Streitpapier zur Argumentation für ein selbstverwaltetes Kreativquartier

Worum geht es?
Es geht um die Formulierung eines stadtübergreifenden Bürgerwillens bezüglich der aktiven Beteiligung an einer visionären und wirklich kreativen Entwicklung des Kreativquartiers an der Dachauerstrasse.

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Warum ist das wichtig?
Weil es hier um ein „Kreativquartier“ geht, das wohl eine der letzten Möglichkeiten darstellt auf einem größeren Areal im innerstädtischen Bereich Nutzungen im Sinne der freien Kultur-, Kreativ-, und Kunstszene zu ermöglichen. Die bisherigen Maßahmen der Stadtverwaltung lassen leider nicht darauf schließen, dass die Ansprüche der kreativen künstlerischen Szenen in dem Maße bei der Organisation und Erschließung des Areals berückstichtigt werden.

Die KünsterInnen und Kreativen dieser Stadt merken zunehmends, dass sie – im Gegensatz zu den öffentlichwirksamen Beteuerungen der Stadt – nicht genug Mitspracherecht in diesen Prozessen haben und dass es ohne eine selbstbewusste Formulierung eines stadtübergreifenden Bürgerwillens und eines Bürgeranspruchs in diesem Thema keine wirklich bedeutenden Fortschritte mehr getätigt werden können. In Anbetracht der Tatsache, dass Lösungsfindungen im Zusammenspiel der öffentlichen Institutionen/Gremien in München mit lokalen AkteurInnen in kreativen Arealen zu schlechten Ergebnissen geführt haben, sind wir – ein loses Aktionsbündnis von Kreativen, KünstlerInnen und Kulturschaffenden – zu dem Entschluß gekommen, dass es dringend einen breiten Diskurs zu diesem Thema benötigt und auch die interessierte Bürgerschaft aus der ganzen Stadt ihren Anspruch auf dieses Areal formulieren und ganz bewußt Initiative ergreifen muß.

Was verleitet uns zu dieser Annahme?
In erster Linie zeigen dies unsere tagtäglichen Erfahrungen. In diesem Sinne muß klar festgelegt werden, dass in der allgemeinen Debatte um kreative Freiräume der Diskurs sich im Segment der sogenannten „Subkulturen“ oder „alternativen Szenen“ die Wirtschaftlichkeit stark im Fordergrund steht, wohingegen in der sogenannten „Hochkultur“ grosse Subventionen möglich sind und die etablierten Kulturinstitutionen sich nicht durch die wirtschaftliche Machbarkeit ihrer kulturelle oder künstlerischen Programme legitimieren müssen, sondern sich vollkommen auf die Qualität der dargebotenen Produktionen konzentrieren können.

Im Gegensatz dazu ist in den freien Kultursegmenten stehts der wirtschaftliche Druck spürbar. Auch werden immer mehr Genrenamen mit dem „-wirtschaft“ Anhängsel bemüht, wenn es um die erschließung von Räumen und Ressourcen in diesem Bereich geht. Das heisst konkret: aus „Kulturarbeit“ wird „Kulturwirtschaft“, aus „kreative Betätigung“ wird „Kreativwirtschaft“, aus „Musik“ wird „Musikwirtschaft“ etc. Wir wollen damit nicht ausschliessen, dass man mit einer kreativen/künstlerischen Betätigung seinen Unterhalt verdienen kann, muß, oder will, jedoch verwehren wir uns dagegen, dass durch diese allgemeine Konditionierung, eine Athmosphäre in der Gesellschaft entsteht, die Kreative, KünsterInnen, Kulturschaffende a Priori über ihr wirtschaftliches Geschick bewertet.

Das Bedürfnis der kreativen Szene ist es, ihr Potential und ihre Kraft vorwiegend in kreative Visionen zu stecken und sich mit diesem natürlichen Anspruch auch ganz selbstverständlich an der Entwicklung dieser Stadt zu beteiligen.

Diesen Anspruch kann eine kreative Szene nur dann erfüllen, wenn sie sich ihr Mitspracherecht erkämpft hat. Dies lässt sich nicht durch städtische Verwaltungsgremien einfach zuerkennen. Dies wird immer deutlicher klar, nach all den Erfahrungen, die wir Kreativen und KünstlerInnen insbesondere in der Kommunikation mit dem Kommunalreferat gemacht haben, das ja als Liegenschaftsverwalter der Stadt fungiert und in diesem Sinne auch wichtiger Ansprechpartner für uns ist in Bezug auf die Vergabe von städtischen Freiräumen.

