Die Königinnen und Könige von Palmyra

Ja, ja, die Sassaniden, das war ja so ein kriegerisches persisches Volk, das in der römisch-kaiserzeitlichen Antike den Römern ständig ärger machte. Im Jahr 260 n. Chr. nahmen sie sogar den römischen Kaiser Valerian als Geisel, töteten ihn, häuteten angeblich seine Haut und hängten sie – nachdem sie sie mit Zinnober gefärbt hatten – als Warnung in einem ihrer Tempel aus. Huiuiui!

Ruinen von Palmyra

Ruinen von Palmyra

Für die damaligen Verhältnisse war das mehr als spektakulär! Ihr Nachbar, König Odaenathus – seines Zeichens König von Palmyra – versuchte sich daraufhin den Sassaniden als Komplize anzubiedern, um sich an den von jenen eroberten Ländereien mitbereichern zu können. Die Sassaniden waren von ihrem alleinigen Herrschpotential jedoch anscheinend sehr überzeugt und lehnten dieses Gesuch kurzerhand ab.
Odaenathus erwies sich jedoch als ein hartnäckiger Geselle. Er wollte den Sassaniden partout nicht das Feld alleine überlassen. Ist ja auch klar: wer die Römer drangsaliert, macht irgendwann vor Palmyra auch nicht halt! Deswegen nahm er die einzige taktische Alternative in Anspruch, die ihm blieb: Er stellte sich auf die Seite der Römer. Das konnte er sich aber auch leisten, denn er hatte eine fette Armee, die er sich über die Jahre zusammengestellt hatte, denn Palmyra war zu der Zeit eine aufstrebende Handelsstadt, die als Oase und als Karawanenzentrum diente und mitten auf der Seidenstrasse Richtung Mesopotamien und Kleinasien lag. Das bedeutete natürlich einen Haufen Zaster, ist ja klar. Und diesen strategischen Vorteil wollte sich Odaenathus selbstredend vergolden lassen.

Also besiegte er kurzentschlossen die Sassaniden. Die Römer hingegen – wie von diesen miesen Halunken auch nicht anders zu erwarten – feierten ihn zunächst ab und überhäuften ihn mit Privilegien und Sonderrechten, Steuerbegünstigungen und puderten ihm noch ordentlich den Arsch, so dass der Mann vollkommen die Kontrolle über seine Hybris verlor und immer mehr und mehr forderte, was die Römer natürlich irgendwann zu nerven begann. Aber ich würde ihnen zutrauen, dass das auch ihre perfide Strategie war.

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Zenobia, Königin von Palmyra.

Ca. 10 Jahre lang hielten sie seine Faxen aus, aber dann war schicht im Schacht: Odaenathus verstarb aus „ungeklärten Gründen“ 267 n. Chr.. Aber die Römer hatten die Rechnung ohne seine Frau gemacht! Die liess nix anbrennen und übernahm quasi die Macht im Namen ihres unmündigen Sohnes und bot den Römern erst recht die Stirn. Sie schwang sich an die Spitze der Armee auf und eroberte ganz Mesopotamien und Teile von Kleinasien. Damit nicht genug: Sie ernannte sich zur Augusta und beanspruchte den Titel der oströmischen Kaiserin, als ebenbürtiger Konterpart zum weströmischen Kaiser. Sie war also noch ein Stück dreister, als einst ihr Mann und alle Sassaniden zusammen es vermocht hatten zu sein.

Mitlerweile war in Rom Kaiser Aurelian am Start und mit dem war auch nicht gerade gut Kirschenessen. Der Kaiser hatte schon die Goten, Juthungen, Markomannen und Vandalen in die Flucht geschlagen, dann kamen die Germanen wieder über die Alpen und führten sich auf, ne Revolte entsprang im Reich und er musste sich parallel noch gegen seine Gegenkaiser durchsetzen. Puuh! Ein Haufen Action! Aber Aurelian war wie gesagt ein harter Knochen und hat das alles ganz gut hingedeichselt.

Ja, und dann war’s 271 n. Chr. endgültig soweit. Mitlerweile war der Mann richtig heißgelaufen und knüpfte sich Zenobia und ihre Palmyrener vor. Die hat in der Folge zwar noch ein Jahr lang erfolgreich Gas gegeben und hat’s den Römern echt nicht leicht gemacht, aber im Endeffekt hat sie dann natürlich ordentlich eins auf die Mütze gekriegt, wurde einkassiert und nach Rom verschleppt. Was da aus ihr geworden ist, weiss leider keiner mehr genau. Das ist schade eigentlich. Es gibt nur Gerüchte: vom Tod im Kollosseum, bis hin zur Geliebten im Palast des Kaisers. Zenobia ging ein als eine der wenigen Frauen, die in der Antike als Herrscherin das Heft in die Hand genommen und die Römer zum schwitzen gebracht haben. Sie wird von der arabischen Intelligentia und von den Sekularisten als Symbolfigur der selbständigen arabischen Frau gefeiert. Für die Syrer – im besonderen für das Assad Regime – gilt sie als nationale Kultfigur.

Aber zurück zur Geschichte! Syrien wurde auf jeden Fall wieder römische Provinz. Die Bevölkerung machte dann noch ein paar Faxen, aber das hat auch nicht mehr viel geholfen. Eher brannten bei den Römern die Sicherungen nun erst recht durch und die Stadt wurde erstmal komplett zerstört.

Dann kamen irgendwann die Christen…dann die Moslems.

Hmmm. Na, ja!

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Max von Oppenheim zusammen mit einem Beduinenführer aus der Region um Tell Halaf (jetziger Irak).

Im 18. Jhd. entdeckten dann die europäischen Schöngeister die Ruinen und ab da war erstmal Holzschnitt- und Nobel-Tourismus angesagt. Die Moderne brachte dann den althistorischen und kulturwissenschaftlichen Anspruch und es wurde gegraben und gegraben und gegraben. Die gesamte arabische Halbinsel, Mesopotamien, Kleinasen – überall tummelten sich skurrile Gestalten, die im Auftrag ihrer Imperialmächte Archäologie und Spionage betrieben.

Die deutschen hatten ihren Max von Oppenheim, der das mesopotamische Tell Halaf entdeckte, deren teilweise monumentale Fundstücke dann im ersten Weltkrieg nach Berlin gebracht wurden, wo sie im 2. Weltkrieg dann zerstört wurden und deren Trümmer  in Kisten in einem Heizungsschacht vergessen wurden, bis sie dann nach der Wende tatsächlich wiederentdeckt wurden.

Gertrude Bell

Gertrude Bell

Die Briten beauftragten die Archäologin Gertrude Bell und T.E. Lawrence, in den Problemzonen Palästina, Jordanien, Syrien, Arabische Halbinsel irgendeine Form von Ordnung einzurichten. Die beiden ritten dann auf dem Kamelrücken durch die Wüste und richteten eine Menge Unfug an, dem wir heute noch fast sämtliche Unruhen in dieser Region Schulden.

Faisal und Lawrence

Prinz Faisal in Begleitung von britischen Offiziellen bei der Pariser Friedenskonferenz 1918. Gleich rechts hinter ihm: T.E. Lawrence.

Der ganze nahe Osten und der sogenannte Orient wurde damals immer interessanter, alleine aus strategischer Sicht, aber vor allem wegen der reichen Ölvorkommen. Die sozialen und gesellschaftlichen Strukturen waren aber alles andere als übersichtlich, denn es lebten dort viele kriegerische, rivalisierende – meist muslimische – Stämme, die schwer unter einen Hut zu bringen waren.

Das Ziel der Imperialen Mächte war es damals also, eine Lösung zu finden, mit der man die gesamte Region leichter kontrollieren konnte. Man brauchte einen mächtigen Partner, der natürlich auch Moslem sein musste und auf den in der Region „alle“ hörten. Mit Betonung auf „alle“, denn in der imperialen Phantasie waren all diese Völker trotz ihrer Diversitäten in ihrer „Fremdheit“ nämlich eine Einheit, also auch einheitlich zu beherrschen. Das war der imperiale Traum, der sich natürlich nie bewahrheitete und die Region in ein Trauma getrieben hat, das bis heute noch andauert.
Die deutschen kooperierten mit dem Osmanischen Reich und liessen den Dschihad gegen die Alliierten ausrufen. Die Engländer hingegen intrigierten geschickt und versuchten durch die Schlüsselfiguren Gertrude Bell und Lawrence ein neues gemeinschaftliches Identitätsbewusstsein unter den arabischen Stämmen zu etablieren, dass seine Kraft vor allem aus der Opposition gegen das verhasste Osmanische Reich nahm.

Sie versprachen dem haschamitischen Prinzen Faisal ein Königreich auf der saudischen Halbinsel, das die heiligen Stätten in Mekka, ganz Syrien und Palästina beinhaltete. Mit diesem Versprechen gewannen sie den Kampf um diesen hochbegehrten imperialen Günstling, um den sich schon seit längerem auch Max von Oppenheim im Auftrag der Deutschen bemühte. Während sie dies taten fand jedoch eine Geheimabmachung zwischen den Franzosen und den Engländern statt, die für den Fall der siegreichen Beendigung des 1 Weltkrieges eine ganz andere Aufteilung vorsah: nämlich ohne jegliche Beteiligung von lokalen muslimischen Stämmen. Max von Oppenheim hatte den Kampf um Faisal verloren, aber versuchte noch verzweifelt die Stämme in der Region gegen „die Feinde“ zu „revolutionieren“. Vergebens! Die Engländer waren einfach die besseren Taschenspieler.

