München stirbt langsam, Istanbul brennt.

Bärtige Sensibelchen fahren auf Skateboards durch die langen Flure von global agierenden Designagenturen mit ihren Schoßhündchen auf dem Arm. Sie sind Kreativ. Ein Arbeitstag kostet ein Vermögen, aber das ist normal. Nach der Schicht wird unter besonderen Motti socialized. Heute Helloween Kostümball, morgen Thema Trump-Administration. Immer hält einer einen Vortrag, danach wird getrunken.

Kunst ist eine teure Schlampe. Sie wird auf Produktmessen mystisch beschworen, um Abnehmer für Softwarelösungen anzulocken. Wenn man nach ihr frägt, dann kann man schon einmal Zeuge eines Projektes werden, in dem man exemplarisch, anhand von nachinszenierten Einzelfällen die Diskriminierung von Einwanderern auf deutschen Behörden nachempfinden, oder anhand einer geführten 24-Stundentour die aussischtslose Lage von Obdachlosen auf Münchens Strasse mitempfinden kann. Dazu wird trocken Beuys zitiert: „Das System ist kriminell, der Staat zum Feind des Menschen geworden!“ Aha ja. Das hat der Mann tatsächlich vor Jahrzehnten gesagt, stimmt. Nur, was hat das jetzt mit eurem Voyeurismus zu tun?“

Im Glockenbachviertel pocht das Herz der Bewegung. Die Phase der billigen Jutetüten ist vorbei. Edelprostitution ist jetzt angesagt. Der härteste Scheiß gleitet wie Dünpfiff auf dem Straßenpflaster herum. Antroposophie und fernöstliche Lebensphilosophie, ja sogar Adorno sind jetzt Nobelfastfood. Sogar die Bedienung beim Vietnamesen, bei dem du seit Jahren Stammgast warst, lächelt dich neuerdings satanisch höflich an und tut so, als wärst du ein potentieller Siemensmanager und du weisst, während dem essen, dass nichts mehr so sein wird, wie es mal war, wenn die Rechnung erst mal auf dem Tisch liegt.

München stirbt. Vielleicht muss das auch so sein. Vielleicht muss diese Stadt erst einmal in ihrer kleinkarierten Hybris feiernd und ergebnisoffen untergehen, in Hoffnungslosigkeit versinken mit jeder erfolgreichen Umsatzbilanz?

Genau diese hindern einen daran, ein zweites mal nach der Kunst zu fragen. Kunst funktioniert hier – das ist erwiesen und belegt. Sie funktioniert so gut, dass man sie selber gar nicht mehr erleben muss. Sie ist nun untergebracht in einer Branche, heisst es aus kompetenten Mündern.

Zuerst sorgt man sich um sie, dann wird man missmütig und wenn man anfängt doch wieder nach ihr zu fragen, dann wird erwidert: „wir wollen Ihnen ja nur helfen“.

Ja ok, Danke.

Dann erfährt man, dass die Kunst ja nicht verloren ist, sondern lediglich ihren angestammten Platz gefunden hat. Nach Umsatzvolumen sortiert kommt sie an 5. Stelle. Nämlich nach der Software- und Game-industrie, der Medienindustrie, der Musikwirtschaft, der Designwirtschaft und der Kulturwirtschaft.

Es gibt sie als Bestandteil von Balken- und Kuchendiagrammen und auf bunten schematisch gekennzeichnetetn Karten des Freistaates Bayern. Man kann sie sich so ansehen und dann tschüss sagen und dann gibt’s Party.

Anders geil!

In der Zwischenzeit gehen zwei Bomben in Istanbul hoch. Sprengstoff beladene Lkw’s explodieren nahe des frischrenovierten Stadiums der Mannschaft  Besiktas Istanbul nach einem Derbyspiel. Es ist das Stadion der Mannschaft, die fast schon als Symbol der Opposition gilt. Die Angriffe galten den Polizeieinheiten, die am Strassenrand stationiert waren. Nach den neuesten Erkenntnissen starben bei dem terroristischen Anschlag mindestens 36 Polizeibeamte und 8 Zivilisten, hunderte wurden verletzt.

Ein Paar Jungs sassen zu dem Zeitpunkt auf der gegenüberliegenden asiatischen Seite am Strand, sangen uns spielten Gitarre. Ein Freund filmte sie und nahm zufällig die Explosion im Hintergrund auf. Der Knall war auf Grund der großen Distanz zeitverzögert nach einigen Sekunden erst zu hören:

Alles bestens?

Just in diesem Moment geht die demokratische Republik der Türkei komplett unter. Es ist heftig! Das Sultanat startet durch. Wohin das führen mag? Nicht auszudenken. Ich bin geladen, so sauer auf all die Klaqueure aus allen Meinungsbereichen, Schichten und Parteien, die dem Typen über Jahre hinweg die Stange gehalten haben – und zwar nicht nur in der Türkei, sondern vor allem in Europa. es wurde sehr viel Meinung gemacht, um das Bild dieses Menschen, dessen Werdegang als skrupelloser neoliberaler Islamist und Populist eigentlich seit Jahrzehnten durchweg bekannt war, vor allem in den Augen der globalen Öffentlichkeit rein zu waschen – nur, um dem Westen den rücken diplomatisch nach Osten freizuhalten.