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So auch im Kreativquartier:
Im Mai 2012 wurde der Gewinner des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerbs vorgestellt, mit welchem die Stadt München nach einer passenden Lösung für ein Kreativquartier suchte, dass im Areal an der Kreuzung Dachauerstrasse/Schwere-Reiter-Strasse entwickelt werden soll. Der Sieger des Wettbewerbs – das Architekturbüro Teleinternetcafe aus Berlin – gewann tatsächlich überraschend mit dem Entwurf, der die kreativen Strukturen auf dem Areal am meisten begünstigt. Damit hätte man in München tatsächlich am allerwenigsten gerechnet. Die Euphorie war natürlich dementsprechend groß – auch die großherzigen Bekundungen von BezirkausschußvertreterInnen, Referenten, KomunalpolitikerInnen etc. fiel dementsprechend gönnerisch aus. Jetzt konnte man sich ja mal breitbeinig aufstellen und sämtliche Kritik an den stadtplanerischen Versäumnissen und Fehlentscheidungen der Stadt mit der Rückhand vom Tisch fegen und die Forderungen mal umkehren: „So, jetzt haben wir vorgelegt, jetzt müsst ihr mal zeigen, was in euch steckt. Gibt es denn überhaupt ein erschöpfendes kreatives Potential in der Stadt?“, „Wo sind denn die ganzen Kreativen jetzt? Was könnt ihr denn so bieten?“ waren die Fragen, die in der ersten Person ohne Höflichkeitsform auf die interessierten lokalen AkteurInnen einprasselten, die sich bei der öffentlichen Bekanntgabe an der Dachauerstrasse befanden.

Leider muss sich die Stadt in diesem Punkt eine gewisse Überheblichkeit vorwerfen lassen. Und mit Stadt meinen wir in diesem Falle nicht nur die Stadtverwaltung, sondern müssen uns selber, also die Bürgerschaft in die Verantwortung nehmen und fordern: Wir brauchen einen wesentlich selbstbewussteren Umgang mit unserem kreativen Potential, wenn wir zusammen auf diesem Areal ein funktionierendes, organisch gewachsenes Kreativquartier schaffen wollen. Alleine die zweifelnde Frage nach einem qualitativ ausreichenden kreativen Potential zeigt ja schon, wie groß die Unsicherheit ist. Wenn man am kreativen Potential so sehr zweifelt, warum investiert man dann überhaupt so viel Energie, Zeit und Geld in so ein Mammutprojekt?

Um diese Forderung argumentativ stabil zu untermauern, haben wir ganz bestimmte Kritikpunkte und Lösungsansätze erarbeitet, die wir hiermit der Öffentlichkeit unterbreiten wollen.

Fakt Nr. 1: Die schwierige Kommunikation mit dem Kommunalreferat
Als bei der oben genannten Veranstaltung konkrete Anfragen nach dem noch abgeriegelten Teil des Areals kamen, welches im Siegerkonzept von Teleinternetcafe als „Kreativlabor“ ausgewiesen ist, wurde man etwas verhalten auf gewisse Vertreter des Kommunalreferates hingewiesen, die 1. notorisch schwer zu erreichen sind, 2. relativ wenig interesse an einer kreativen Zusammenarbeit haben, 3. recht untransparent auf Fragen bezüglich bestimmter Räume antworten.
Das Kommunalreferat der Landeshauptstadt München ist bei weitem dasjenige, das sich mit der Kummunikation mit kreativen und visionären Menschen am schwersten tut. Warum das so ist, sei dahingestellt. Aber die vielen Beanstandungen, die jährlich über das Revisionsamt der Stadt München an die Öffentlichkeit gelangen, lassen vermuten, dass auch in der internen Struktur dieses Referates einiges im Argen liegt. Unstimmigkeiten in der internen Kommunikation und verkrustete Hierarchien könnten beispielsweise der Grund sein, dass das Referat uns gegenüber den Anschein erweckt, als ob keiner der bisherigen Ansprechpartner sich traut mutig zu agieren. Es ist immer eine gewisse Unsicherheit spürbar und auch das Unbehagen, ja eine fast scheue Haltung, die wohl daraus resultiert, dass keiner eine Aussage treffen will, ohne sich durch die nächsthöhere Instanz abzusichern und da dies fast nie der Fall ist, weil die nächsthöhere Instanz davor Angst hat, sich durch eine unüberlegte Handlung eines Untergebenen in Angesicht seiner Kollegen ins Abseits zu bugsieren, passiert eben „gar nichts“, ausser die Verschleppung von konsequenten Maßnahmen zur Erschließung des Geländes.

