Roibosh Latte

Ich hätte da einen Themenvorschlag zum Tag der deutschen Einheit: Ich finde, die Deutschen trinken viel zu viel Kaffee. Wie komme ich darauf? Dazu gibt’s natürlich wie immer ’ne coole Story:

In der Grundschule lernten wir ein Lied, dass wir immer Im Canon singen mussten:

C-A-F-F-E-E,
trink‘ nicht soviel Kaffee.
Nicht für Kinder ist der Türkentrank,
schwächt die Nerven, macht dich blass und krank.
Sei doch kein Muselman,
der das nicht lassen kann

Das war der erste Canon, bei dem ich mitsang. Ein umwerfendes Erlebnis. Ich habe nicht Muselmaaaan verstanden sondern „Muselmann“. Ich habe mir darunter damals auf Anhieb nichts vorstellen können. Im türkischen sagt man dazu „Müslüman“ – mit ordentlich viel Ü – und betont das auch völlig anders (nämlich auf der letzten Silbe). Jedenfalls war ich damals nicht in der Lage (im zarten Alter von 7 Jahren!), auch nur einen Hauch rein phonetischen Zusammenhangs zu erkennen. Muselmänner – Das waren halt irgendwelche ungezogenen Menschen und ich wollte keiner von denen sein. Bis ich überhaupt mal realisierte, das damit eigentlich zumindest mein Papa gemeint war (ich empfand mich in dem Alter Gott sei dank ja weder bewußt als Mann, noch als Moslem), vergingen noch ein Paar Jahre. Das mit dem Türkentrank habe ich auch nicht so richtig realisiert. Im Endeffekt habe ich mich mit der Mehrheit so sehr identifiziert, dass die Absurdität der Situation weder mir, noch all den Erwachsenen, Lehrerinnen und Lehrern aufgefallen ist. Aber schliesslich wusste ich damals ja nicht einmal, was Kaffee war, denn den trank man bei uns zuhause nicht. Bei uns gabs immer nur Tee.

Angela Merkel kocht Kaffee in der Wüste

Angela Merkel kocht Kaffee in der yemenitischen Wüste

Zum Kaffeetrinken kam ich dann erst später durch meine deutschen Szenefreunde. Und jetzt nach Jahren des intensiven katholisch-italienisch-bayerischen Kaffeegenusses, habe ich beschlossen diesen auf ein Minimum zu reduzieren. Ich trenne mich sozusagen von jedweiliger Form des kulturell bedingten regelmässigen Kaffeekonsums und trinke ihn nur noch ab und zu mal, wenn’s halt grad passt.

Morgens zum Beispiel trinke ich jetzt nur noch Roibosh-Latte:
Man schäumt Milch auf, giesst ihn – wie bei einem normalen Latte Macchiato – in ein Glas und giesst nunmehr möglichst starken Roiboshtee hinein.

Das schmeckt lecker und nimmt die Nerven und den Blutdruck nicht so in Anspruch! Sehr wohltuend. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich glaube, das braucht Deutschland jetzt…

Ein Gedanke zu “Roibosh Latte

  1. Eine exzellente Beobachtung, der wie vieles auch, auf ein Minimum reduziert und damit der Politik, der den Begriff Migrant wie einen notwendigen aber übel schmeckenden Riegel der Gesellschaft anbietet, den Wind aus den Segeln nimmt. Danke für den Text!

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