Dies alles ging auf Kosten der demokratischen Kräfte in der Türkei. Denn das Bild im Ausland untermauert die innenpolitische Macht in solchen Ländern erheblich. Man konnte leider nichts gegen die Maschinerie anrichten und diese Unterstützung führte dann innen- und außenpolitisch zur Eroberung von immer mehr Deutungshoheit und Akzeptanz für dieses wahnsinnige System, die jetzt ohne Skrupel genutzt werden, um die monopolare Macht und den Rückschritt ins 19. jhd zu vollziehen.

Bald wird die Todesstrafe in der Türkei wieder eingeführt. Diese war seit 1984 faktisch und seit 2004 offiziell abgeschafft!

Jetzt stellt sich heraus, was meinesgleichen schon seit Jahren versucht haben diversen Journalist/innen, Korrespondent/innen, aber auch Normalbürgern und sonstigen Diskussionspartner/innen in der Türkei und hier zu erklären.

All die Andeutungen von Reformen und die Annäherungen an Europa wurden mit vorgehaltener Hand durchgeführt. Dabei wurde immer darauf geachtet, das Meinungsbild im Inland und im Ausland zu beherrschen – zumindest solange, bis die AKP fest genug im Sattel saß, um dann im entscheidenden Moment – nämlich in dem Moment, in dem sich in der komplexen Machtstruktur die Spreu vom Weizen trennt – den absoluten Wahnsinn, nämlich die Trennung von der Rechtstaatlichkeit endgültig zu vollziehen.

Jetzt sind sie leider nicht mehr zu stoppen und es stehen uns harte Zeiten bevor. Wenn man hier in Europa meint, man sei sicher und es würde einen hier nicht belasten, dann irrt man sich gewaltig.

Nun wird es unbequem.

Denn man hat es zu lange zugelassen, dass vor lauter unnötiger Angst um den Verlust seiner hohen gesellschaftlichen Ansprüche, die man hierzulande hat, das Fehlen eben dieser in einem sehr nahe liegenden Schwellenland einfach zugelassen und legitimiert werden konnten.

Europa hat sich zu lange in Sicherheit gewogen und in bequemer Selbstsucht selber genügt und gefallen. Solange die Dinge liefen, war einem Erdogan als Pseudodemokratischer Despot an der Tür zum Osten gut genug.

Seit über einem Jahr finden im Osten des Landes Progrome von ungeheurem Ausmaß statt, ganze Ansiedlungen, Städte, Stadtviertel werden Plattgewalzt, die Menschen dämonisiert und verfolgt. Parteisitze in Brand gesetzt, legitimierte lokalpolitische Positionen enteignet. Journalist/innen verhaftet, mit dem Tode bedroht und ins Exil getrieben. Hinzu kommt, dass der Terror seinen Tribut fordert und Hunderte von Zivilisten und junge Rekruten ihr Leben opfern müssen, für eine Politik, die sie nicht verschuldet haben. Heute wurde die letzte große Tageszeitung – die traditionsreiche Cumhuriyet – überfallen und eigentlich konfisziert. Sie wird wohl, genau so, wie all die vielen anderen, ja wie sogar die östlichen kommunalen Verwaltungen, die in der Führung der Oppositionspartei HDP waren – einem regierungsfreundlichen Treuhänder übergeben.

ich bin zutiefst bestürzt, führe zwar mein Alltagsleben weiter, weil es mir irgendwie Halt gibt, aber die Tage vergehen zäh. vor allem, wenn ich an all meine Freunde und Familie dort denke!

Ich weiß nicht, was tun…

Granatapfelsirup

Vergiss Balsamico. Wenn du deinen Salat zeitgemäß pimpen willst, dann nimm Granatapfelsirup, aber nicht die zum Cocktailsmixen! Geh zum türkischen Supermarkt am Bahnhof, zu dem großen. Da gibt’s verschiedene Sorten. Fast alle sind gut. Ich nehm immer die Granatapfelsauce von Feysan. Die Form der Flasche und die Typo hat mir ganz gut gefallen, aber im nachhinein wurde mein optisch-ästhetischer Anspruch durch den Inhalt bestätigt. Das ist oft so bei mir. Ich hatte schon lange auf Granatapfelsirup umstellen wollen. Jetzt habe ich es endlich vorgenommen vor ein paar Monaten.
Granatapfelsirup ist nichts für Erwachsene. Er ist was für Kinder. Er ist süß, er ist säuerlich, sein rot hat etwas leuchtendes, verlockendes. Granatapfelsirup ist etwas für leichtsinnige Träumer. Er steht für unverbesserliche Romantik, für offen gelebte Naivität, für die alltägliche Dummheit.
Geht gleich heute raus und besorgt euch das Zeug und ihr werdet verstehen, wovon ich rede. Granatapfelsirup passt wunderbar zum anmachen von Salaten, aber man kann ihn auch über die Mozarella gießen, oder in den Couscous tun. Man kann Avocados damit verfeinern. Ach was weiß ich, probiert es einfach aus.
Granatapfelsirup lässt euch die unwichtigen Ärgernisse des Tages vergessen. Er bringt euch dem Wesentlichen um Meilen näher. Granatapfelsirup ist die Essenz der Liebe, der Lust und des Lebens. Granatapfelsirup trifft den Zeitgeist mitten in die Magengrube und löst ihn auf. Er ist nicht hip! Er ist ewig! Granatapfelsirup macht dumme, naive Träumer aus euch, lässt euch singend in der Gegend herumlaufen und euch gegenseitig grundlos umarmen.
Geht und holt euch noch heute Granatapfelsirup!