Und so kam es dann, dass das besagte geheime Abkommen, mit dem Namen Sykes-Picot, 1916 vereinbart und nach dem Ende des Krieges mit der Pariser Friedenskonferenz abgesegnet wurde. In Syrien setzten die Franzosen ihre kolonialen Pläne durch und Prinz Faisal konnte sich die hohle Hand lecken. Die gute Gertrude Bell und Lawrence von Arabien waren brüskiert durch ihre eigene Imperialmacht.
Gertrude war aber fest entschlossen ihren Prinzen doch noch zu hohen Würden kommen zu lassen und schaffte es tatsächlich, den Staat Irak in Mesopotamien zu inszenieren und 1920 dann schlussendlich ihren sunnitischen Lieblingsprinzen Faisal in einem vorwiegend von Schiiten bewohnten Irak als König einzusetzen. Für alle, die das schon lange interessiert hat: Das ist der hauptsächliche Grund dafür, warum im Irak seitdem fast ein jahrhundert lang eine sunnitische Minderheit über eine schiitische Mehrheit geherrscht hat.

Gertrude Bell, Max von Oppenheim, Lawrence von Arabien wurden in der Zeit danach als große Helden des Orients gefeiert. Filme wurden gedreht, Bücher geschrieben. Gertrude ist in die Geschichte eingegangen als „Queen of the Desert“ und Lawrence’s Leben wurde ja bekanntlich mit Prominenter Besetzung verfilmt. Max von Oppenheim’s Popularität begrenzte sich da eher auf Deutschland, aber er hatte ja auch für die Verlierer gekämpft. Selber Schuld!

Khaled al-Asaad

Khaled al-Asaad

Aber kommen wir zurück zu Palmyra: Unter all den verschiedenen Archäologen bemühte sich einer besonders für die alte Metropole: Khaled Al Asaad. 40 Jahre lang war er Leiter der archäologischen Stätte, bis er dann im August 2015 von der DAESH gefoltert und dann geköpft wurde. Seinen Leichnam hängten diese Irren an eine zentrale Wegkreuzung im Ort und liessen ihn erstmal hängen. Angeblich hatte sich Asaad geweigert, die DAESH-Milizen zu vermeintlich noch begraben liegenden Schätzen zu führen.

Khaled al Asaad wurde in Palmyra geboren, verbrachte die meiste Zeit seines Lebens dort und starb auch an diesem Ort. Er rettete bis zum letzten Moment Kulturgüter und weigerte sich strikt, den Ort zu verlassen, obwohl er genau wußte, dass er unter Lebensgefahr stand. Vielleicht war er der wahre König von Palmyra?

Tanzende Heuballenderwische verursachen Panik zur Eröffnung des neuen Gotthard-Tunnels!

Der Gotthard-Tunnel wurde eröffent. Es gab dazu wohl auf der Schweizer Seite eine relativ aufwendige Eröffnungsshow mit Getanze, Musik und Kostümen und so. Das ganze war anscheinend richtig bombastisch, was so einige schweizer Oppositionsplitikerinnen und -politiker von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) ziemlich aufgeregt hat. Ist ja auch verständlich! Da werden Unmengen Steuergelder in den Wind geschossen und verprasst. Was könnte man damit nicht alles machen? Grundeinkommen finanzieren zum Beispiel!

…Ach, ja – das wollte man ja wiederum nicht so unbedingt. Ja Wurscht.

Auf jeden Fall regte sich da wohl eine Abgeordnete über Tänzer auf, die in Heukostümen rumgehüpft sind, weil sie die für tanzende Derwische des islamisch-sufistischen Mevlana-Ordens gehalten hat! Zur Eröffnung des St. Gotthart-Tunnels! What the fuck?

Diese, das hatte die SVP-Politikerin angeblich in der Enzyklopädie des Islam nachgelesen, stünden „für eine Form der Annäherung zu Allah“ und das wiederum würde die Grundwerte der Schweiz unterwandern, ja „verraten“.

Meine Fresse!

Anstatt sich über die unsinnige Verschwendung aufzuregen, gings ihr um diese tanzenden Heuballen. Bei denen handelte es sich aber mitnichten um Derwische, sondern um Fabelwesen und Gestalten aus der Alpenkultur. Sie waren Figuren aus einer Sage aus dem Urnerland, wonach der Teufel auf der Jagd nach einer menschlichen Seele mit einem Ziegenbock überlistet worden war. Und die Heuballen spielen dabei wohl eher eine untergeordnete Rolle.

Dies geht wiederum aus einer schriftlichen Antwort des Bundesrates hervor, die dieser nach all den Beschuldigungen zu veröffentlichen genötigt sah (http://www.sueddeutsche.de/panorama/schweiz-islamische-symbolik-nein-tanzende-heuhaufen-1.3023623).

ja, was soll ich sagen? Das ist keine Satire! Das ist Alltag Leute! Ich weiss auch nicht, wie das kommen konnte? Eigentlich kennt diese Gestalten doch jedes Kleinkind von diversen Winteraustreibungen und Festumzügen, verdammt nochmal? Und die Frau ist schweizer Abgeordnete. Ich mein: die kenn ja sogar ich mit meinem Kanackenhintergrund seit meiner Kindheit. So groß ist die Schweiz jetzt doch auch nicht? Da kann man sich doch mit ein Paar regionalen Kulturbräuchen mal beschäftigen, oder? Erst recht, wenn man von sich selber behauptet, man wäre Vertreterin einer nicht unbedingt „dezent“ national orientierten Volkspartei?

Und überhaupt! Wo denkt die gute Frau hin? Welcher Schweizer mit gesundem Menschenverstand würde überhaupt auch nur im Ansatz daran zu denken wagen, tanzende Derwische zur Eröffnung des Gotthard-Tunnels zu engagieren? Also tanzende Derwische? Ich bitte euch! Tanzende Derwische entstammen doch direkt den Abgründen der Hölle und bringen nur Leid und Verderben in die Welt. Das sind doch Terroristen? Das weiss doch jeder? Und was haben tanzende Derwische bitte überhaupt mit dem Gotthard-Tunnel zu tun? Das ist doch eine abgrundtiefe Schande! Was sind das für Phantasien, frag ich mich?

Auf sowas kommt doch nur eine Vaterlandsverräterin. Also müsste man eigentlich die Anonymität dieser Abgeordneten aufheben und sie dann verklagen!

P.S.: hab mir gerade ein Paar Mitschnitte von der besagten Eröffnungsperformance angesehen. Ja…ist schon ziemlich Scheisse gemacht. Es gibt sogar Kommentare, die den Organisatoren Satansverehrung vorwerfen. Also übertreiben muss man’s ja nicht: es ist einfach nur teuer und schlecht, aber Satan? Jetzt coolt mal runter Leute! Abgesehen davon: Tanzende Derwische wären ja schlimmer als Satan sogar, ne? Ist halt schade um’s Geld, aber das ist ja auch Satan’s Werk, insofern hat sich zumindest irgeneiner was dabei gedacht? Satan?

Der Räuber und der Prinz (Henry Ford und Adolf Hitler)