Sämtliche Anfragen der KünstlerInnen zur Inbetriebnahme des Geländes werden mit statischen Bedenken, mit Verweisen auf die stadtplanerischen Prozeßabfolgen etc. immer weiter nach hinten geschoben. In der Zwischenzeit konnte man aber beobachten, wie einige mittelständische bis große Betriebe auf dem Areal Einzug hielten und teilweise Räume nutzen konnten, die der künslterischen Nutzung immer verweigert wurden.

Die Kreativszene auf dem Viertel wird zwar zu repräsentativen Diskussionsveranstaltungen eingelanden, jedoch ist die Grundmessage am Ende immer die Gleiche: „Ihr müsst euch den stadtplanerischen Vorgängen der Stadt fügen, ob ihr wollt oder nicht. Wenn das Kommunalreferat Räumlichkeiten als statisch gefährdet kennzeichnet, dann gibt es daran nichts anzuweifeln. Wir werfen den Verantwortlichen im Kommunalreferat jedoch vor, große Hallen und Räume auf dem Areal seit Jahren ganz bewußt leerstehen gelassen zu haben, weil sie an dem Erhalt des Bestandes gar nicht interessiert sind.

Erst kürzlich wurden kleinere und grössere Kulturorganisationen, die wirklich wertvolle künstlerische und kunstpädagogische Arbeit auf dem Areal leisten aus ihren teilweise seit Jahren genutzten Räumen herausgetrieben. Anstatt gewachsene Strukturen zu schätzen und eigenständige Entwicklungen zu fördern, die teilweise sogar in großem Umfang von der Stadt selber gefördert werden, werden genaudieselben Institutionen und Initiativen, die sich für die kreative und künstlerische Zukunft dieser Stadt einsetzen ständig in Unsicherheit gewogen und in ihrer Entfaltung gehindert.

Der Einsatz des Kulturreferates und des Planungsreferates ist in diesem Diskurs nicht zu unterschätzen. Herr Dr. Dr. Küppers und Frau Dr. Merk versuchen seit geraumer Zeit Lösungen zu finden, die das kulturelle Potential auf dem Viertel berücksichtigen, aber wir denken, dass die Stadt – wenn sie wirklich ein Kreativquartier als Resultat erreichen will – wesentlich mehr Mitspracherecht, mehr Bürgerwillen ermöglichen und wesentlich mehr Mut zum Experiment zulassen muß, denn dieses Kreativquartier gehört den BürgerInnen und muß sich auch in ihrem Sinne und mit ihrer Beteiligung entwickeln.

Fakt Nr. 2: Die bisherigen Fehler im Umgang mit der Planung auf dem Areal
a) Viele Räume im sogenannten „Kreativlabor“ werden schon viel zu lange leer gehalten und darunter leidet natürlich die Bausubstanz. Dies wird nun vom Kommunalreferat zum Vorwand genommen, um mit statischen Gutachten den Abriss der Räume durchzusetzen. Organisationen und Initiativen, die für einige dieser Räumlichkeiten bisher immer mit befristeten Verträgen und Duldungen an der kurzen Leine gehalten wurden, verlieren diese nun völlig, obwohl man weiß, wie sehr sie für ihre Arbeit dringend auf sie angewiesen ist. So wird Unsicherheit geschaffen und langfristiges strukturelles Vertrauen unterbunden.

