Der Stolz ist doch auch nur eine chemische Reaktion

Ich muß ja sagen, dass ich das Geheule der Deutschen ziemlich leid bin. Ja, ich kann schon konkreter werden: ich meine das Geheule um diese nationale Identität und den ganzen Schmo. Und wie sie alle darunter leiden, dass sie „vermeintlich“ nicht stolz sein dürfen, da ihnen jegliche Äußerung als Faschismusbekenntnis angerechnet wird. Deswegen stürmen sie in Scharen Konzerte von Ex-Nazibands, deren Bandleader sich ständig rechtfertigen für das, was sie tun und immer wieder beteuern, dass sie keine Nazis mehr sind, aber sich ihr natürliches Recht zum Nationalstolz nicht nehmen lassen wollen. Früher waren es die Böhsen Onkelz, jetzt ist es Freiwild. Die sind aus Südtirol wohlgemerkt, wo man wohl etwas lockerer mit Nationalismen umgeht. Sie importieren ihren Nationalstolz nach Deutschland und machen das große Geschäft, denn hier scheint es immer noch ein sehr großes Vakuum zu geben in der Hinsicht.
Also ich, als jemand, dessen Eltern aus einem Land kommen, in dem der bedingungslose Nationalstolz und der Faschismus so normal sind, wie die Marmelade zum Frühstück, muß sagen: Leute seid doch froh! Die Deutschen sind eines der wenigen Völker auf der Welt, deren Stolz eine sinnvolle Selbstzensur erhält. Das war wohl neben der Autobahn und dem Volkswagen eines der wenigen sinnvollen Resultate von Hitlerdeutschland.
Vor allem – Ihr könnt ja stolz sein. Ihr müßt nur erkennen, für was es sich lohnt. Ich geb euch mal nen Tipp: Wusstet ihr eigentlich, dass der einzige Vertrag zwischen Indianern und Weissen, der auch wirklich (bis zum heutigen Tag!) eingehalten wurde, von einem gewissen Freiherrn Otfried Hans von Meusebach unterzeichnet wurde? Diese Menschen sind mitte des 19. Jhd’s von ihren eigenen adeligen Landleuten beschissen worden, die ihnen Land, Betreuung und logistische Hilfe bei der Umsiedlung nach Amerika versprachen, haben sich mühevoll mit Kind und Kegel durch unwirtliche Prärie gekämpft und sich mit den Südstaaten-Rangers angelegt, weil sie nicht für die Erhaltung der Sklaverei kämpfen wollten. Sie haben sich in Friedricksburg/Texas mit den Commanchen arrangiert und feiern diesen erstaunlichen Vertrag immer noch jährlich mit einem Volksfest.

Auf solche Menschen bin ich zum Beispiel mal ordentlich stolz!

Info unter:
http://www.zeit.de/reisen/2012-05/fredericksburg-texas
https://www.youtube.com/watch?v=4oVNF8qQXiE

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