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In den USA wurden schon einige große Mythen geschrieben, in Deutschland auch. Der wohl größte Mythos dieser Zeit bietet sich natürlich mit der Geschichte jenes rätselhaften Mannes an, dessen Erfolg buchstäblich aus dem Nichts zu kommen schien und die Weltgeschichte auf den Kopf stellte. Adolf Hitler! Ich weiß, viele haben auf den Käse keinen Bock mehr, aber was ich euch erzählen werde, das ist wirklich spannend. Deswegen lest mal weiter und verdreht nicht gleich die Augen. Würde mich ja interessieren, ob sich Infos dazu im neuen NS Dokumentationszentrum an der Briennerstraße finden lassen?
Mich hat’s ja schon immer gewundert, dass hierzulande der Erfolg vom Adolf immer so mystifiziert und verklärt wurde. Da hieß es immer: brillianter Rhetoriker, ein Rattenfänger, etc.. Man sprach sogar von einem gewissen „Charisma“. Ich dachte mir immer: „Welches Charisma? Das war ein hässlicher Irrer und ein Riesenarschloch, das ein Buch über Rassentheorie im Kinderjargon geschrieben hat, ein größenwahnsinniger Choleriker, den man „komischerweise“ hat gewähren lassen, aber wenn die Deutschen eine so geartete Definition von Charisma haben, dann wird das wohl für sie schon stimmen, mei“.
Klar konnte der was: Er konnte klasse mit dem Seitenscheitel wackeln, während er ins Mikro schrie und knallrot anlief. Was sein Charisma enorm unterstrich, das war meiner Meinung nach die abruppt zurückschnellende Kopfbewegung nach einem lange anschwellenden und in einem Exzess aus Spucke und Geschrei endenden cholerischen Ausbruch und der darauf folgende Strich mit der glatten Hand über sein Haupt, um seine Haare wieder in Ordnung zu bringen. Und wie er dabei tief Luft holend die Augenlider zuklappte, um mit frischem Atem, bedacht gesenkter Stimmlage,  demütig geneigtem Kopf und Hundeblick erneut zu einer Tirade anzusetzen, die innerhalb von 4-5 Sätzen in einem weiteren rhetorischen Feuerwerk aus sinnentleertem Brüllmüll kulminierte. Ein Naturtalent an Redner, der das Volk einfach verzauberte? Es wäre im nachhinein natürlich traurig, so etwas anerkennen zu müssen, aber man hätte es einfach mit einem teuflischen Verführer zu tun gehabt? Wer hätte da noch widerstehen können? Ach, ach!
Ich fragte mich immer: „Sag mal….das kanns doch nicht gewesen sein? Da muss es doch noch etwas gegeben haben, was ihm seinen Arsch sicherte! Sein verschissenes „nur die deutschen finden so was geil“-Charisma war’s doch nicht allein, oder? Sooo doof und armselig waren die Deutschen doch nicht? Vor allem wie doof sind sie denn jetzt noch, wenn sie nach all den Jahren immer noch an diesen rätselhaften Mythos des unerklärlichen Aufstiegs glauben?
Oder waren sie wirklich einfach nur hohl? ….Ja, ok waren sie wohl doch und auch noch schweineeitel dazu, gekränkt durch die zerbrochenen Kolonialträume, durch die Schmach des verlorenen 1. Weltkriegs, die Wirtschaftskrise, heul, heul. Sind sie ja eigentlich immer noch irgenwie. Aber das alleine reicht doch nicht, um diesen völligen Irrsinn möglich zu machen?
Es braucht auch Mittel und Möglichkeiten! Wer hat denn das ganze finanziert? Die SA, die Uniformen, die Aufmärsche, die Turboaufrüstung und den ganzen Klimbim? Das kost‘ doch’n Haufen Asche? Ja erzähl mir doch nix, komm!
Tatsächlich tauchten ja über die Jahre immer wieder hier und da Artikel über die internationalen Unterstützer und Kapitalgeber der Nazis auf. Nie hatte ich so richtig die Zeit, mich damit zu befassen, hatte auch wenig Lust drauf ehrlich gesagt, genauso, wie ihr jetzt. Aber als in einer kurzen Doku, die ich im Internet letztens fand, der Name „Ford“ fiel, wollte ich’s dann schon mal wissen. Ganz banal halt!
Nach kurzer Recherche fand ich nun Quellen, die von der Öffentlichkeit wohl eher mit geringer Aufmerksamkeit bedacht werden und ein bescheidenes Spezialarchivdasein führen. Diese boten mir das, was ich in all den großen spektakulären Dokus, Medienbeiträgen und Reportagen nicht fand: einleuchtende Antworten, statt verzweifelte Fragen! Und irgendwann wurde mir auch bewusst, warum diese Antworten nicht breit gestreut wurden: „Weil das wohl einigen Leuten ganz schön die Laune versauen würde und zwar noch viel mehr, als sie eh schon ist, wenn das Holocaust-Thema aufkommt“.
Na ja, stellt euch mal vor: da lässt man sich von den Alliierten nach dem 2. Weltkrieg schön befreien, kriegt ’nen Marshall-Plan verpaßt, baut sich innerhalb von ein Paar Jahrzehnten wieder alles von neuem auf, erlebt ein Wirtschaftswunder vom andern Stern, entwickelt ein neues Selbstbewusstsein, hat ne tolle Nationalmannschaft und muss sich dann anhören, dass man sowohl die ganze Misere, als auch die Befreiung davon, ein und denselben Leuten zu verdanken hat! Zum Beispiel so Leuten, wie Henry Ford! Ja ihr lest richtig!
Und da wären wir jetzt bei einem großen Mythos der USA angelangt, der direkte Zusammenhänge zu diesem oben erläuterten großen deutschen Mythos aufweist. Henry Ford kam ja aus ganz ärmlichen Verhältnissen. Er stammte aus einer Familie mit 6 Kindern, was dazu führte, dass er nur eine geringe Bildung erhalten konnte. Aber sein Interesse an mechanischen Vorgängen und sein persönliches Talent verhalfen ihm zu seiner einzigartigen Karriere. Er war der Mann, dem die Menschheit das erste serienmäßig hergestellte Automobil zu verdanken hat. Den Rest der Story kennt man ja.
Was ich aber nicht wusste, ist die Tatsache, dass der Mann ein bekennender Antisemit war und anders krass auf unseren Adolf abfuhr. Ja, er hatte sogar ein Buch geschrieben mit dem illustren Titel: „Der internationale Jude – ein Weltproblem“ (s. Anm. u.). Und jetzt kommt’s: Zu just einem Zeitpunkt, als die Bewegung vom Adolf nach ersten furiosen Anfangserfolgen und einem aufgebauschten Hype schon massiv an Zuspruch zu verlieren schien, nämlich noch vor dem Feldherrnhallenputsch 1923 – also mit heutigem Marketingvokabular formuliert: „in einer äußerst kritischen und entscheidenden Phase der Produktplatzierung“ -, sprang unser amerikanischer Industriegott seinem Nazi-Liebling helfend zur Seite. Im Jahr 1922 richtete er seinem Zögling ein geräumiges Hauptquartier in München ein und ermöglichte ihm seinen ersten schönen Aufmarsch. Ab da spendete er ihm jährlich zu Führers Geburtstag 50.000 Reichsmark – sozusagen als Birthdaypresent. Dafür wurde er noch Jahre später mit den höchsten Ehren versehen, die ein Ausländer in Deutschland empfangen konnte, nämlich mit dem „Großkreuz des Deutschen Adlerordens“ und zwar im August 1938. Ein Portrait des amerikanischen Industriellen hing lange Jahre auch in Führers Arbeitszimmer in dessen Hauptquartier.
Dabei blieb es aber noch lange nicht! Bei Wolfgang Zdral lesen wir des weiteren: „Die Ford Motor Company war beteiligt am Aufbau der deutschen Streitkräfte vor dem Zweiten Weltkrieg. 1938 wurde beispielsweise ein Fertigungswerk in Berlin in Betrieb genommen, dessen einzige Aufgabe es war, LKWs für die deutsche Wehrmacht herzustellen. Ford produzierte insgesamt 78.000 LKW und 14.000 Kettenfahrzeuge für die Wehrmacht. Die europäischen Ford-Werke wurden bis Ende 1944 von der alliierten Bombardierung verschont und dann auch nur wenig beschädigt. In den deutschen Ford-Werken wurden auch Zwangsarbeiter eingesetzt, die man für vier Reichsmark pro Tag von der SS auslieh“ (Quelle s. Anm. 2).
Der Konzern war im Krieg durchgehend an den Rüstungsunternehmungen des Naziregimes beteiligt und machte auch noch satte Gewinne, während Henry Ford’s geliebtes Vaterland genau mit diesem Regime im Kriegsverhältnis stand. Im Jahr 1941 ist ein Profit im Deutschlandgeschäft von Ford in der Höhe von 58,000,000 Francs vermerkt. Dies geht aus einem Dialog des Frankreichchefs von Ford mit dem Sohn von Henry Ford, Edsel Ford, hervor. In Europa gab es Ford Werke in Amsterdam, Antwerpen, Paris/Poissy, Budapest, Bukarest, und Kopenhagen. Bei flächendeckenden Bombardements wurden diese – wie Zdral schon vermerkte – von der US Air Force geschont. Es gab aber eine Ausnahme, nämlich 1942. Da wurde das Werk in Poissy in Frankreich getroffen und stark beschädigt. Ford erhielt im Nachhinein 38 Millionen Francs Schadenersatz von der Vichy-Regierung. Die Bombardierung erschien in den amerikanischen Nachrichten. Es wurde jedoch verschwiegen, dass es sich um ein Ford-Werk handelte. Auch von den Reparationszahlungen erfuhr die amerikanische Öffentlichkeit nichts.
Ja vielleicht weiss ja der eine oder die andere das alles schon, aber ich dachte mir, es könnte nicht schaden, das hier noch einmal auf zu tischen, wenn wir schon beim Thema Wahrheit sind. Diese Fakten würden eigentlich auch schön in den Geschichtsunterricht passen, nicht wahr? Statt dessen müssen wir sie mühsam aus tausenden Quellen der Spezialliteratur zusammen suchen. Das würde den Kindern doch den Erfolg der Nazis ganz gut nahe bringen? Was muss man da so dämlich rum-mystifizieren? Ein größenwahnsinniger Vollidiot hat mit seinen dämlichen Phantastereien bei anderen größenwahnsinnigen reichen und mächtigen Gierhälsen Zuspruch gefunden und konnte seine perverse Mordlust mal ordentlich ausleben – hochsubventioniert und vor den Augen der Weltöffentlichkeit! Zumal er dabei seinem Antisemitismus freien lauf ließ und damit vielleicht auch einigen anderen mächtigen Rassisten und Antisemiten einen großen Gefallen tat. Außerdem verschaffte er seinen internationalen Mäzenen dadurch große Profite und auch äußerst günstige Arbeitskräfte (bei fast 3 Millionen internierten Häftlingen ging da schon einiges).
Und die Story geht weiter: Ford war seit 1928 an I.G. Farben beteiligt, der Firma, die das sagenumwobene Zyklon B produzierte und auch sonst am Rüstungsaufbau der Wehrmacht gut beteiligt war. 40 Prozent der Ford Motor A.G. Deutschland wurde durch I.G. Farben aufgekauft. Carl Bosch von I.G. Farben wurde Konzernchef von Ford Motor A.G. Deutschland. Gleichzeitig wurde in den USA Edsel Ford Vorstandsvorsitzender der amerikanischen I.G. Farben.
Das hört sich doch mal lecker an? Also mir kommt’s gerade derbe hoch, wenn ich an den schönen Ford denke, mit dem wir damals immer über den Autoput zu unser Familie nach Istanbul und ans Schwarze Meer gefahren sind. Das war so ein schöner Ford Transit, weiß-grün gestreift, hinten mit Doppelreifen, etwas länger vom Maß als normal, umgebaut zum Wohnmobil mit aufklappbarem Dachteil und voll ausgestattet mit Herd, Tisch, Bett, Heizung, Gas, etc. p.p.. Was haben wir da drinnen Köfte gebraten. Alter! Den hab ich geliebt, den Ford Transit! Wenn mein Sozialistenvater das alles nur gewusst hätte!!
Aber noch ist nicht schluß, da geht’s noch weiter mit wohlhabenden jüdischen Familien wie den Warburgs und den Oppenheims, die es sich nicht nehmen liessen, mit den Nazis Geschäfte zu machen. Die setzten sich im Dienste des Profits einfach über ihr Gewissen hinweg und nahmen die Vernichtung ihres eigenen Volkes in kauf. Dann die anderen großen internationalen Firmen: Standard Oil hat die deutschen Messerschmidts über die neutrale Schweiz mit einem bleihaltigen Treibstoffzusatz versorgt, der für den Betrieb der Kriegsflugzeuge dringend notwendig war. Prinz Bernhard zur Lippe-Biesterfeld, seines Zeichens niederländischer Königinnengemahl und Vater von Königin Beatrix, war Mitglied der holländischen Nazipartei „Nationaal-Socialistische Beweging in Nederland“ (NSB) und versorgte die deutschen Flieger über die niederländische Firma Shell mit Treibstoff. Das heisst – im Grunde hätten die deutschen Luftangriffe zu jeder Zeit leicht gestoppt werden können, wenn der Wille da gewesen wäre. Kurzum: die Nazi Kriegsmaschine war ein US-amerikanisches Megageschäft und die Rockefellers schäffelten da auch irgendwo fleissig mit rum. Die Amerikaner haben den Nazis sogar Coca-Cola verkauft. Die deutschen Messerschmidtpiloten banden in der nordafrikanischen Wüste mit Handtüchern umwickelte Cola-Flaschen unter die Tragflächen, flogen damit auf eine Höhe, in der die Handtücher gefroren, kamen wieder zurück und gönnten sich einen eiskalten Schluck Coca-Cola mitten in der Wüste! Man stelle sich das mal vor!