b) Die Öffnung des gesamten Areals dauert zu lange.
Im Grunde hat das Büro Teleinternetcafe schon geäussert, dass eine sofortige Sichtung und Öffnung des Areals dringend notwendig ist, um die Entwicklung des Kreativlabors effektiv voranzutreiben. Auch die Einrichtung eines kollektiven Gremiums, dass in Zusammenarbeit mit der Stadt die Inbetriebnahme des Areals vorantreibt und in die weiteren Planungen integriert ist, wurde schon lange als ein wichtiges Element in den Raum gestellt. Passiert ist bisher nichts. Ein sehr undurchsichtiges Vorgehen des Kommunalreferates lässt bezweifeln, ob diese Insititution überhaupt an einer Entwicklung des Areals im Sinne des Siegerprojektes interessiert ist.

c) Vorhandenes Material, Kapazitäten und Möglichkeiten werden nicht genutzt.
Am sinnvollsten wäre es eine Bestandsaufnahme aller Rohstoffe, Werkstätten, Lagerplätze, Einrichtungsgegenstände – besonders auf dem Gebiet der Strassenbeleuchtung im Norden des Kreativlabors, welches leider nicht zugänglich ist – einmal zu sichten, um zu sehen, ob eine nachhaltige und kreative Weiternutzung möglich wäre. Soweit man ersehen konnte befand sich dort eine Kantine und eine Schlosserei, jede Menge Rohmaterial befand sich vor Ort. Leider wurden viele Geräte und Materialien voreilig versteigert.

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d) Die Reihenfolge der Erschließung des Areals ist eher unglücklich gewählt: Warum der frühe Fokus auf die beiden Hallen?
Die Entwicklung des Geländes hat schon von Anfang an am falschen Ende begonnen. Statt sich auf des Kreativlabor zu fokussieren und hier den Bedarf an kulturellem Freiraum zu decken und mit temporären und mittelfristigen Nutzungen freie Konzepte zu erproben, somit also das Viertel zu öffnen und zu beleben, damit sich die für das Areal so typische kreative Athmosphäre weiter entfalten kann, damit Impulse und neue Denkanstösse entstehen können, hat man sich sofort auf die prestigereichen Hallen (Ton- und Jutierhalle) als Megaprojekt getürzt und zu einem großen Wettbewerb für die Ermittlung eines Betreibermodelles für die Nutzung der beiden Riesenhallen im Südosten des Kreativlabors aufgerufen.

e) Der Hallenwettbewerb hat Zeit, Energie und Ressoucen gefressen und hat im Endeffekt nichts gebracht.
– Fast eine Hundertschaft von Kreativen und Kulturschaffenden, die sich zu Teilnehmerteams zusammenfanden wurden monatelang durch die Beteiligung an dem Wettbewerb für die beiden Hallen gebunden und beschäftigt. Die Euphorie und die Motivation war zwar am Anfang groß, aber im Grunde hat sich sehr bald herausgestellt, dass das Verfahren bald im Sande verlaufen würde, denn:
– Man konnte nur einen Vorschlag für die Nutzung beider Hallen einreichen. Eigentlich unnötig, denn die Erstellung eines Nutzungskonzeptes für eine Halle ist schon schwierig und aufwendig genug (vom späteren Betrieb mal ganz abgesehen), das hat viele TeilnehmerInnen überfordert und hat eigentlich keine Möglichkeit für Synergienutzung zugelassen. Man musste ein Konzept aus einem Guß erstellen, in dem die wirtschaftliche Machbarkeit natürlich sehr im Vordergrund stand. Viele feingliedrige kreative Gedanken sind in den abgegebenen Konzepten untergegangen im weit zu großen Gesamtrahmen der betriebstechnischen Anforderungen für so ein großes Projekt. Kreative und Kulturschaffende haben sich mit betriebswirtschaftlichen Konzepten beschäftigt, anstatt mit dem, was sie am besten können: die Entwicklung von kreativen Visionen für das Gesamtareal (klare Themaverfehlung!).
– Die Projektbetreuung des Wettbewerbs war ebenfalls mit der Situation überfordert und verlor sich in restriktiven Anweisungen, anstatt auf den kreativen Output zu fördern.
– Im Endeffekt gab es kein Gewinnerprojekt, was den Stand sowohl des Kulturreferates auf dem Areal auf lange Frist genauso geschädigt hat, wie den Stand der Kreativszene. Vor allem sind die meisten, die sich an dem Wettbewerb mit großem Aufwand beteiligt haben demotiviert und frustiert aus dem Prozess herausgegangen. Sie wurden für Monate gebunden und somit von der eigentlichen kreativen Planungsarbeit völlig ferngehalten. Zeit wurde verschwendet, ohne ein produktives Resultat zu erzielen. Die Teilnehmer haben zum großteil ehrenamtlich ihre Arbeitszeit investiert und haben nichts dafür bekommen. Das Hauptpreisgelt von 10.000 Euro wurde nicht vergeben. Lediglich der 2. und 3. Platz erhielt eine bescheidene Erstattung ihrer Unkosten und ihres Einsatzes in Form des Preisgeldes von je 5000 Euro.
– Der Hype um die Hallen ist schnell vergangen. Es sind keine nachhaltigen Synergien und Denkansätze aus diesem Prozess entstanden und erstaunlicherweise redet niemand mehr über dieses Desaster. Es gibt auch keine Nachbereitung und keinen offenen Diskurs darüber.
– Das Allerschlimmste: Die Entwicklung des Kreativlabors lag die ganze Zeit über brach. Nichts ist passiert. Lediglich ein Paar Duldungen sind ausgestellt worden, deren Nutzer dann wiederum vom Kommunalreferat erst vor kurzem als illegale Besetzer diffamiert wurden. Nicht gerade die feinste englische Art.

