Lebertran! Es ist eine Frage der persönlichen Präferenz. Es wäre geradezu antidemokratisch, diesen speziellen Humor nicht als solchen anzuerkennen und stattdessen eine politisch böswillige Aussage darin erkennen zu wollen.

Ausserdem:
„Das ist Tradition! Politischer Aschermittwoch! Hallo!“
„Also ich mag die ja auch nicht besonders, aber in diesem Falle, muss ich sie wirklich in Schutz nehmen.“
„Mit der Überbewertung solcher Lappalien, schadet man dem demokratischen Diskurs nur noch mehr.“
„Haben wir in diesem Land wirklich nicht ernstere Themen zu besprechen? Die Wirtschaft zum Beispiel.“

Kaum ist die Diskussion einigermaßen abgeebbt, bringt jedoch der Chef der Jungen Union genau die Verunglimpflichungen, die seine Parteichefin noch als ironischen Aschermittwochsscherz abgetan hat, bei einer Ansprache auf dem JU-Deutschlandtagb in Düsseldorf. Diesmal ist kein Karneval und es ist auch kein Scherz. Der Knabe meint das Bitterernst:

https://www.queer.de/detail.php?article_id=33214&fbclid=IwAR0xfzcxCoIN8DVE8kvovZ-wJlaoG-2n1s1I0kPBR_89H3H-XCF1nHDg6KI

Nein! Wir haben kein wichtigeres Thema! Rassismus, Faschismus, Marginalisierung von gesellschaftlichen Gruppen. Das sind die wichtigsten Themen weltweit! Und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Leider! Der Faschismus ist nicht nur ein Parfum, dass man ungeniert aufträgt. Wir impregnieren uns gerade damit. Er verhärtet unsere Hülle und macht sie undurchlässig. Wir verlieren unsere Offenheit und vor allem unsere Menschlichkeit. Deswegen „müssen“ wir uns Tag für Tag damit auseinandersetzen. Er kommt schleichend und heimtückisch. Mit jeder Ausnahme und Relativierung, ist er näher an uns dran. Die unwürdigste Art, den Kampf gegen ihn zu verlieren, ist das Eingelullt-Werden und danach von nichts gewusst haben, das Stille annehmen, obwohl man ja eigentlich gar nicht wollte und auch nie einer rechten Gesinnung angehörte, das „ja aber…“ sagen.

Viele wollen es nicht wahrhaben, aber die Zeit der offenen und ehrlichen Statements ist gekommen! Wir müssen den Kampf mit diesen Umtrieben entschlossen aufnehmen! Dürfen uns nicht nur im stillen Kämmerlein unseren Teil denken, sondern wir müssen uns äußern. Das ist nicht peinlich. Es ist auch nicht peinlich, detaillierte Fragen zu stellen, genauer hinzugucken, füreinander einzustehen.

Wenn wir das jetzt nicht machen, dann werden wir das bald bitter bereuen!

Keinen Fußbreit dem Faschismus!

Identitätsausfall

Früher war’s einfacher
Mann war wer
Frau war auch irgendwo
Andere waren Disco
High Energy

Ganz andere saßen in der Chrystallkugel und schauten hinaus
Sie waren auch Frauen, Männer und Kinder, aber dunkler
Sie erkannten gar nichts
Konisch gebrochene Reflektionen in drastischen Farbwechseln
Schwirrten an ihnen vorüber

Manche von diesen verwandelten sich dann plötzlich in verzerrte große Augen
Und fokussierten alles
Bedrohlich und christallklar
Bevor sie wieder im schwammigen Außen verschwanden grinsten sie noch

Da blieb einem schon die Spucke weg
Und die Artikulation fiel einem natürlich auch schwer!
Kein Wunder…
Oder?

Jetzt ist alles anders
Die Kugel hat Risse
Die Augen sitzen in der Ferne mit ausgestreckten Zungen
Man sieht sie ganz genau

Sie grinsen nicht mehr und näher trauen sie sich auch nicht mehr
Irgendwie liegt zickige Humorlosigkeit in der Luft
Aber egal
Oder?