So jetz‘ is mir Speiübel. Mein lieber Herr Krabbenzuchtverein! Das glaubt mir eh wieder keiner: „Mimimi Verschwörungstheoretiker mimimi“. Dabei gibt’s da noch ganz andere Stories noch mit General Motors, und und und. Buäh Pfuidaiwi!

Quellen:
1. Antony C. Stutton, Wallstreet and the rise of Hitler (1976, 1999) , Online-Version: http://www.voltairenet.org/IMG/pdf/Sutton_Wall_Street_and_Hitler-5.pdf

2. Wolfgang Zdral, „Der bezahlte Aufstieg des Adolf H.“, Wien: Ueberreuter, ©2002), Online-Version: http://sauber.50webs.com/kapital/

3. Zu Henry Ford’s literarischem Machwerk s.: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_internationale_Jude

Weitere Quellen findet ihr in den angegebenen Links.

Veröffentlicht im Gaudiblatt #24 Wahrheit, Juni 2016.

Wen zum Teufel interessiert eigentlich das Bernsteinzimmer?

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Bernsteinzimmer

Jetzt stelle man sich mal vor, das Bernsteinzimmer würde gefunden werden. Irgendwo in Polen in einem bisher unentdeckt gebliebenen Nazibunker. Ich sag nur soviel: Preußenkönig Friedrich Wilhelm I hatte es dem Zaren Peter dem Großen 1716 geschenkt und die grießgrämigen Nazis haben es im Zarenpalast Zarskoye Selo 1941 wieder demontiert und zurück in die Heimat verfrachtet, wo die gesamte Ausstattung des Zimmers dann nach Kriegsende verloren ging.
Ich kann mich noch erinnern, als ich in den 90ern auf einer Exkursion in Russland die Gelegenheit hatte, den Zarenpalast zu besuchen und wirklich zutiefst in meiner deutschen Seele getroffen war, als ich diese billigen Imitate an den Wänden des Zimmers sah, das früher so prunkvoll ausgestattet war.
Wie weit das alles doch jetzt ist? Bernstein, König Friedrich, Zar Peter, die Nazis und der ganze Muckefuck? Bernstein ist ja wunderschön, aber eingebaut in diese riesigen Tafeln in so ein überladenes Barockensemble? Das sieht doch scheisse aus, ganz ehrlich, als ob das Zimmer mit Kacke und Gold eingeschmiert wär und zwischen drin so Büsten auf Sockeln und güldene Leuchten und so’n kram. Wer braucht denn den Schmarrn ganz ehrlich? Das wollt ich nur mal gesagt haben, auch wenn das gerade nicht viele interessiert. Wie bin ich jetzt drauf gekommen? Ach ja. Alle reden über Frauke Petry gerade, da dachte ich mir, ich mach mal ein anderes Fass auf. Is in die Hose gegangen ok.

Apropos Frauke Dingsda. Die hat ja jetzt in München im Hofbräukeller gesprochen und der Wirt wollte in letzter Minute absagen. Alle fanden den Wirt ganz toll, weil man ihm gleich Zivilcourage andichten wollte. Dabei war der alles andere als mutig. Mit Frauke und der AFD hat der wohl am geringsten Probleme gehabt, sonst hätte er ja Ende April nicht einen Vertrag mit denen unterzeichnet? Der hatte tatsächlich – nach eigener Aussage – Anst vor gewaltbereiten Gegendemonstranten! Das nur zur Info. Mehr will ich dazu nicht sagen, weil ich’s so richtig nebensächlich finde. Ich boykottiere den Laden schon seit langem und das rate ich auch sonst jedem/r.

Aber im Zuge der Promotour von Fraukelein gab es tatsächlich einen Vorfall in Landau, der mich wirklich überrascht hat, nachdem ich ja in einem meiner letzten Einträge, Landau als potentiellen Aufenthaltsort mindestens eines Sonderexemplares von niederbayerischen Hurensöhnen gedisst hatte (s. http://blog.triptown.de/?p=1241): Frauke hat also auch in Landau gesprochen und wurde tatsächlich mit frechen Anti-AFD-Flyern konfrontiert. Empört wandte sie sich vor ihrer Rede an die Hörerschaft im Saal und forderte die Urheber der Flugblätter auf, sich persönlich dazu zu äußern. Nach anfänglichem zögern, traten dann ein paar Schülerinnen und Schüler vor, erhielten von ihr das Mikrophon und ließen anscheinend Statements ab, die inhaltlich den geistigen Horizont von dear Frauke so sehr überforderten, dass sie die Jungs und Mädels kurzerhand von ihrer Security rausschmeissen liess. Also freue ich mich nun, berichten zu können, dass es in Landau mindestens 5 richtig coole arschtighte Kids gibt, die Grips in der Birne haben und das Herz am rechten Fleck! Big Up! (http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_dingolfing_landau/2074438_Petry-in-Niederbayern-Landauer-Schueler-bieten-AfD-Chefin-die-Stirn.html).