Dazu der passende Film:

Und der passende Sound:

Die Schlacht der Pseudonyme

Sie fühlt sich schnell persönlich angesprochen.
Von allem eigentlich.
Als ob alles eine Interpretation ihrer Gedanken, ihrer Gefühle, ihres Lebens wäre.
Als ob ihre Umwelt nur existierte, um sie selbst widerzuspiegeln.
Sie ist so eitel und so zerbrechlich.
Ihre Welt dreht sich um sie und nur um sie selbst.
Dabei ist sie nur ein Pseudonym, mehr nicht.
Nicht nur eines!
Sie ist mehrere Pseudonyme und um sie herum befinden sich noch mehr von ihrer Sorte.
Manchmal hat sie auch einen Körper, einen Kopf, Augen, Lippen, Mund, Hände, Haare, Schuhe, Füße…..eine Meinung.
Der Triumph erfüllt sie sehr leicht.
Sehr leicht.
Ihre Selbstempfindung inszeniert sich innerhalb der Systemkapazitäten ihres Profilraumes und analog zu den aufbereiteten Ergebnissen der effektiven Machbarkeitsanalyse.

Der Intendant sagt: „Ja, hau solche Begrifflichkeiten auf den Tisch, auch wenn du sicher sein kannst, dass mehr als die Hälfte der Masse spätestens nach dem 3. Satz kopfschüttelnd weitergeflossen ist. Dir bleibt dann nur noch die Elite der Kritiklosen. Aber wenn die überzeugt sind, hast du genug Material zum Arbeiten“.

Bing Bong Bing. Der Intendant findet sie sehr schwierig, vor allem zu aggressiv. In seiner gut Inszenierten Meinungs- und Hilfslosigkeit läuft er achselzuckend durch die Gegend, macht ein betretenes Gesicht und lästert.

Man wünscht ihm allenthalben viel Erfolg dabei. Und genauso schnell und eurphorisch wie die Welle aufbrauste, kann sie einen auch schon wieder unter sich begraben.

Ein orangenes T-shirt und Fetzen einer weiten, ausgetragenen Jeans werden am Strand angespült. Ein kleines Mädchen fotografiert das Schwemmgut mit ihrem Mobilfunktelefon, dass sie fast nie aus der Hand legt.

Wenn sie nicht vergisst, ihren Fund zu teilen, dann bleibt noch was von der Glorie in den Weiten der virtuellen Welt erhalten.

Bussi

Alles bestens – Herşey yolunda

Es ist alles bestens.

Achtung Achtung!
Hahahahaha!
Achtung! Es ist alles bestens. Keine Sorge! Respekt! Achtung!

Der Wagen mit dem Kennzeichen „34 MIT 1908“
Bleib im Windschatten!
Bleib im Windschatten!
Achtung!
Du kannst Selfies aus der Karibik posten.
Da gibt’s eine Atatürk Büste in Havanna.
Du kannst Selfies posten.
Achtung Achtung! Atatürk! Respekt! Achtung! Respekt! Achtung!

Allah ist Gross und Mohammed ist sein Prophet.
Und die erste Moschee in Übersee, soll auch dort gestanden haben. Achtung!
In Havanna.
Achtung!
Der Präsident war in Havanna.
Achtung! Allah, Mohammed, Prophet, Präsident, Respekt! Achtung! Achtung!

Hurensöhne! Hurensöhne! Hurensöhne! Hurensöhne! Hurensöhne!
Respekt! Respekt! Respekt! Respekt! Respekt! Respekt! Respekt!
Der Präsident! Atatürk! Achtung! Achtung!
Respekt! Achtung!

Und bist du wieder zurück! Aha! Wie läufts?
Achtung! Achtung! Respekt! Respekt!
Der Mann! Die Frau! Die Frau! Die Frauen! Achtung!
Allah! Allah! Atatürk! Respekt! Der Präsident! Atatürk! Achtung!

Die Strassen!
Wo kommen die Strassen her?
So viele Strassen! Jaaaaa! Strassen! Endlich Strassen! Achtung!
Häuser, Strassen, Häuser, Strassen, Achtung Achtung! Respekt! Respekt!
Achtung! Achtung!
Brücken, Häuser, Strassen, Glasfassaden, getöntes Glass, Häuser, hohe Häuser,
gaaaaannz ganz hohe Häuser!
Ganz hohe moderne Häuser! Achtung! Brücken! Ubahnen! Geld!
Achtung! Achtung! Respekt! Achtung! Der Präsident! Achtuuuuung!