Nur zur Sicherheit

Früher oder später kommt eh alles auf den Tisch.
Und Rückfälle gibt’s immer!
Ja, is‘ so!
Man muss halt nach vorne schauen.

Damit’s dann im nachhinein nicht komisch rüberkommt:
Wir haben alles gewusst!

Damit kann man leben.
Das geht schon, wenn man will.
Da muss man jetzt nicht weinen.
Wir sind ja schließlich Menschen,
haben eine Identität, Religion und Grundrechte.

Und lügen kann man ja auch zur Not.
Ja, is‘ so!

Fehlt nur noch, dass der Vatikan sich zu seiner homosexuellen Mehrheitsgesellschaft bekennt.
Da würden die Saudis aber blöd schauen, ich sag’s euch!

Gewaltmonopol

Nicht sicher!
Na dann eben besseres Passwort.
Ja, mach Witze!

Ne also ich habe damals in einer Agentur für Wirtschaftskommunikation gearbeitet…
My Ass!

Ne, also, wir leben in einem Rechtsstaat.
Rechts!
Staat!

Ne also was kann meine Oma dafür?
Die will vergessen!
Ich will auch vergessen!

Polizei, Gewaltandrohung, Gewalt!
Einzelfall.

Kann man Faschismus als Ideologie bezeichnen, oder ist das ein gesellschaftliches Phänomen? Denn es gibt wohl tatsächlich ziemlich wenige Faschisten, die sich selber als solche bezeichnen würden, oder?

Ne also zum Beispiel ein Polizist mit faschistischem Gedankengut?

Oder Wenn du dich jetzt bei einem faschistoiden Gedanken ertappen würdest, dann würde ja dein Gehirn das im ersten Moment mal vollkommen ignorieren.

Ne also ein Kommunist, oder eine Sozialistin könnte ja auch nicht gleichzeitig noch Faschist oder Faschistin sein, oder?

Wie sollte das denn gehen, gell?

Ein Israelischer Soldat?

Aber ein amerikanischer Polizist schon? Zumindest ein Rassist könnte er sein, oder?

Ne also Ich mein das jetzt nicht so, wie du meinst…

 

Schmachtfetzen #8: Yaşar Güvenir – Sensiz Saadet Neymiş

Sensiz saadet neymiş
Tatmadım bilemem ki
Alnımın yazısıydın
Ne yapsam silemem ki

Sensiz saadet neymiş
Tatmadım bilemem ki
Alnımın yazısıydın
Ne yapsam silemem ki

Seni uzaktan sevmek
Aşkların en güzeli
Alıştım hasretine
Gel desen gelemem ki

Seni uzaktan sevmek
Aşkların en güzeli
Alıştım hasretine
Gel desen gelemem ki

Was bedeutet Glück ohne dich?
Kenne es doch nicht? habe es nie erfahren.
Du warst des Schicksal’s Siegel auf meiner Stirn.
Ich kann es nicht löschen.

Was bedeutet Glück ohne dich?
Kenne es doch nicht? habe es nie erfahren.
Du warst des Schicksal’s Siegel auf meiner Stirn.
Ich kann es nicht löschen.

Das schönste ist,
dich aus der Ferne zu lieben.
Die Sehnsucht nach dir, bin ich gewöhnt.
Auch wenn du mich riefest, wie sollte ich denn kommen?

Das schönste ist,
dich aus der Ferne zu lieben.
Die Sehnsucht nach dir, bin ich gewöhnt.
Auch wenn du mich riefest, wie sollte ich denn kommen?

Yaşar Güvenir wird 1929 als 6. Sohn des Staatsmusikers Osman Güvenir nach 5 Fehlgeburten als erstes gesundes Kind geboren. Deswegen auch die Namenswahl: „Yaşar“ = „Er wird leben“.

In eine Musikerfamilie hineingeboren, interessiert sich der Junge sehr schnell für das Instrument seines Vaters: den Kanun (die Zither der türkischen klassischen Musik).