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40 Tage des Musa Dagh von Nuran David Calis im Residenztheater München 2016

Zu guter letzt möchte ich noch ein Theaterstück ansprechen, zu dessen Premiere im Residenztheater München ich mich befand: „Die 40 Tage des Musa Dagh“ – eine mutige Bühnenadaptation des gleichnamigen Romans von Franz Werfel aus dem Jahr 1932, inszeniert von Nuran David Calis, dem es erfreulicherweise weniger darum ging, die bedrückende und gleichzeitgig epische Geschichte in einem dramatischen Theatermarathon auf die Bühne zu bringen, als die tatsächlich relevanten Fragen, die uns heute – nach einem geschlagenen Jahrhundert – immer noch plagen und uns an ihren Antworten zweifeln lassen. Der Regisseur wagt trotzdem den müßigen Schritt und lässt seine Darstellerinnen und Darsteller sich zu eben diesen Antworten hinarbeiten. Was am Anfang die Befürchtung hochkommen lässt, in Wiederholungsschleifen von mühsamen Monologen auszuarten, die ewig und immer wieder auftauchenden Themen erneut aufzuwärmen und so dem eh schon niedergeschlagenen Gewissen des Besuchers aufzutischen, entpuppt sich durch einen genialen Geniestreich als eine Erleuchtung: die beiden Hauptprotagonisten sind tatsächlich armenischer () und türkischer Abstammung () und tatsächlich haben beide Familiengeschichten, die von ethnischer Repression und Verfolgung durch die jeweils andere Dominanzkultur geprägt sind.
Ismail Deniz stammt von einer Familie aus dem nordostanatolischen Erzurum. Seine Grosseltern wurden damals durch armenische Truppen, die sich mit den Russen solidarisierten, aus ihrem Dorf getrieben. Daron Yates stammt von einer armenischen Familie aus Anatolien ab, die ebenfalls – so wie viele – einer Verfolgung unterlegen ist. Durch das effektive Zusammenspiel von gut ausgewählten historischen Zitaten, die auch die Beteiligung der deutschen und alliierten Militärs und Politiker an diesem Völkermord deutlich machen und nachgespielten Szenen aus Werfels Buch – alles übrigens auch eindrucksvoll schauspielerisch gespielt und dargeboten durch die übrigen Darstellerinnen und Darsteller -, entfaltet sich ein Erzählstrang, der dem Zuschauer, nach all der Verwirrung der verschiedensten Perspektiven die Möglichkeit eröffnet, übergreifende Empathie zu spüren, ohne ihn nur in eine Deutungsformel einzuengen.
Nuran David Calis ist sich anscheinend der vielen verschiedenen Perspektiven auf dieses schwierige Thema bewusst und hat diese auch zutiefst verinnerlicht, was auch seiner eigenen türkisch-armenischen Biographie geschuldet sein mag. Mit diesem Stück schafft er es nun tatsächlich, durch Nutzung einer schlanken Datendurchsetzung und dem sparsamem Einsatz von pathetischer Dramatik, das wesentliche im tiefen inneren unseres menschlichen Wesens anzusprechen. Er beweist damit, dass uns nichts übrigbleibt, als mit all unserer Kreativität und Aufrichtigkeit immer wieder an diese schweren und erdrückenden Inhalte zu wagen, ja dass sich dies auch lohnt und dankbar aufgenommen wird, wenn man sich nur der richtigen Methoden bedient und sich die Freude am Erzählen nicht nehmen lässt. Die Karten sollen für die bisher ausgeschriebenen Vorstellungen schon Ausverkauft sein. Das schreit wohl nach weiteren Terminen?

Darstellerinnen und Darsteller:
Ismail Deniz
Friederike Ott
Michaela Steiger
Simon Werdelis
Daron Yates
Bijan Zamani

Regie: Nuran David Calis
Bühne: Irina Schicketanz
Kostüme: Amélie von Bülow
Musik: Vivan Bhatti
Licht: Uwe Grünewald
Dramaturgie: Angela Obst

Interessant: mindestens ein Exemplar einer Sonderspezies der Bayern in Landau entdeckt!

Also hier lustige Geschichte:
Ihr kennt hoffentlich alle die Band „Unterbiberger Hofmusik„? Wenn nicht, dann würde ich sie euch gerne nahelegen. Diese bayerische Volksmusikcombo besteht in ihrem Kern aus der Familie Himpsl mit Papa, Mama, den drei Söhnen und im weiteren aus Musikern aus dem engeren Umkreis der Freunde der Familie.

Franz Himpsl, der Papa und Bandleader (so wie sich das bei richtigen Bayern gehört), ist seit längerem mein enger Freund. Franz interessiert sich schon seit langem für türkische Musik und lernt auch schon seit Jahren Türkisch. Natürlich haben die Unterbiberger auch eine große Bandbreite an türkischer Musik in ihrem Repertoire. Sie geben sich ausserordentlich Mühe mit dem Liedgut und spielen die Stücke mit viel Liebe und Herzblut. Das zeichnet sie aus. Dafür sind sie bekannt und haben auch schon so einige Preise eingeheimst.
Der Franz und ich, wir mailen des öfteren auf türkisch und bayrisch hin- und her. Ich lerne von ihm so einige bayrische Floskeln. Dafür Versorge ich ihn mit Grundkenntnissen im Türkischen. Dabei achten wir beide besonders auf Rechtschreibung, Satzbau und korrekte Inhalte, damit der effektive Lerneffekt möglichst gewahrt bleibt.
Jetzt habe ich aber letztens eine Mail von ihm erhalten, die mich ziemlich schockiert hat. Im Anhang der Mail befand sich die Abbildung eines mit Schreibmaschine verfassten Beschwerdebriefes eines „ehemaligen Fans“ der Unterbiberger (adressiert aus Landau), der sich darüber echauffierte, dass die Band diesmal bei einem Konzert in Landshut zu viele türkische Lieder gespielt habe. Das wäre nicht gut, denn wenn man sich in Bayern mal umhören würde, dann würde man ziemlich schnell merken, dass die Bayern die Türken gar nicht gerne mögen und dass er deswegen die Unterbiberger nicht mehr favorisiere, auf keine Konzerte mehr kommen werde und den Newsletter abbestellen werde.
Daraufhin dachte ich mir: „der arme Franz. Ich muß dem was Aufmunterndes schicken“ und ich verband diese Aufmunterungsaktion mit einem ausgeweiteten Türkischkurs. Ich fand, die Zeit war jetzt reif, um Franz mit den höheren Weihen der türkischen Sprache bekannt zu machen.
So schrieb ich folgende Zeilen in der Hoffnung, Franz würde sich an der Übersetzung einer etwas ausgefalleneren Textpassage erfreuen: „Aaaaa! çok ilginç bir keşif: demek ki Landau’da en az bir bavyeralı orospu çocuĝu varmış! Onu da Allahın izni ile Tayyip Erdoĝan siksin!„, was soviel heisst wie: „Aaaaah, sehr interessante Entdeckung! Es gibt also in Landau mindestens einen bayerischen Hurensohn! Den möge doch – so Gott will – Tayyip Erdoĝan ficken!
Natürlich war das nicht für die Öffentlichkeit gedacht, aber der Franz hat wohl – nachdem er die türkischen Zeilen leicht überflogen hatte – sich gedacht: „Ah das ist sicher ne coole Antwort vom Triptonious Coltrane und hat das Ding tatsächlich an seinen türkischsprachigen Mailverteiler weitergeleitet (mit meiner Namensangabe im Zitat).
Nun hängt ja mein Ruf in der seriösen türkischen Community eh schon tief genug. Da kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie weit derselbige dadurch noch weiter gesunken ist.
Aber Wurscht. Jetzt weiss mein lieber Franz zumindest, was Hurensohn und ficken auf türkisch heissen. Den Landauer Nuttenbengel hab ich schon bei der türkischen Botschaft denunziert. Dem wird das Maschinenschreiben vergehen, wenn erstmal Visafreiheit herrscht, mein lieber Schorli! Aber wer weiss: vielleicht kümmert sich ja in vorauseilender Sorge die Bundeskanzlerin persönlich um ihn?

Weitere empfehlenswerte bayrische Bands:
– Da Ding (http://www.da-ding.de)
– Koflgschroa (http://www.kofelgschroa.by)
– Zwoasta (http://www.zwoastoa.de/).

Das sind meine bayrischen Lieblingsbands momentan. Es gibt sicher auch mehr hörenswertes hierzulande, aber das sind halt auch meine Spezln, woast. Und des is auch wichtig.

Triptonious Coltrane

P.S.: Alle diskriminierenden Ausdrücke und Bezeichnungen in diesem Text sind allein im ironischen Zusammenhang zu sehen. Der Autor distanziert sich bis auf Weiteres von der einseitig-humorlosen Lesart derselben.

Gott ist Tanz und umgekehrt!

Ein Tanzverbot ist nicht nur die Bevormundung des Individuums, sondern auch noch eine sehr schädliche Konditionierung. denn es reduziert den Tanz auf reinen Hedonismus und zu einer Art respektloser Handlung den Leidenden, den Toten, heiligen Wesen, oder gar Gott gegenüber.

Die Wahrheit ist: Tanz ist seit Menschengedenken eine der Grundelemente der menschlichen Spiritualität und somit auch ein Teil der Grundlage von Religion (welche meiner Meinung nach nichts anderes ist als zu Ideologie verkommene Spiritualität).

Ja! Tanz kann bewusstloser Hedonismus sein, aber das ist nur einer von vielen Aspekten des Tanzes! Tanz ist jedoch vor allem ein komplexer Vorgang, der es Menschen ermöglicht, eins mit ihrer Seele und ihrem inneren Wesen, somit aber auch mit dem Göttlichen zu werden.

Tanzen zu verbieten, ist eine Entfremdung vom eigenen spirituellen inneren Wesen. Tanzen zu verbieten ist eine böse Handlung, denn sie zielt darauf hinaus eine natürlich notwendige menschliche Kommunikation und Transzendenz einzuschränken.