Fakt Nr. 3.: Es mangelt an Selbstvertrauen im Umgang mit dem eigenen kreativen Potential, sowohl in der Szene, als auch in den Referaten.
Auch die KünstlerInnen müssen sich an der eigenen Nase fassen: wer Freiräume braucht, der muss sich auch um sie bemühen. Viele KünstlerInnen und Kreative in München sind zu passiv, können ihre Ansprüche nicht klar formulieren, sind schwach in der Teambildung und lassen sich zu schnell kleinreden, oder reden sich gleich selber klein. Das führt oft zu eingeschränkten Ich-bezogenen Sichtweisen und mangelnder Solidarität. Das muss sich ändern!
Dafür tragen städtische Strukturen auch mit Verantwortung. Denn eine unsichere kulturelle Strukturpolitik begünstigt nicht gerade unbedingt eine selbstbewußte Haltung in der Szene. Diese defizitäre Haltung ist einer der wichtigsten Gründe, warum so viele Kreative schon abgewandert sind.
KünstlerInnen müssen in München ihre Existenz oft durch ihre wirtschafliche Effizienz rechtfertigen. Im sehr stark durch den Immobilien- und Arbeitsmarkt dominierten postmodernen münchner Lebensstil hat man wenig Verständnis für das Bedürfnis nach „funktionsspezifisch noch nicht überprofilierten und nicht einsitig definierten Freiräumen“, das Bedürfnis nach Zeit und Raum zum experimentieren und ausprobieren. Stattdessen wird versucht, das letzte kreative Potential, dass die Stadt noch nicht in Richtung fruchtbarerer Ballungsgebiete wie Berlin und Wien verlassen hat auch noch in das enge Korsett des Wirtschaftsmarktes zu zwängen. Dies ist eine Unzumutbarkeit, gegen sich die Kunst- und Kulturszene Münchens wehren muß, wenn sie ihren Erhalt sichern will. Dazu muß man sich gut organisieren und einen stadtübergreifenden Bürgerwillen formulieren, der in der bisherigen Entwicklung und Planung des Kreativquartiers viel zu wenig Beachtung erhält.

Die Initiative, die hiermit ergriffen wird, beabsichtigt es nicht, die Stadtverwaltung als ganzes anzuprangern, oder gegen sie zu arbeiten. Es wird lediglich eine Solidaritätsplattform ins Leben gerufen, die versucht die Ansprüche eines wenig gehörten Teiles der Bürgerschaft auf selbstbestimmte Weise Gehör zu verschaffen, im Bewusstsein dessen ,dass BürokratInnen und PolitikerInnen nicht in der Lage sind, die Bedürfnisse der KünstlerInnen und Kreativen im vollen Umfang zu vertreten. Das verlangt auch niemand, denn wenn die freie Szene Verantwortung für die kulturelle Landschaft Münchens empfindet, dann müssen wir kreativen Bürger uns einfach einmischen und unser Mitspracherecht holen.

Wir können von der Politik nicht erwarten, dass sie künstlerische und kreative Visionen verwirklicht! Dazu ist sie nicht gemacht!

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