Als Jugendlicher begeistert er sich für Jazz und westliche Musik, verliert jedoch seine Liebe zur türkischen Musik nicht. Im Lizeum lernt er Piano und Akkordeon zu spielen. Bald beginnt er im Amerikanischen Club in Ankara aufzutreten.
Als junger Literaturstudent fährt er mit seinen musikalischen Aktivitäten fort und singt und spielt nun vorwiegend englischsprachige Lieder und türkische Tangos.

Seine Karriere entwickelt sich bald in Istanbul weiter, wo er duch 2 Liveaufzeichnungen im Istanbuler Staatsradio sehr populär wird. Seine englischsprachige Komposition „My Crazy Baby“ wird von der damals populären italienischen Sängerin Mina unerlaubt gecovert und es kommt zu einem langwierigen Rechtsprozess, im Zuge dessen er die Nennung seines Namens als Komponist und Texter des Songs durchsetzen kann. Dadurch erlangt Güvenir kurzfristig eine nicht zu unterschätzende Popularität in Europa.

Er verliebt sich, wird Vater zweier KInder und eröffnet in Ankara ein eigenes Etablissement. Diese Unternehmung wird jedoch nicht durch Erfolg gekrönt. Auch privat läuft es nicht gut. Seine Frau trennt sich von ihm und verunglücklicht kurz danach bei einem Verkehrunfall, was ihn veranlasst, die Textzeilen zu „Sensiz Saadet Neymis“ zu verfassen.

Der Songtext gewinnt einen bedeutenden Preis im Inland und wird von den großen Star „Zeki Müren“ interpretiert. Diese Version gefällt Güvenir nicht besonders und er beschließt, eine eigen Version zu komponieren.

Als dann diese eigene Version des Liedes von einem weiteren großen Star der türkischen Musikszene – Gönül Yazar – interpretiert wird, erziehlt er große Verkaufszahlen. Güvenir komponiert weiterhin großartige Songs, bleibt aber leider unter dem Radar der Öffentlichkeit und erhält unverdientermaßen wenig Anerkennung dafür.

Ein weiterer großer persönlicher Verlust führt dann paradoxerweise zu seinem nächsten großen musikalischen Erfolg: Als seine Tochter stirbt, formuliert er seine Trauer wieder in einem brillianten Songtext, welcher von dem großen Sänger Ahmet Özhan sehr erfolgreich interpretiert wird: „Çaresizim“ (Ich bin verzweifelt).

Jedoch lässt der nächste Schicksalsschlag nicht lange auf sich warten: nach einer Herzoperation erleidet er eine halbseitige Lähmung und kann ab da seinen linken Arm nicht mehr benutzen, jedoch führt er seine Arbeit als Komponist und Texter fort.

Am 10. Januar 1998 stirbt der relativ unbekannte und unbeachtete Musiker und hinterlässt eine große Zahl an grandiosen Songs.

„Der tiefe Zusammenhang zwischen harter elektronischer Musik und dem Nationalsozialismus“.

Nein, das akzeptiere ich nicht! Wir Deutschen sind keine Nazis! Es gibt bei uns keine Nazis mehr. Und wenn, dann sind das Neonazis und die haben mit den Nazis von damals nichts, aber gar nichts zu tun! Es gibt keine genealogische Fortsetzung dieser Ideologie in unserem Land. Wer das behauptet, ist ein verantwortungsloser Populist und beabsichtigt, die Stabilität unseres Rechtsstaates zu verletzen. 1945 ist der Nationalsozialismus abgeschafft worden und mit ihm auch der klägliche Rest der Nationalsozialist*innen. Deutschland hat seine dunkle Vergangenheit vollkommen verarbeitet und in die Geschichtsbücher verbannt. Wir Deutschen betrachten diese Phase unserer Geschichte nur noch aus der nüchternen Distanz von Historiker*innen.

Was’n billiger Witz!

Hahahahaaaaa!