Tanzen zu verbieten ist im Grunde die Verleumdung des Göttlichen. Dieses Verbot kann nur von Religionsvertretern geäußert werden. denn Religionen sind Machtapparate, die versuchen, die Einsicht von der menschlichen Unzulänglichkeit so weit als möglich erträglich zu machen, indem sie den Menschen mit solchen Faktoren wie „Machtpolitik“, „Geldwirtschaft“ vom wesentlichen ablenkt. Im Grunde sind Religionen Verwaltungssysteme für das vermeintlich „Schlechte und Böse“ im Menschen. Kann sein, dass das auch notwendig ist, aber es kann nicht der Kern unserer Existenz sein, uns ständig für etwas böses schuldig zu fühlen, oder andere zu beschuldigen. Ganz im Gegenteil.

Dazu John Lennon: „God is a concept, by which we measure our pain“.

Tanzen zu verbieten bedeutet: das menschliche zu entwürdigen und sich selbst zu negieren, in dem man als Mensch sich nämlich anmaßt, zu wissen, was gottgefällig sei!

Das jedoch werden wir nie wissen, denn alle Bücher dieser Erde sind von uns selbst geschrieben und Gott ist ein von uns erschaffenes Fabelwesen, ein Ettikett, mit dem wir unsere perversen Machtansprüche legitimieren.

Das wahrhaft Göttliche können wir nur in sehr besonderen Momenten vielleicht im kleinsten Ansatz erfahren, aber wir werden es nie und nimmer begreifen. Es liegt nicht in unserem Ermessen. Dazu sind wir zu klein und unwichtig.

Es in einem Buch niederzulegen, um seine eigene kleinkarierten weltlichen Machtanpsruch zu manifestieren und auch noch zu behaupten, es wäre von einem gewissen „Gott“ gesandt worden, zusätzlich auch noch Menschen zu ächten, die sich dieser Theorie gegenüber kritisch äußern, ist – schlicht und ergreifend – reine Anmaßung und Hybris.

Und die haben wir – so wie jede unserer Handlungen – unserem Gewissen gegenüber selber zu verantworten. Der Beichtstuhl ist nur die Bühne für die Inszenierung unserer inneren Abgründe.

Wenn es ein göttliches Wesen gibt, dann nur deswegen, weil wir Teil davon sind.

Alles ist Bestandteil des Göttlichen! somit unter anderem auch das Individuum! die Menschheit ist im Gegenzug dazu ein kleines Nichts. Also hört auf euch anzumaßen, ihr könntet in ein paar Konzilien festlegen, was Gott wann und wo gerne wie gehandhabt haben wollen würde.

Gott ist Tanz! Deswegen: wenn du dem göttlichen Nahe sein willst, dann tanze!

Euer Zauberwort: Intergration

Integration ist das Traumgebilde einer sturen Mehrheitsgesellschaft.
Ein Mittelfinger für die Integration!
Eine Gesellschaft, die die Integration von vermeintlich aussenstehenden in seine eigene Strukturen erwartet, muss schon sehr hochmütig von ihrer perfekten Infrastruktur und stabilität überzeugt sein. Dass diese völlig unzureichend ist, sehen wir gerade. Deswegen: lasst uns mal an neuen gemeinsamen Strukturen bauen, statt sich auf einseitig definierte zu verlassen!

Völker hätten theoritisch Ansprüche auf Nationen, aber da es weder Völker, noch Volkskulturen, noch Nationen gibt, erübrigt sich ein solch gearteter Anspruch komplett.
Auf national-völkischer Basis sich legitimierende Mehrheitskulturen sind künstliche Konstrukte, die sich so lange von ihrem Staatsmythos tragen lassen, bis sie der nächsten Revolution erliegen. Danach sind sie meist Geschichte. Insofern wirkt die Romantisierung solcher kulturellen Anspruchsräume immer recht albern. Zu viel von dieser Albernheit kann jedoch schnell zu existentiellem intellektuellen Unterdruck führen, wie man gerade am Beispiel von Pegida, NPD und AFD sehen kann. Aber sogar Vertreterinnen und Vertreter der alten Garde der Sozialdemokraten und der gemässigten Konservativen warten durchaus mal mit realsatirischen Selbstmordattentaten auf. Beispiele will ich der/dem geneigten Leserin/Leser ersparen. Dem Hirnfick ist man eh ständig ausgesetzt.

Ich habe mich Zeit meines Lebens jeglichen Formen der Integration in eine irgendwie geartete mehrheitsgesellschaftliche kulturelle Ordnung verweigert. Nicht nur in Deutschland!

Ich glaube nicht an Integration. Vielmehr glaube ich, dass dieser Begriff eine sehr einseitige Laufrichtung in sich birgt und deswegen eigentlich schon immer obsolet war. Es gibt keine stabile kulturelle Einheit und auch keine in diese zu integrierende einheiltich fremde Gesinnungsform.

Deswegen erschöpfen sich die Handlungsmuster der voneinander säuberlich durch Status und kulturelle Selbstsuggestion gefangenen Gesellschaftsgruppen in stereotypen Haltungen. Die einen helfen und integrieren aus einer überlegenen Sondstellung heraus. Ihre Institutionen, Genossenschaften und Vereine werden vorwiegend dominiert von Vertretern der „weissen“ Mehrheitsgesellschaft. Sie laden grossmütig ein und ziehen somit den Groll der rechtsextremen und rechtskonservativen Gesellschaftsgruppen auf sich. Diese hingegen wollen die Grenzen gleich ganz dicht machen und auf jeden schiessen lassen, der sich ihr „illegalerweise“ nähert.

Dabei ist seit Darwin eigentlich klar, dass die flexibelsten Strukturen am längsten überleben, aber auch in kauf nehmen müssen, nie allzulange gleich zu bleiben. Im Grunde ist jede Gesellschaftsstruktur flexibel, stets im Wandel und plural aufgebaut. Oder sieht irgendjemand auf dieser Welt eine Gesellschaft, die sich nie verändert und in ihrer Konsistenz immer gleich bleibt?

Das, was vielen immer noch sehr schwer fällt, ist es anscheinend, dies zu akzeptieren. Stattdessen stützt sich unser Unterbewusstsein stets auf die subtilen Statussicherheiten der Mehrheitskultur. Auch bei denen, die ihre liberale Haltung stets beteuern, ist das so. Die Diskrepanz zwischen Bewusstem und Unterbewusstem wird da oft unterschätzt.

Es gab Zeiten, da haben in diesem Land migrantische Institutionen fast täglich lauthals Integration, Wahlrecht, Mitsprache eingefordert. Das war in den 70ern und ging bis in die Mitte der 80’er. Damals wäre die „Integration“ als Zwischenstufe durchaus möglich gewesen und auch nur in dieser Form legitim einforderbar.

Nach der endgültigen Durchsetzung der neoliberalen Ordnung unter Reagan, Kohl, Thatcher und Co. jedoch waren diese Forderungen (die im übrigen vom Etablissement der Mehrheitsgesellschaft nie wirklich ernst genommen wurden) ersteinmal vergessen. Europa war erstmal damit beschäftigt, kapitalistische Strukturen zu schaffen und Kohle zu schäffeln.

Die sozialen und gesellschaftlichen Probleme, die Entfremdung, die aus diesem Kommunikationsbruch erwuchsen gärten lange vor sich hin, bis die Spannung kaum zu ertragen war.

Das ist der soziale Brennstoff, den man sich seit Ende der 80’er teilweise bewusst, aber auch oft unbewusst hergezüchtet hat. Daraus resultiert nun das gefundene Material für politische Agitation! Das heisst, soziale Spannungen dienten bis vor kurzem als Steinbruch für die politische Propaganda von den Konservativen Kräften in den etablierten Parteien, die sich für sehr klug und geschickt hielten und sie genau zu diesem Zwecke schön auf Halde liegen liessen. Nun erzeugen diese jedoch Abfallsubstanzen, die sich am Grund ansammeln – so ähnlich wie gefährliche Gasblasen in grossen Müllhalden.

Dies bedeutet: das politische Kapital der konservativen Schichten innerhalb der etablierten Volksparteien wandelt sich nun zu gefährlichem Sprengstoff, der in seiner Durchschlagskraft extremeren politischen Gruppierungen als Brandbeschleuniger dient. Ich will damit sagen, dass diese konservativen Schichten in der Mitte der Gesellschaft schon seit langem den Nährboden gezüchtet haben, auf dem sich nun die Afd austobt.

Die Integration hat nicht versagt, sondern ist nur als Forderung der benachteiligten Minderheitenschichten temporär nützlich gewesen, war aber als langfristige Pseudolösung, wie sie durch eine neokonserative Elite im imperativ eingefordert wurde und wird, nie der richtige Ansatz.

Die Laufrichtung darf nicht ständig von Ost nach West führen. Die Menschheit muss eher zusammenkommen in der Mitte gesellschaft. Die rechten Kräfte müssen wieder dahin gedrängt werden, wo sie hingehören: an den Rand. Stattdessen muss die bürgerliche Mitte durch die Vielfalt besiedelt und erweitert werden.