Achtung! Achtung!
Eine feindliche Zelle! Achtung! Aaaaaaaaaaaaaachchchchtuuuuuuuuuuung!
Achtung! Der Präsident! Atatürk! Der Präsident! Allah! Allah! Atatürk! Respekt! Achtung! Respekt! Achtung! Achtung! Atatürk! Achtung!

Achtung!
Achtung Achtung!
Der Präsident geht beten. Respekt! Achtung! Atatürk! Achtung! Geld! Achtung!
Der Präsident! Der Präsident! Der Präsident! Der Präsident! Der Präsident! Der Präsident! Der Meister! Der Lange! Der Grosse! Der gottesähnliche Präsident!
Der Sultan! Der Kalif! Achtung! Achtung!
Der Präsident. Der Präsident ist die Mutter von Atatürk!
Achtung! Achtung! Achtung! Respekt! Achtung!
Der Präsident ist auch deine Mutter Achtung! Achtung! Respekt! Respekt!

Es ist alles bestens. Danke! Danke!
Hahah.
Wir bauen alles wieder auf.
Achtung Achtung!
Wir, Wir, Wir, Wiiiiiiiiirrrr!!
Wir bauen alles auf!
Wir bauen alles auf! Achtung!
Bauen alles wieder auf. Respekt! Geld! Achtung! Achtung! Alles bestens.
Männer, Frauen, Kopftücher! Alles bestens! Achtung! Der Prophet!

Beten. Aufbauen. Beten. Aufbauen.
Achtung!
Allah!
Achtung!
Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld!
Allah!
Der Sultan! Der Kalif! Die Osmanen! Die Türken! Die Väter! Achtung!
Respekt!
Viel Geld! Sehr viel Geld! Wir schwimmen im Geld! Hahahahahaaaaa!
Achtung!
Respekt!
Achtung!
Allah!
Atatürk! Achtung! Respekt! Der Präsident! Der Präsident!
Deine Mutter! Achtung! Respekt! Achtung!

Alles ist Gut!
Alles ist bestens! Achtung!
Der Präsident! Der Präsident! Allah! Atatürk! Allah! Geld! Respekt! Deine Mutter!
Achtung!
Deine Frau! Achtung!
Deine Frauen! Achtung! Achtung!
Deine Tochter, deine Schwester! Respekt! Respekt! Tod! Respekt! Achtung!

Tränengas! Tränengas! Tränengas! Tränengas! Tränengas! Tränengas! Tränengas! Tränengas!
Wir machen alles sauber! Achtung! Alles wird sauber! Alles wird bestens!
Respekt!

Europa!
Europa!
Europa!
Die Juden, die Armenier, die Kurden, die Feinde, Achtung! Achtung!
Aaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh! Achtung! Achtung! Achtung!

Europa, Ach Europa ach Europa,
Judenbrut, Armenierbrut, Kurdenbrut!
Achtung! Achtung! Achtung!
Spione, Feinde, Verschwörer! Parallelstrukturen! USA, Pensylvania! Achtung!

Alles bestens! Respekt!
Kommt zurück, kommt zum Präsidenten! Kommt zu eurem Präsidenten!
Hier ist alles gut! Respekt! Achtung! Geld! Achtung! Allah! Achtung!
Der Präsident ist deine Mutter! Respekt! Respekt! Respekt! Liebe! Liebe!
Der Präsident! Achtung! Achtung! Der Prophet!
Der Präsident ist die Verfassung!
Der Präsident ist in guter Verfassung! Alles bestens, Achtung! Respekt!

Hurensöhne! Hurensöhne! Hurensöhne! Hurensöhne! Achtung!
Geld! Geld! Respekt! Achtung! Hurensöhne! Achtung!
Deine Mutter! Achtung! Allah! Kopftuch! Achtung! Kopftuch! Achtung!
Ehre! Moral! Tugendhaftigkeit! Hurensöhne! Verschwörer! Achtung!

Geld! Hurensöhne!
Deine Mutter! Nimm deine Mutter und hau ab! Respekt!
Alles bestens! Der Präsident!
Achtung! Der Präsident! Respekt! Ehre! Frauen! Kopftuch! Atatürk! Achtung!

Achtung Achtung! Viel Geld! Achtung! Viel Geld!
Verdammt viel Geld! Neid! Neid!
Macht! Weltmacht! Achtung! Respekt! Alles gut!

Respekt! Achtung!

Es ist alles bestens…

Achtung! Achtung! Respekt! Achtung!

Der Präsident! Der Präsident! Der Lange! Der Meister! Der Weisenrat! Das Geld!

Achtung! Achtung!

Allah! Der Prophet! Der Präsident! Achtung!

Deine Mutter!
Der Präsident ist deine Mutter!
Der Präsident ist die Verfassung!
Der Präsident ist in guter Verfassung!

