Bin ich cool?

Ich sah ihr lange tief in die Augen und wunderte mich über meine eigene Dreistigkeit
Sie war unnahbar. und sie schmetterte meinen Blick mit einem Hauch von Ignoranz ab. Wohl in der Annahme, dass dieser Hauch ausreichen würde, um ihr Ego zu befriedigen. Das tat er dann wohl auch. Solche Blicke sieht man viele und es werden immer mehr.

Es sind coole Blicke mit den stereotypen Merkmalen einer urbanen Sexyness, eingehüllt in Farbvarianten von orientalisierenden Schals und V-Ausschnitten in male und female. Man bemerkt, wie man selbst diese Merkmale karikiert, aber sie dennoch irgendwie übernimmt, wie sie ganz subtil übergehen in die eigene Identität.

Mit Schaudern entdeckt man dann dieselben Merkmale auf dem Titelbild einer Livestyle-Zeitschrift für Twens, die beim Bäcker auf dem Tresen liegt.

Spätestens dann wird einem bewußt, dass man auf dem Holzweg ist, dass man sich vorgegebenen Marketingmustern schon längst gefügt hat, dass man sich auf der Suche nach sich selbst im Unterbewusstsein eines semiprominenten Sternchens verloren hat.

Im Endeffekt wissen wir alle, dass wir uns unseren Anspruch auf ewige Coolness abschminken können. Irgendwann bricht sie in jedem auf, die Uncoolness – das Unbeholfene – und bringt uns für Bruchteile von Sekunden zurück in die Kapsel unserer embryonalen Unschuld.

Dort fühlen wir uns doch am wohlsten, aber wir können diesen Zustand nicht ertragen, weil wir genau um die Schutzlosigkeit bescheid wissen, die derselbe mit sich bringt und weil wir wissen, wie Menschen sich auf schutzlose Embryonen stürzen in dieser Welt der zivilisierten Hyänen.

Vor allem weiss man über die eigene Grausamkeit bescheid. Im tiefsten Unterbewußtsein lauert das eigene Tier.. Es ist die Angst vor diesem Tier, das das klare Bild vom Bösen in unserem Kopf definiert. Kein wunder, dass dann natürlich immer die anderen Schuld sind.

Meist sind es die, die sich vermeintlich immer besser darzustellen wissen, als wir selbst. Immer in der richtigen Welle liegen, die jetzt als cool gilt: egal ob nachhaltig denkend, oder koksend im Retro-Porsche Carrera. Je nachdem, was gerade so ansteht. Flexibilität ist das Stichwort der Zeit!

Eine Coolness-Kategorie wäre damit schonmal umrissen: Nämlich die derjenigen, die sich selbst immer in lässiger Überlegenheit sehen. Dann gibt es noch die, die sich nie so bezeichnen würden, aber insgeheim immer hoffen, das die anderen das tun. Und es gibt diejenigen, die bewusst uncool sind. Die sind einfach nur nervig. Ja und zu guterletzt gibt es ja noch die, die primär nie an Coolness denken, ja gar nicht so recht wissen, was damit gemeint ist. Das sind mitunter die coolsten.

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