Welchen Begriff man für diesen Prozess dann wählt, ist mir eigentlich ziemlich schnuppe.

Triptonious Coltrane

Mafia vs. Islamischer Staat vs. Arab Troopers?

Musikvorschlag zum unten folgenden Gedankengang (leicht im Hintergrund, muss nicht laut sein): https://www.youtube.com/watch?v=69yK5mNEsYw&index=1&list=PL45C148144ADD6B46.

Man sagt, „der legendäre Chef des mexikanischen Sinaloa Kartells Joaquin ‚El Chapo‘ Guzman hätte dem Islamischen Staat den Krieg erklärt“. Das soll aber leider eine Hoax sein. Mehr dazu hier: http://www.snopes.com/el-chapo-threatens-isis/.

el_chapo
Und dann gab es letztens noch diesen Patensohn Giovanni Gambino, der sich zwar vermeintlich als Schriftsteller und Drehbuchautor versucht und selbst nichts mehr mit den Geschäften der Mafia zu tun haben will, aber gelegentlich dann schon mal in der ersten Person Mehrzahl spricht, wenn er auf sie zu sprechen kommt: http://www.welt.de/vermischtes/article149231262/Die-Mafia-will-jetzt-auch-gegen-den-IS-vorgehen.html. Auch er vertritt die Meinung, dass das Mitmischen der Mafia im Anti-Daesh-Kampf sinnvoll wäre.

Warum sollten wir uns denn darüber wundern? Jetzt mal im Ernst: wir wissen doch alle, dass dubiose Machenschaften schon immer den Kern des Kriegs- und Ölgeschäfts bildeten, sozusagen das Knochengerüst. Um welchen Spezialbereich es auch geht: Waffen, Öl, Prostitution, Drogengeschäfte, Schutzgelderpressung, Waffenschmuggel, Mord und Totschlag, Völkermord, etc.. Die Kooperation zwischen der legitimierten Macht und der Unterwelt ist doch nicht umsonst der Stoff eines jeden gutgemachten Thrillers. Das ist doch nicht nur so, weil die Story irgendwie spannend klingt, oder?

Klar wird alles in der Phantasie noch einmal ordentlich aufgeblasen, aber im Grunde wundere ich mich gerne mal auch über die, die sich plötzlich kollektiv über Dinge wundern, von denen jeder wusste, oder zumindest annahm, dass sie immer so waren wie sie waren, aber richtig wundern tut man sich eben erst dann, wenn offiziell auch die Zeit zum Wundern geschlagen hat. Denn man weiss ganz genau: macht man’s zu früh, oder zu spät, dann kann einem das Wundern schon mal die Glaubwürdigkeit, oder gar Kopf und Kragen kosten. Ich nenne das: „die Kunst des zeitgenauen Wunderns“.

Neuer Musikvorschlag zum nächsten Gedankengang (kann schon auch laut sein jetzt): https://www.youtube.com/watch?v=2uYs0gJD-LE&list=RDpgRUHIeaKOk&index=29.

Aktuelle Allianzen gegen den Terror:

  1. Assad und die Russen
  2. Die Westmächte: England, Amerika, Frankreich, Deutschland, Israel. Wen vergessen? Ja die Türkei, aber die ist eine Stufe weitergerutscht…
  3. Jetzt kommt’s: die Islamische Allianz, bestehend aus: Saudi Arabien,
    Türkei, Ägypten, Jordanien, Quatar, Pakistan, Vereinigte Arabische Emirate, Bahrein, Kuwait, Tunesien, Marokko, Lybien, Sudan, Palästina , Libanon, Yemen, Bangladesh, Malaysia, Somalien, Die Maldiven, Sierra Leone, Guinea, Benin, Die Komoren, Tschad, Mauretanien, Togo, Nigeria, Dschibuti, Niger, Senegal, Mali
    Gabun.

arab_star_wars

Letztere sagen aber ganz offen: „Wir bekämpfen nicht nur die Daesh, sondern den Terrorismus im generellen“. Soso. Auch den rechtsradikalen Terrorismus hier in Europa? Da haben die unter Punkt 2 schon ein klareres Bild vom Terrorismus: die bekämpfen nur den radikalen Islam. Und die unter Punkt 1? Die retten sich gegenseitig den Arsch. Das ist aufrichtige konfessionsübergreifende Solidarität, wie sie im kalten Krieg noch üblich war.

Es ist zu einer willkürlichen tagespolitischen Entscheidungsfrage geworden, wen man als Terroristen bezeichnet.

Ich würde die Musik jetzt aber komplett abschalten:

In der Türkei gelten eindeutig die Kurden als die Terroristen. Gerade nutzt der türkische Staat die kriegerische Spannung an der syrischen Grenze, um eine ethnische Säuberung im Osten des Landes vorzunehmen. Eine 10.000 Mann starke Armee-Einheit zerbombt mit Panzern und schwerem Geschütz die Sädte Sirnak, Cizre, Hakkari, Batman und Diyarbakir. Das sind kurdische Städte. Die Ausgangssperre herrscht teilweise seit Wochen. Kein Wasser, keine Elektrizität. Kinder graben Schützengräben und bauen Barrikaden. Jugendliche Splittergruppen bilden neue Guerillaeinheiten, schlecht bewaffnet und naiv. Es ist lächerlich eigentlich. Trotzdem sind sie tapfer. Ihr Spielplatz war schon immer der Bürgerkrieg und dort sterben sie nun wie die Fliegen. Genauso wie die Soldaten, die oft Bombenanschlägen zum Opfer fallen. Daneben sterben natürlich auch jede Menge Unbeteiligte – Kinder, Frauen, Greise. Sie sind die eigentlichen Leidtragenden. Ohne Schutz und Sicherheit werden sie meist ermordet von Spezialeinheiten der Polizei – Killerkommandos.

Vor ein paar Tagen wurden sämtliche Lehrer von den staatlichen Schulen in der betroffenen Region abgezogen. Wer nicht geht, gilt als Kollaborateur. Nur wenige sind geblieben. All die Heroen des Geziparks in Istanbul zeigen nur wenig Solidarität. Sogar hier wird ein tiefer Spalt in der Gesellschaft sichtbar. Atatürk und das nationalistische Dogma hat sich eingefressen: wenn man’s runterbricht, befürworten vermutlich fast 60 Prozent der türkischen Staatsbürger diese harte Gangart gegen die Kurden (die Zahl ist auch unter den Sozialdemokraten sehr hoch). Ein Volk wird so gespalten und zerstört.

Es kommt mir vor, als würde dort im Osten die Gesellschaft durch schweres neoliberal-islamistisches Gerät glattplaniert. Ein neues Feld wird erschlossen, indem es von jeglicher soziokultureller Struktur gesäubert wird. Welchen Kräften da der Weg geebnet wird, ist noch nicht so klar. Die Ungewissheit greift um sich.

Gleichzeitig hofiert Europa Erdogan und belohnt ihn mit Geldzahlungen gegen Rückhaltung der „Flüchtlingsströme“. Es ist fast magisch: Sogar die EU-Beitrtittsverhandlungen gewinnen an Fahrt. So nah war die Türkei dem Beitritt noch nie. Erdogan hingegen unterstützt seit Jahren den Aufbau der Daesh mit Waffenlieferungen, Finanzsubventionen, medizinischen und sanitären Hilfsleistungen für die Kämpfer.

Ich denke es ist wieder einmal die Zeit zum Wundern gekommen. Los Leute: Wundert euch!

 

die grosse lüge von der aufklärung

die zahlen überschlagen sich. sind es 1600 oder 3500 delikte mit rechtsradikalem hintergrund dieses jahr? 100 wären eigentlich schon ein grund zur extremen sorge. gestern nacht brannte eine moschee in stuttgart. so richtig kümmerts keinen. von ermittlungen hört man hier und da mal was. wenn jetzt radikale moslems eine kirche anzünden und täglich übergriffe starten würden, dann wäre in diesem land kriegszustand angesagt. sodom und gomorrha. in der hinsicht unterscheidet sich die subjektive wahrnehmung der gesellschaftlichen mehrheit hier nicht sehr von der in ländern wie der türkei, oder pakistan. also sollte man sich nicht viel einbilden auf die vermeintliche aufgeklärtheit dieser gesellschaft. aufgeblasene pseudoattitüde ist das meiner meinung nach. sonst nix.

ich steh nicht auf moscheen und auch nicht auf kirchen. die abrahamitischen religionen samt judentum und allem hängen mir zum halse raus. ich halte die für einen einzigen hirnfick und unfug. ich mag kein weihnachten und auch keine sonstigen monotheistischen religiösen feste, die all ihre rituale eh billig von uralten kulten und ihren riten geklaut haben. was ich allerdings mag, ist die freiheit, zu glauben, wenn und was man glauben will, oder eben nicht.