Achtung!

Alles gut, alles bestens!

Respekt!

Achtung!

Erstellt für die gleichnamige Aktion von westendwork im Rationaltheater München am 14.05.16.

Gelesen von Sabahat Ünal

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Dikkat Dikkat!
Hahahahaha!
Dikkat! Herşey yolunda. Merak etmeyin! Saygı! Dikkat!

„34 MIT 1908“ pilakalı araba!
Siperde kal!
Siperde kal!

Dikkat!
Karibik’den Selfie paylaşabilirsin.
Orada Atamin büstü var, Havana’da.
Selfie paylaşabilirsin.
Dikkat! Dikkat! Atam! Saygı! Dikkat! Saygı! Dikkat!

Allah büyüktür ve Hazreti Muhammed Peygamberi’dir!
Ve Atlantik ötesindeki ilk Cami de orada inşa edilmiş zaten, Dikkat!
Havana’da.
Dikkat!
Başkan Havana’daydı.
Dikkat! Dikkat! Allah, Hazreti Muhammed, Peygamber, Başkan, Saygı! Dikkat! Dikkat!

Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları!
Saygı! Saygı! Saygı! Saygı! Saygı! Saygı! Saygı!
Başkan! Atam! Dikkat! Dikkat!
Saygı! Dikkat!

Eee? Döndün mü? Ha? Nasıl gidiyor?
Dikkat! Dikkat! Saygı! Saygı!
Erkek! Kadın! Kadın! Kadınlar! Dikkat!
Allah! Allah! Atam! Saygı! Başkan! Atam! Dikkat!

Yollar!
Nereden geldi o yollar?
Şu yollara bak! Yaaaaa! Yollar! Şükürler olsun o yolları yapana! Dikkat!
Binalar, Yollar, Binalar, Yollar, Dikkat! Dikkat! Saygı! Saygı!
Dikkat! Dikkat!
Köprüler, binalar, yollar, cam yüzeyler, renkli camlar, binalar, yüksek binalar,
Çooook yüksek binalar!
Çooook yüksek modern binalar! Dikkat! Köprüler! Metrolar! Para!
Dikkat! Dikkat! Saygı! Dikkat! Başkan! Dikkaaaat!

Dikkat! Dikkat!
Tehlikeli bir hücre! Dikkat! Diiiiiiiiikkaaaaaaaaaaaaaat!
Dikkat! Başkan! Atam! Başkan! Allah! Allah! Atam! Saygı! Dikkat! Saygı! Dikkat! Dikkat! Atam! Dikkat!

Dikkat!
Dikkat! Dikkat!
Başkan namaza duruyor. Saygı! Dikkat! Atam! Dikkat! Para! Dikkat!
Başkan! Başkan! Başkan! Başkan! Başkan! Başkan! Usta! Uzun adam! Büyük adam! Ilah gibi Başkan!
Padişah! Der Halife! Dikkat! Dikkat!
Başkan. Başkan Atam’ün anasıdır!
Dikkat! Dikkat! Dikkat! Saygı! Dikkat!
Başkan senin de Anandır! Dikkat! Dikkat! Saygı! Saygı!

Herşey yolunda. Saĝ olun! Saĝ olun!
Hahah.
Biz herşeyi yeniliyeceĝiz.
Dikkat Dikkat!
Biz, biz, biz, biiiiiz!!
Biz herşeyi yeniliyeceĝiz!
Biz herşeyi yeniliyeceĝiz! Dikkat!
Herşeyi yeniliyeceĝiz. Saygı! Para! Dikkat! Dikkat! Herşey yolunda.
Erkekler, kandınlar, baş örtüleri! Herşey yolunda! Dikkat! Peygamber!

Dua. Inşa. Dua. Inşa.
Dikkat!
Allah!
Dikkat!
Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para!
Allah!
Padişah! Halife! Osmanlılar! Türkler! Babalar! Dikkat!
Saygı!
Çok para! Çok fazla para! Bok gibi Paraaaa! Hahahahahaaaaa!
Dikkat!
Saygı!
Dikkat!
Allah!
Atam! Dikkat! Saygı! Başkan! Başkan!
Annen! Dikkat! Saygı! Dikkat!

Herşey iyi!
Herşey yolunda! Dikkat!
Başkan! Başkan! Allah! Atam! Allah! Para! Saygı! Anan!
Dikkat!
Karın! Dikkat!
Karıların! Dikkat! Dikkat!
Kızın, kardeşin! Saygı! Saygı! Ölüm! Saygı! Dikkat!

Biber gazı! Biber gazı! Biber gazı! Biber gazı! Biber gazı! Biber gazı! Biber gazı! Biber gazı!
Biz heryeri temizleyeceĝiz! Dikkat! Heryer temizlenecek! Herşey iyi olacak!
Saygı!

Avrupa!
Avrupa!
Avrupa!
Yahudiler, Ermeniler, Kürtler, düşmanlar. Dikkat! Dikkat!
Aaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh! Dikkat! Dikkat! Dikkat!