Leckt mich am Arsch ihr naiven Dumpfbacken! Einen Scheiß habt ihr eure Geschichte verarbeitet! Bisher habt ihr diese Alibi-Rechtsstaatsdoktrin stur durchdekliniert. Aber im Grunde wusstet Ihr schon immer, dass dem nicht so ist, dass die Faschos sehr schnell wieder in Reih‘ und Glied mit erhobenen Armen dastehen würden, sobald die politische Gemengelage es nur wieder hergeben würde. Ihr wolltet es nur nicht wahrhaben und wahrscheinlich hattet Ihr die naive Hoffnung, dass alles wieder gut wird, wenn man das oben genannte Mantra nur oft genug vorbetet. Und jetzt tun alle wieder ganz entsetzt und fallen aus allen Wolken, nicht wahr? Keiner kann es sich so recht erklären, woher der „plötzliche“ Rechtsruck – vor allem in der jungen Population dieser Gesellschaft – herrührt?

Ich will es euch erklären: Ihr habt zu viel Techno gehört in den 90ern! Daran liegt das! War ich es etwa, der jahrzehntelang chemische Drogen zu stampfenden Beats genommen hat? Ha? War ich das? Nein! Ich konnte mit dem Scheiß nie was anfangen. Und ich habe mir wirklich Mühe gegeben. Das könnt ihr mir glauben! Ich wollte mich integrieren! Aber nach ein Paar Jahren der vergeblichen Liebesmüh‘, hab‘ ich dann kapitulieren müssen. Techno war nie etwas für mich. Alle haben’s geliebt, nur ich nicht. Trotzdem bin ich unermüdlich in die Technodissen gegangen, hab‘ mir die Nächte um die Ohren geschlagen, hab‘ Pillen geschmissen, immer in der Hoffnung, irgendwie Teil dieser Bewegung sein zu können. Aber nein! Es hat einfach nicht funktioniert! Neidisch habe ich meinen euphorisierten Freundinnen und Freunden beim jauchzenden abfeiern zugesehen und musste immer enttäuscht und frustriert die Szene verlassen. Zuhause hab ich dann meinen Ecstasyrausch ausgestanden. Mit dem konnte ich nämlich auch nix anfangen. Übel war das. Ich stand wieder einmal außerhalb der Gesellschaft, hing wieder mit meinen Homies im Ghetto ab, hörte Hip Hop und Arabesk Musik. Vor lauter Frust zogen wir dann den Techno-Kids die Jacken ab, stachen hin und wieder einen von ihnen ab und beklauten auch ihre Omis.

Ich habe lange darüber nachgedacht, woran das wohl gelegen haben mag und endlich habe ich eine Erklärung gefunden! Es hat meiner Meinung nach kulturspezifische Gründe: Techno hat irgendein Bedürfnis bei meinen europäisch-stämmigen „weißen“ Mitmenschen gedeckt, das ich eben nicht hatte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Musikströmung die subtile Verarbeitung einer generationenübergreifenden grausamen Kriegserfahrung getriggert hat. Der deutsche Techno war immer der härteste. Ist ja klar: die Deutschen haben schließlich immer hart eingesteckt: zuerst liefen die Kolonialpolitik und der erste Weltkrieg schief. Dann kam Adolf und hat ihnen nochmal die Eier aufgeblasen und die hat man ihnen im 2. Weltkrieg wieder eingetreten. Danach reihte sich ein Drama ans nächste: Adenauer, Heimatfilm, Mauerbau, Schlager, Krautrock, Neue Deutsche Welle, Mauerfall, Techno. Da braucht man sich nun wirklich nicht zu wundern.

Ironischerweise nannte man die größte Manifestation der Technobewegung in Deutschland auch noch „Loveparade“!… Loveparade? Fest der Liebe? Dieser Geisterbahnlärm soll die musikalische Entsprechung einer universellen Liebe sein? Was ist denn bei euch kaputt gewesen Leute? Das ist doch keine Liebesmusik? Das ist pure Sinnesamputation. Ihr habt euch eure Hirne und Seelen ficken lassen, weil Ihr euch und eure ganze nationale Schande nicht mehr ertragen habt. So schaut’s
aus. Und ich Idiot hab mir als Teenager auch noch Selbstvorwürfe gemacht, weil ich auf den Mist nicht stand. Wie sollte ich auch? Es hatte ja nichts mit mir zu tun. Irgendwann bin ich dann wieder beim guten alten R’n B und Hip Hop angelangt und gut war’s. Aber ein paar migrantisch-stämmige Freunde wollten unbedingt mitmachen. Und wenn man sie gefragt hat, dann hieß es, wegen der Extase und dem Sex. So ein Schmarrn. Wer will denn bitte mit diesen Geisterfressen Sex haben? Ich bitte euch. Da ging’s doch nie um Sex? Es ging um harte seelische Selbstzerstümmelung und sonst nix – also eigentlich um genau das Gegenteil von Sex, Soul, Liebe?