die amöben, die die moschee in stuttgart angegriffen haben gestern nacht, glauben nur an eines: an krieg und zerstörung. das ist der einzige glaube, der bekämpft werden muss meiner meinung nach. das ist aufgabe des staates und des sicherheitsapparates. bei 3500 delikten mit besagtem hintergund wird die frage nach der relevanz eines aufwendig subventionierten sicherheitssystems jedoch obsolet. ich glaube der sicherheitsapparat ist eher ein hobby-disneyland für waffen- und gewaltfreaks, die in irgendwelchen ministerien sitzen. wenn sie solche anschläge nicht verhindern können, was tun die dann? ich vermute leider mal, dass sie auf eine perverse art geil sind auf brennende unterkünfte und moscheen. auch auf islamistische anschläge scheinen alle nur gierend zu geifern. anders kann ich mir das nicht erklären.

es müssen schon sehr viele perverse freaks an schlüsselpositionen der staatsapparate sitzen, damit das möglich ist, was seit geraumer zeit in europa passiert. die eskalation der gewalt in diesem masse kann ohne toleranz staatlicher positionen nicht funktionieren. diese peverse kranke unmenschlichkeit geht einher mit perfidem kalkül, das darauf auszielt, mit einer spirale der angst demokratische prinzipien durch ständige ausnahmeregelungen auszuhebeln und die aufrüstung und die investition in sicherheitstechnologie zu erhöhen. diese dienen dann einigen wenigen cowboys zur institutionalisierung ihrer machtpole, die natürlich auch miteinander konkurieren. oligarchen gegen diktatoren gegen mafiabosse. willkommen in der postmodernen distopie.

an diesem punkt befindet sich europa gerade. europa zerstört sein höchstes gut: die aufklärung (oder besser gesagt: die letzten aromatischen pigmente davon), genauso wie radikalislamisten im nahen osten ihre kulturgüter zerstören. europäischer staatsterror und radikaler terrorismus passen in der hinsicht gut zusammen und beflügeln sich gegenseitig.

nur was machen wir menschen, die wir für die liebe einstehen wollen nun? wir verlieren faktisch die basis der menschenrechte. sie wird uns von denjenigen politischen strukturen entzogen, die wir zu ihrer erhaltung im demokratischen prinzip beauftragt haben. wir haben keine waffen, keine ministerien, keine armeen. unser kapital wird entweder durch die neoliberalen konzerne oder die mafia kontrolliert, die wiederum staatliche finanzinsitutionen in ihrem namen als geldeintreiber missbrauchen.

also müssen wir wohl oder übel vom geld weg. wir müssen dem geld sein funktionsmonopol entziehen. wir müssen unsere prinzipien ändern. wir können unsere werte nicht mehr auf materielle sicherheit bauen, denn die materie ist nicht mehr materiell. geld hat nichts mehr mit materie zu tun, sondern nur noch mit ideeller macht, die sich gegen die bevölkerung richtet.

politische posts über dreckschweine bitte ohne namen, ohne bilder, ohne links…

hello allerseits. ich bin jemand, der sich gerne mit politik beschäftigt und auch in den sozialen medien politische diskussionen führt. heute habe ich eine der heftigsten schlagzeilen ever gelesen und möchte hier ein vorgehen in unseren posts anregen, von dem ich denke, dass es uns alle weiterbringen würde. ich schätze es sehr, von freunden auf politische misstände und ungerechtigkeiten in der welt hingewiesen zu werden und tue das auch gerne, weil ich glaube, dass das wichtig ist. mir wird jedoch immer klarer, wie sehr machtmenschen und ihr medienapparat daran profitieren, dass ihre namen, ihre gesichter und die entsprechenden links zu den news eins zu eins weitergereicht werden. es steigert ihre popularität und auch die ihrer kruden aussagen.
ein gutes beispiel in dieser kategorie:
Israels Premier says: Palestinians Are Responsible For The Holocaust, Not Hitler!
im ersten moment schüttelt man natürlich den kopf, aber ich weiss mitlerweile, was das bezwecken soll! das heisst, dass dieser mensch vor kurzem mal ausnahmsweise in ein geschichtsbuch geschaut hat und festgestellt hat, dass es in den 30er und 40er jahren einen grossmufti in jerusalem gab, der mit seinen radikalen thesen über die eliminierung der juden bis zum adolf vorgedrungen ist (https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_Amin_al-Husseini).
statt sich aber die historie und vor allem mal die zeitabläufe in diesem prozess genau anzusehen, wurschtelt er sich eine schöne hetzkampagne gegen die palästinenser zusammen und stopft damit sein kanonenrohr. so geht es ihm zum beispiel auch am arsch vorbei, dass besagter grossmufti den adolf erst im jahre 41 getroffen hat, als der holocaust in vollem gange war. besonders perfide ist, dass er damit den deutschen die historische verantwortung nehmen und diese stattdessen den palästinensern aufbürden will. auch wenn das eine total bescheuerte these ist, verfolgt er damit natürlich eine ausgeklügelte strategie:
mit seinen kruden thesen will er es flächendeckend auf die frontpages schaffen und damit die politische agenda nicht nur innenpolitisch, sondern auch international dominieren. auch wenn es nur für einen tag ist, oder zwei, im idealfalle eine woche. auch wenn es negative publicitiy ist (in anführungsstrichen), die er dadurch erhält. soziale netzwerke sind da natürlich ein wichtiger, sogar sehr wichtiger faktor! das heizt die situation an, das steigert die konflikte und verbessert seine aggressive verhandlungsposition, denn dies alles passiert just in einem zeitraum, in dem der amerikanische aussenminister neue verhandlungen im nahost-konflikt ankündigt und zu einer zeit, in der die stimmung gegen muslime in deutschland sich gerade schön in die höhe schaukelt. in einer solchen zeit des rechtsruckes fällt hierzulande die entlastung des deutschen gewissens – durch den israelischen premier höchstpersönlich – natürlich auf fruchtbaren boden und: man kann beidseitig jegliche ressentiments temporär voneinander weg- und auf einen gemeinsamen feind hinlenken – natürlich hat das eine nur kurzfristige wirkung, aber genau so ist auch seine politik ausgerichtet: auf die maximale effizienz in kürzester zeit. es geht nicht darum, langfristig effektive politiken durchzuführen, sondern nur darum, eine kurzfristig durchdachte hetzkampagne an die andere zu reihen. damit baut er vor den verhandlungen eine harte front auf, um seine kompromisslose haltung zu zementieren und wenn die verhandlungen scheitern, hat er eine wunderbar aufgeheizte grundathmospähre geschaffen, sozusagen als geeignete ausgangssituation, um militärschläge (natürlich alles nur vergeltungsschläge) zu verüben. da er die auch nur seinem eigenen volk gegenüber rechtfertigen muss (wenn überhaupt), muss seine bescheuerte these auch nur innenpolitisch funktionieren. aussenpolitisch kann sie völlig skurril im raum stehen. das juckt in dem falle nicht, denn keiner mischt sich mitlerweile in die „inneren“ angelegenheiten israels ein.
die menschen, die lebenden, die toten, auch die bald sterben werdenden, sind diesem skrupellosen machtpolitiker scheissegal. auch die israeliten sind ihm egal. es geht um eine harte linie und um den profit, den man damit vermehren kann, sowie politisch, als auch materiell. dafür wäre er sogar bereit (wie man sieht), adolf hitler die politische verantwortung für den holocaust zu entziehen. dies zeigt auch seine unveratwortliche haltung der eigenen geschichte gegenüber.
deswegen werde ich weder links, noch bilder dazu posten und fordere alle meine freunde und freundinnen auf, solche unmenschen von ihren pinnwänden zu verbannen. bringt die news, aber ohne bilder, links und namen. wenn jemand nachgucken will, kann er das immer noch tun. newsportale gibts eh wie sand am meer.
jede erwähnung und verlinkung ist für die ein politischer bonus und für ihre medien auch ein materieller.
wenn euch diese arschlöcher auf den senkel gehen, dann boykottiert sie (soweit es geht) in den sozialen medien – im rahmen von satirischen beiträgen kann man ja mal einen namen nennen. aber es sollte immer ein eigener beitrag sein. ich finde, man sollte bei nachrichten zu solchen typen keine links und keine porträitbilder direkt posten:
gönnt schlechten menschen keine plattform!
kopiert die texte und ändert die namen durch titelbezeichnungen oder durch spitznamen. somit können wir uns über die neuesten entwicklungen trotzdem informieren, ohne ihnen als fussvolk zu dienen.
ich glaube daran, dass das besser ist für uns alle. dann müssen wir uns auch nicht ihre dummen fressen ansehen jeden tag. das schlechte karma, das man sich dadurch spart, ist noch ein weiterer verdienst.
POSTET NACHRICHTEN ÜBER SOLCHE PSYCHOPATHEN NUR NOCH, WENN IHR AUCH EIGENE GEDANKEN DAZU AUSFÜHRT.
keine bilder, keine links!
lasst sie nicht kommentarlos stehen. auch negativer personenkult ist pesonenkult. stattdessen zitiert konstruktive aussagen und zitate von reflektierten menschen.

exemplarische vorschläge meinerseits: noam chomsky, zlavoj zizek, bernie sanders, selahattin demirtas, martin luther king, etc. etc. etc.

diese menschen haben/hatten wenigstens konstruktive lösungsvorschläge und nicht nur zerstörungsphantasien.