Avrupa, Ah Avrupa aah Avrupa,
Yahudi dölü, Ermeni dölü, Kürt dölü!
Dikkat! Dikkat! Dikkat!
Ajanlar, düşmanlar, hainler! Paralel yapı! USA, Pensilvenya! Dikkat!

Herşey yolunda! Saygı!
Gelin gelin, gelin Başkanınıza gelin! Başkanınıza dönün!
Burada herşey iyi! Saygı! Dikkat! Para! Dikkat! Allah! Dikkat!
Başkan anandır! Saygı! Saygı! Saygı! Liebe! Liebe!
Başkan! Dikkat! Dikkat! Peygamber!
Başkan anayasadır!
Başkanın durumu çok iyi! Herşey yolunda, Dikkat! Saygı!

Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Dikkat!
Para! Para! Saygı! Dikkat! Orospu çocukları! Dikkat!
Anan! Dikkat! Allah! Baş örtüsü! Dikkat! Baş örtüsü! Dikkat!
Şeref! Ahlak! Namus! Orospu çocukları! Verschwörer! Dikkat!

Para! Orospu çocukları!
Anan! Ananı al da git! Saygı! Güç!
Herşey yolunda! Başkan!
Dikkat! Başkan! Saygı! Şeref! Kadinlar! Baş örtüsü! Atam! Dikkat!

Dikkat Dikkat! Çok para! Dikkat! Çok para!
Hayal edemedigin kadar çok para! Kıskançlık! Çekememezlik!
Güç! Süper güç! Dikkat! Saygı! Herşey iyi!

Saygı! Dikkat!

Herşey yolunda…

Dikkat! Dikkat! Saygı! Dikkat!

Başkan! Başkan! Uzun adam! Usta! Akil insanlar! Para!

Dikkat! Dikkat!

Allah! Peygamber! Başkan! Dikkat!

Anan!
Başkan senin anandır!
Başkan anayasadır!
Başkanın durumu çok iyi!

Dikkat!

Herşey iyi, Herşey yolunda!

Saygı!

Dikkat!Dikkat Dikkat!
Hahahahaha!
Dikkat! Herşey yolunda. Merak etmeyin! Saygı! Dikkat!

„34 MIT 1908“ pilakalı araba!
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Dikkat! Dikkat! Allah, Hazreti Muhammed, Peygamber, Başkan, Saygı! Dikkat! Dikkat!

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Dikkat! Dikkat!

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Başkan senin anandır!
Başkan anayasadır!
Başkanın durumu çok iyi!

Dikkat!

Herşey iyi, Herşey yolunda!

Saygı!

Dikkat!

Metin westendwork‚ün Münih Rationaltheater’de 14.05.16 tarihinde gerçekleşen „Herşey yolunda“ adındaki etkinliĝi için yazılmıştır.

Dran bleiben!

Afghanistan sah so schön aus früher.
Hast du die Bilder gesehen? Hat so ein Amerikaner geschossen wohl in den Sixties. Da haben die Frauen dort Miniröcke getragen?

Wahnsinn, hätt ich ja nie gedacht. Im Iran übrigens auch – mußte dir mal Bilder ansehen von damals, echt unglaublich.

Und in der Türkei auch. Unglaublich. Die sehen auch richtig nett aus die Leute auf den Fotos. Da denk ich mir fast, wie’s wohl wäre, wenn jetzt damals wäre und man dort Urlaub machen könnte?

Sogar in Tunesien, Marokko und Algerien sahen die Menschen viel fortschrittlicher und glücklicher aus, als jetzt.

Es gibt sogar Fotos von der Bin Laden Familie im Urlaub in Schweden oder so. Ja, die Familie von Osama Bin Laden. Alle sehen so fortschrittlich aus.

bin_ladens_in_schweden

Fort
Schritt
Fort
Schritt
Fort
Schritt

Und jetzt? Jetzt sind sie fortgeschritten.

Wohin sind die fortgeschritten? Ja, aber die sind ja ganz weit fortgeschritten von uns?
Und warum?
Wir sind doch so schön?

Ja ja deine Nation!