Ja, jetzt wird wieder groß protestiert, ich weiß! Ich würde die ganze Szene über einen Kamm scheren. Ja klar. Es gäbe ja gaaaanz viele unterschiedliche Spielarten von Techno. Ja, klar. Detroit Sound, Industrial, Frankfurt etc.. Ja Gibt es! Völlig unterschiedlich! Mhm! Manche reden sogar so, als wäre das die vielseitigste aller Musikrichtungen. Bullshit! Klar, mit einenhalb bis zwei Pillen in der Fresse käme mir das wahrscheinlich auch so vor!

Und dann geht’s gleich weiter im Shitstorm: Was mir einfallen würde, Techno als Nazimusik zu bezeichnen? Das habe ich nie und nimmer behauptet! Im Grunde hab ich ja auch nichts gegen Techno, aber…. Ihr müsst doch selber zugeben, dass das Gestampfe etwas militantes hat, oder? Es ist kalt, stählern und militant. So seh‘ ich das. Und es manifestieren sich darin die Schrecken der deutschen Geschichte. Techno ist die Rache des todbringenden Preußentums an seinen unwürdigen Nachfahren!

An den Haaren herbeigezogen? Find‘ ich gar nicht. Die Technogeneration ist Hirntot und hat rein ideologisch – völlig konträr zu ihrer selbstproklamierten Liebesmessage – wenig positives an ihr Umfeld und vor allem an die nächsten Generationen weitergegeben. Was ihr gelebt habt, war purer Hedonismus getarnt im Mantel einer universellen Pseudospiritualität. Das Resultat liegt offen auf der Hand: Ein kollektives Gehirnvakuum, dass jetzt bereit ist, mit eindimensionalen rechtsnationalen Phrasen gefüllt zu werden. Das sind doch alles die Kinder der Technogeneration, oder nicht? Die Kids sind doch alle Anfang 90er geboren? Von wegen die tolle deutsche elektronische Musik – leckt mich! Verlierermusik ist das!

So und jetzt verrat‘ ich euch noch was: wisst Ihr, warum Hans Georg Maaßen gerade wirklich gegangen wird? Es sind Tapes aufgetaucht, auf denen der (hoffentlich endlich) Ex-Verfassungsschutzchef dabei zu sehen ist, wie er Anfang Neunziger auf Ostberliner Underground-Technoraves rumhängt und Speed snifft. Na? Glaubt Ihr mir nicht? Die Aufnahmen werden bald viral gehen! Denkt dann an mich! Ich bin einer der Wenigen, der sie vorab sehen durfte. Ich geniesse da nämlich so ein Privileg…also, ich werde durch die Dönermafialobby protegiert und habe dadurch Zugriff auf hochbrisantes ultrageheimes Material des Verfassungsschutzes. Und das ist ein Fakt, der nur sehr wenigen in der Republik bewusst ist: die Dönermafia existiert wirklich! Aber hallo! Und sie hat schon längst den Verfassungsschutz infiltriert. Ihr denkt, die Zeit der Nazis ist gekommen, aber da irrt Ihr euch gewaltig: die türkischen Dönerfaschos sind jetzt am Start.

Diese Angelegenheit ist sehr weit in den tiefsten Tiefen des deutschen Staates verankert. Die rechtsradikalen Netzwerke in Deutschland sind ein Vogelschiss im Vergleich zur Dönermafia! Der NSU-Komplex wurde einzig und allein nur dafür geschaffen, um diese Organisation absurd wirken zu lassen, damit sie im Hintergrund ungestört weiter agieren konnte. All diese neuen rechten Strukturen – vor allem im Osten – wurden von staatsinternen dubiosen Seilschaften in Zusammenarbeit mit einer geheimen Zelle im Verfassungsschutz gelegt, um die Machenschaften der Dönermafia zu decken. Und nun regiert sie insgeheim die Bundesrepublik Deutschland!

Ich könnte mich jetzt eigentlich mal richtig relaxen und als Mitwisser meine Vorteile davon ziehen, aber ich mache es nicht. Warum? Weil ich ein guter Deutscher bin und mich als solcher meiner Heimat verpflichtet fühle. Ich liebe Deutschland und singe unter der Dusche heimlich die 3. Strophe der Nationalhymne, aber eines muss ich meinen deutschen Volksgenossen endlich einmal sagen: das mit der elektronischen Musik, das musste wirklich nicht sein. Das könnte allmählich auch mal abebben. Bringt doch nix! Gebt den Techno auf. Hört mehr Metal, Hip Hop oder Arabesk. Techno ist die Mutter allen Übels. Believe me!

Beitrag von Tuncay Acar für die Europaausgabe des türkischen Satiremagazins „Uykusuz“ – Veröffentlicht im September 2018.

Wir sind alle Freaks

Die Wahrscheinlichkeit, dass im gesamten Universum ein Planet, die Voraussetzungen für die Entwicklung von lebenden Organismen bietet ist schon gering genug. Insofern ist die Welt und alles, was auf ihr so kreucht und fleucht definitiv ein Wunder. Von der geringen Wahrscheinlichkeit, dass ein weiterer solcher Planet existieren könnte, will ich erst gar nicht anfangen. Das erste mal, als ich im zarten Teenageralter mir Gedanken über sowas machte, war ich schockiert, ob der obskuren Traurigkeit, die diese Erkenntnis in mir auslöste.

Angesichts dieser Tatsache erscheint es mir gerade sehr seltsam, mit welch kleinlichen Dingen wir Menschen uns tagtäglich beschäftigen, vor allem: „mit welchem Einsatz“! Eigentlich ist jeder von uns ein durchgeknallter Freak, der im Angesicht der Unendlichkeit und unermesslichen Größe des Universums so Dinge tut, wie zum Beispiel: Laufen auf nem Fließband im Fitness-Studio, oder 5er Looping fahren auf der Wiesn, oder als V-Mann für den Verfassungsschutz arbeiten und Menschen zu Gewalttaten anstacheln, damit der Bundesinnenminister (Bundesinnenminister?) sich freuen kann. Der musste sich ja letztens auf eine äußerst unangemessene Art von der Bundeskanzlerin (Bund? Kanzlerin? Wtf?) demütigen lassen, die da wohl während einer Debatte im Bundestag mit vorgehaltener Hand tatsächlich zu ihm sagte: „Die Mutter aller Probleme ist deine Mutter, Mann!“

Schon hart! So hätt ich die jetzt nicht eingeschätzt. Wobei ich es ja überhaupt nicht mag, wenn man immer gleich die Mutter in alles involviert. Die sollten sie mal lieber rauslassen aus der Angelegenheit, denn wir Migranten können da schon mal verdammt empfindlich reagieren und ich weiß ja nicht, wie der Herr Innenminister das verträgt, wenn ihm ne Deutsche Reichsfahne (Huh?) aus dem Arsch ragt?

Mit sowas befassen wir uns? Schräg oder? Draußen tobt das gähnend Leere dunkle Universum und du auf deinem Erbsenplaneten lebst ein Leben, als wäre der Kosmos nur ein kleiner Teil deines intelligenten Handtelefons. Dabei ist es genau andersrum. Leute kommt mal klar!

Heute ist Oktoberfest Auftakt! (Oktoberfest? Wtf?). Allah möge es schonen! (Allah?).

Schmachtfetzen #6: Intizar

Wahrscheinlich wurde dieser Song von einem französischen Popsong adaptiert. Ich bin gerade noch am recherchieren. Der Text quillt direkt aus den tiefsten Tiefen der hilflosen Seele eines oder einer hoffnungslos Verliebten auf.