Bist du stolz auf deine Nation? Wie armselig bist du denn? Hallo! Deine Nation ist irrelevant. Auf jeden Fall irrelevanter als deine Nationalmannschaft. Ich weiss, das war mal anders. Aber die Zeiten sind schon lange vorbei…leider. Jetzt lässt sich die Bundeskanzlerin von sonem dahergelaufenen Erdogan an der Nase rumführen.
Naja. Fakt ist, dass heutzutage sogar der Irak nationale Grenzen besitzt. Ja, der Irak ist eine Nation mit Nationalfahne und Nationalhymne!
Ich finde ja: je mehr gerade Linien und rechte Winkel den Verlauf der Grenzen eines Landes prägen, desto interessanter die Entstehungsgeschichte. Da tauchen dann so Gestalten auf wie: Gertrude Bell, T. C. Lawrence, Mark Sykes, François Georges-Picot, Max von Oppenheim etc. Dann liest man sich so ein bisschen ein und muss sich schon wundern über diese Typen da im Nahen Osten. Was wollen die eigentlich?
The West rules! Und das war schon immer so. Das sollten die endlich mal einsehen. Wir haben deren Grenzen gezogen, sie in Kriege verwickelt und ihre Nationalökonomien in Abhängigkeiten gebracht. Wir haben die nach Strich und Faden ausgenommen. Das ist harte Arbeit.
Und was machen die jetzt, wo wir gerade mal unsere wohlverdiente Ruhe genießen wollen? Die hauen jetzt einfach dort ab und meinen, sie könnten mitsamt ihrer lausigen Kultur einfach hierherkommen, Parties feiern mit so schrecklichen Namen wie „Eksotik Meksotik„, wo Raki und Ouzo in Strömen fliessen. Dann bringen sie auch noch leckere selbstgemachte Vorspeisen mit, spielen ihre Musik live und tolle Dj’s gibt’s da auch noch. Aber vor allem diese Musik! Schlimm. Echt Schlimm. Da kommt man ja nie zur Ruhe!
Und die posten das auch noch auf Facebook. Schaut euch das mal an. Denen geht’s richtig gut: https://www.facebook.com/events/840467762731409/?active_tab=posts

Serie: Widerstand – 1. Otpor, oder der Ausverkauf

Ich hatte ja schon vor langem damit gerechnet, dass Basheer Al Assad so endet wie Muammar al Ghaddafi. Aber er hat gut durchgehalten, auch dank dem entschiedenen Einsatz von Wladimir Putin. Andere Regimes hatten zwar auch eine lange Dauer, aber sie haben den arabischen Frühling dann doch nicht überstehen können.

otpor__logo

Das Logo des globalen Widerstands, designed and promoted by „Otpor“

Der arabische Frühling. Er kam so verheissungsvoll daher, hat sich dann aber doch als ganz fauler Marketingtrick entpuppt. Ich meine, wenn man sich mal ansieht, was daraus im Grossen und Ganzen geworden ist: ein globales Kriegsszenario, dass alles andere gefördert hat, als die Verbreitung von Freiheit, Gleichberechtigung, Demokratie, etc..
Oh Oh! Da tauchen wieder Verschwörungstheorien im Halbdunkel meines Bewusstseins auf und tänzeln hinter einem gräulichen Schleier, der ihr klares Hervortreten verhindert und den man wohl benötigt, um sich auf seinen Alltag als Otto-Normalverbraucher konzentrieren zu können.

So ganz zusammenhangslos las ich letztens einen Artikel von Jonathan Fischer über die Infiltrierung der kritischen kubanischen Hip Hop-Szene durch eine staatliche US-Agentur (Usaid: U.S. Agency for International Development), die sich dazu serbischer Promoter bediente, um eine Revolution auf der Karibikinsel auszulösen:
https://jonathanfischer.wordpress.com/2016/02/23/ausgerechnet-amerika-wie-man-eine-jugendrevolte-erledigt-die-kubanische-hip-hop-szene-lebte-von-der-kritik-am-greisen-castro-regime-dann-wurde-sie-von-us-behoerden-unterwandert-das-konnte-sie-nic-2/
Das Geschah in den Jahren 2009-2010. Zur Finanzierung wurde anscheinend verdecktes Kapital auf panamaischen Konten genutzt. Künstler wurden zu Kulturaustauschprogrammen nach Europa eingeladen, etc. etc..
Die Folge war: der kubanische Machtapparat bemerkte das Erstarken der kritischen Jugend und versuchte sich diesem Energieschub zu bemächtigen, indem es den Hip Hop auf der einen Seite institutionalisierte und gleichzeitig den Raggaton forcierte (eine vor ca. 15 Jahren entstandene Musikrichtung, die elektronische Beats und karibische Rhythmen mischt und sich inhaltlich eindeutig  auf geschlechtsspezifische Themen fokussiert. Die Musikvideos beziehen sich deswegen auch auf üppig dimensionierte weibliche Körperteile in eindrucksvollen komplexen Bewegungsabläufen.
Die Paar unbeeinflussbaren kritischen Rapper wurden somit ihrem Klientel beraubt, der somit dem drögen Kommerz zugeführt wurde. Die Amis kamen nicht auf ihre Kosten, denn die Revolution blieb aus und das Unterwanderungsprojekt somit eine reine Fehlinvestition.
Leidtragende in erster Linie blieben die lokalen Rapper mit ihrer politisch soliden Haltung. Das sonderbare an der ganzen Geschichte ist aber die Tatsache, dass all diese Machenschaften erst vor einem Jahr aufgedeckt wurden, im Zuge der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen beider Länder. Die genannte Handvoll Künstler, die von Anfang an skeptisch gewesen waren und sich immer distanziert haben von den Hype um ihre Musik berichten nun, dass die Amerikaner wohl „eine Sache“ Grundlegend falsch verstanden haben: die Kritik gegen Castro gewann ihre Kraft nicht aus der antisozialistischen Perspektive, sondern genau aus der gegenläufigen Bewegung: die Rapper hielten sich für die besseren Revolutionäre!