Die türkische Version stammt von Suat Sayin, einem samtstimmigen Sänger, der den Zenith seiner Phase in den 60ern und 70ern hatte und dafür bekannt war, dass er als einer der ersten arabeske Einflüsse in die türkische Klassik eingebracht hat.

Liedtext auf Türkisch:

Sakın bir söz söyleme
Yüzüme bakma sakın
Sesini duyan olur
Sana göz koyan olur

Düşmanımdır seni kim
Bulursa cana yakın
Annen bile okşasa
Benim bağrım kan olur

Dilerim tanrıdan ki
Sana açık kucaklar
Bir daha kapanmadan
Kara toprakla dolsun

Anmasınlar adını
candan anan dudaklar
Sana benim gözümle
Bakan gözler kör olsun

Übersetzung auf Deutsch:

Sei nur still und sag kein Wort!
blicke mir ja nicht ins Gesicht!
es kann sein, dass man dich hört
und ein Auge auf dich wirft.

Wenn mein Feind sich nach dir sehnt.
und eine Nähe zu dir spürt,
gar deine Mutter dich berührt,
mein Herz im Dunklen tief versinkt.

Ich bete oft zum Himmel hoch,
dass jeder dir offene Schoß
sich mit schwarzer Erde füllt
und sich niemals wieder schließt.

Den Lippen die dich von mir rufen
denen sei dein Name versagt.
Den Augen, die dich bei mir suchen
sei kein Licht bei Tag und Nacht!

Entsetzen in Deutschland

Ja wir sind entsetzt und beschämt. Deutschland schämt sich wieder. Das find ich gut! Das zeigt zumindest, dass das Schamgefühlt noch existiert. Sogar die Bild Zeitung ist empört. Ja schämt euch mal ihr Säcke! Ich schäme mich aus reiner Solidarität mit euch, obwohl ich bekennender Passdeutscher nur bin. Der sächsische Ministerpräsident Kretschmer hat ganz gut geredet bei der Pressemitteilung letztens. Er hat sein Volk in keinem Punkt geschont, die auf dem Rücken der Opfer betriebene rechtspopulistische Propaganda verurteilt und eindringlich auf die Gefahr von Rechts hingewiesen. Ich stimme mit ihm in fast allen Punkten überein. Nur in ein paaren nicht: Die Polizei hat vielleicht das beste gemacht, was sie in solcher Unterzahl hätte leisten können, aber gut vorbereitet war sie nicht. Nach all der Vorgeschichte, die das Bundesland Sachsen hinsichtlich rechtsextremistischer Gewalt schon vorzuweisen hat, nach all den Verfolgungsjagden, die sich auf der Straße nur ein Paar Tage vor dem letzten Riesenaufmarsch abgespielt haben, kann sich ein Polizeisprecher nicht damit rechtfertigen, dass man mit einer solchen Masse an rechten Demonstranten nicht gerechnet habe. Sorry, aber das ist leider der Job! Damit müsst Ihr rechnen. Wir rechnen schon seit Jahren ständig damit. Das schafft ihr schon auch. Außerdem wissen wir nur sehr genau, dass ihr das durchaus könnt, wenn ihr wollt!

Ich persönlich habe keine Lust mehr auf Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Co. Ja es sind schöne Bundesländer, aber ich fühle mich dort nicht wohl und solange ich nicht muss, fahre ich auch nicht hin. Ja es gibt No-Go-Areas für mich in Deutschland. Die meisten befinden sich in den sogenannten Neuen Deutschen Bundesländern. So wie mir geht es einigen aus meinem Umfeld. Ob mit Migrationsvordergrund, dunklerer Haut, oder ohne. Ist das nicht schade? Um’s einfach zu formulieren: „Da ist es mir zu Fascho“ und es gibt eine sehr traurige Vorgeschichte, die sich seit den 90ern bis in die jetzige Zeit weiterzieht.

Was Regierungsvertreter allerdings nicht gerne hören, ist der Vorwurf, man hätte bisher nicht genug gegen die Entwicklung von rechtsradikalen Netzwerken und der Verbreitung rechten Gedankenguts in Deutschland getan. Kretschmer äußert auch die Meinung, dass es jetzt nicht weiterhelfe, sich darüber zu streiten, wer mehr, oder weniger dagegen getan hätte. Im Klartext heißt das für mich, dass man sich immer noch einer kritischen Selbstanalyse verweigert.