Alles schön und gut! Nichts, als ein Beispiel der Zerstörung einer weiteren jungen Musikkultur? Ja – unter anderem.

Was mich aber tatsächlich sogar noch mehr interessiert und auch ein wenig erschreckt in diesem Zusammenhang, ist das Auftauchen des Begriffspaares „Serbische Promoter“.

Denn da fällt mir natürlich mal direkt „Otpor“ ein – das serbische Kreativbüro für weltweite Aufstände – und ihr Frontman „Srdja Popovic“, der ja bekanntlich seine Strategien für eine erfolgreiche gewaltfreie Jugendrevolte (nach Modell des Widerstands in Belgrad während des Jugoslawienkriegs) lukrativ zu vermarkten wusste und auch nicht davor zurückschreckte, mit amerikanischen privaten Security-Firmen zu kooperieren.

Hier zwei interessante Links dazu:

http://www.occupy.com/article/exposed-globally-renowned-activist-collaborated-intelligence-firm-stratfor

www.theguardian.com/world/2015/mar/08/srdja-popovic-revolution-serbian-activist-protest

Und hier die äussert populäre und besonders in den Nordafrikanischen Staaten sehr beliebte Publikation Popovic’s:

http://www.blueprintforrevolution.com/

Vielleicht wäre das ja eine Investigation Wert, lieber Jonathan Fischer?

The Sultans of Neoliberalism

Es ist schon ein Luxus, an der Strandpromenade von Pendik richtung Kadiköy auf der anatolischen Seite des Bosporus entlangfahrend alte Hits aus den 70ern im Autoradio zu hören. Vorrausgesetzt der Verkehr fließt, natürlich. Zwischendurch fällt dir das Verkehrschaos immer wieder auf, doch der Blick in die untergehende Sonne gibt dir immer wieder das Gefühl des Menschseins zurück. Doch! Diese Stadt hat immer noch eine Idylle bewahrt, die man zwar meist nur aus der Ferne genießen kann, aber sie hat sie noch. Mindestens eine.

Männer und Frauen überaus sinnlich in ihrer patriarchalen Unsinnlichkeit und in ihrem Unsinn, verstrickt in ihre Kreditkarten und im Verlust ihrer Wahrhaftigkeit, billig verkauft an stillose Stilverkäufer, die ihnen die letzten Groschen von ihren digitalen Konten kehren.

Allesamt vergessen sie sich und die Geschichte, die Steine, die Erde, auf der sie leben. In ihrer verzweifelten und unbewußten Sehnsucht huldigen sie den letzen Überbleibseln einer oberflächlich geliebten reichen Welt, die sie über die Jahrzehnte eigenhändig zertrümmert haben. Und diese letzten Überbleibsel hängen am Schnurbart eines verblassenden Nationalhelden, der heldenhaft und despotisch in die Ferne blickt mit seinen stechend blauen Augen.

Die Frauen sind vezweifelt still, fleissig, immer auf den Beinen, ruhelos, schlaflos, sorgend. Die Männer sitzen verhungernd in ihren Luxusanzügen, Luxussuiten, Luxuslimusinen, die Augen weit aufgerissen, laut die Stimmen, immerzu die universelle Gerechtigkeit einfordernd, die unsichtbar und fiktiv an ihren aufgerichteten Schwänzen hängt.

In all dieser Verzweiflung gedeiht ein Humor, der seinesgleichen sucht. Es wird ständig gelacht und gelacht. Es gibt Geschichten, es gibt gute Musik, es gibt gutes Gemüse, es gibt Güte, es gibt einen haufen Emotionen, es gibt den Arabesk und es gibt eine hinter den Prinzeninseln untergehende kugelrunde glutrote Sonne und das Meer voller zappelnder Fische: Istavrit, Cinekop, Lüfer, Palamut, Mezgit, Kalkan. Es gibt salziges Meerwasser, das einem an den Lippen klebt und nach Algen riecht, bei windigem Morgenwetter. Es gibt Menschen, die jeden Tag nach dir fragen, wenn sie dich ins Herz schließen. Es gibt, es gibt und es gibt.

Ganz weit im Hintergrund lauern die totgeglaubten osmanischen Sultane. Die wollen auch wieder unter die Sonne der Gegenwart. Die wiederum tobt in der Grenzregion zu Syrien in Städten wie Diyarbakir, Cizre, Silopi, Hakkari, um nur einige zu nennen. Die Sultane verhängen Ausgangssperren und bomben ihren Hass in diese Städte, zertrümmern historische Gemäuer, Wohnhäuser, töten Kinder, Frauen, Greise und nennen sie Terroristen, schicken die Lehrer und Lehrerinnen in den Urlaub, um die Schulen zu Munitionslagern umzufunktionieren. Der Tod lauert nun dort, wo einst die fruchtbare Kultur aus dem Zweistromland nach Westen strömte. Jetzt wird dort das menschliche Gewissen ermordet. Wieder einmal.