Guten Morgen liebe Leute! Welche Hinweise braucht Ihr denn noch? In einigen Regionen im Osten Deutschlands bemächtigen sich rechte Strukturen so wichtiger Themen wie der Jugendarbeit, der Kinderbetreuung, der Familienarbeit und anderer sozialer Bereiche. Rechtsnational fokussierte Verlage übernehmen den Sektor der politischen Bildung. Rechte Musikveranstalter, Bands und Musikverlage drängen immer aufdringlicher in das Kultursegment, während Staat und Kommunen sich nicht trauen, Kultur- und Sozialetats mal deutlich nach oben zu korrigieren und neue, mittel- bis langfristig wirkende innovative Konzepte im Umgang mit rechtsradikalen Tendenzen in der jungen Bevölkerung einzuleiten, bestehende zu stärken und zu fördern.

Das staatliche Gewaltmonopol im verbalen Nachklang zu bemühen reicht alleine nicht aus! Erstens bezweifle ich es vehement, dass der Staat sein Gewaltmonopol gegen Rechts voll ausreizen wird. Und außerdem würde dies auch nicht viel helfen. Es braucht größere Etats und neue Konzepte im sozialen und kulturellen Bereich. Soziale Tätigkeiten und Berufe müssen wieder anständig bezahlt werden. Die Prioritäten in der Gesellschaft müssen anders gesetzt werden. Damals anfang der 90’er, nach Hoyerswerda, Rostock Lichtenhagen, Mölln, Solingen begnügte sich die Politik damit, mit einer härteren Einwanderungsregelung vor den rechten Forderungen einzuknicken. So konnten sich rechte Strukturen Kaskadenförmig aufeinander aufbauend weiterentwickeln. Nun sind wir soweit, dass der ganze NSU Komplex nicht korrekt aufgearbeitet werden kann, weil der Verfassungsschutz die Täter deckt und die Justiz die Tätergruppe wider besseren Wissens auf Einzeltäter reduziert. Der Rechtsstaat fürchtet sich vor seinen eigenen tiefen Abgründen und bevorzugt sie zuzuschaufeln und den Kopf in den Sand zu stecken.

Und jetzt? Jetzt kommt der nächste Arschtritt von Rechts und man ist schon wieder entsetzt, auf Grund der wiederholten Zerstörung seines rosaroten Traumbildes von sich selbst durch ostdeutsche, rechte Chaoten. Ja dann seid mal entsetzt und beschämt! Hässlich seid ihr obendrein. Ich persönlich würde mich freuen, wenn es diesmal nicht bei Entsetzen und Scham bleibt. Es braucht eine breit aufgestellte Agenda gegen Rechts, ein flächendeckendes sozialpolitisches Programm, sonst fliegt uns das rosarote Rechtstaatstheater hier sehr bald um die Ohren. Was soll denn das? Alle tun immer noch so, als wären das ein paar verirrte Wirrköpfe? Das sind stramm organisierte verfassungsfeindliche politische Netzwerkstrukturen, die bis in den Verfassungsschutz und den Polizeiapparat hineinreichen. Ja ja, ich übertreibe! Klar! Einen Scheißdreck übertreibe ich! Und das wißt Ihr alle eigentlich genauso gut wie ich. Nur wahr haben will man’s halt nicht. „Es ist doch noch so schön? wir befinden uns doch gerade erst wieder im wirtschaftlichen Aufschwung“.

Ja tun wir. Dann sollten wir gefälligst flächendeckend in langfristige sozialpolitische Bildungs- und Beschäftigungsprogramme für Ostdeutschland investieren, damit dieser Spuk mal ein Ende hat. Auf’s staatliche Gewaltmonopol würde ich mich da am allerwenigsten verlassen. Das hat noch nie wirklich geholfen. Außerdem sitzt genau in diesem Gewaltmonopol das faschistische Potenzial des Staates.