Alles bestens?

Just in diesem Moment geht die demokratische Republik der Türkei komplett unter. Es ist heftig! Das Sultanat startet durch. Wohin das führen mag? Nicht auszudenken. Ich bin geladen, so sauer auf all die Klaqueure aus allen Meinungsbereichen, Schichten und Parteien, die dem Typen über Jahre hinweg die Stange gehalten haben – und zwar nicht nur in der Türkei, sondern vor allem in Europa. es wurde sehr viel Meinung gemacht, um das Bild dieses Menschen, dessen Werdegang als skrupelloser neoliberaler Islamist und Populist eigentlich seit Jahrzehnten durchweg bekannt war, vor allem in den Augen der globalen Öffentlichkeit rein zu waschen – nur, um dem Westen den rücken diplomatisch nach Osten freizuhalten.

Dies alles ging auf Kosten der demokratischen Kräfte in der Türkei. Denn das Bild im Ausland untermauert die innenpolitische Macht in solchen Ländern erheblich. Man konnte leider nichts gegen die Maschinerie anrichten und diese Unterstützung führte dann innen- und außenpolitisch zur Eroberung von immer mehr Deutungshoheit und Akzeptanz für dieses wahnsinnige System, die jetzt ohne Skrupel genutzt werden, um die monopolare Macht und den Rückschritt ins 19. jhd zu vollziehen.

Bald wird die Todesstrafe in der Türkei wieder eingeführt. Diese war seit 1984 faktisch und seit 2004 offiziell abgeschafft!

Jetzt stellt sich heraus, was meinesgleichen schon seit Jahren versucht haben diversen Journalist/innen, Korrespondent/innen, aber auch Normalbürgern und sonstigen Diskussionspartner/innen in der Türkei und hier zu erklären.

All die Andeutungen von Reformen und die Annäherungen an Europa wurden mit vorgehaltener Hand durchgeführt. Dabei wurde immer darauf geachtet, das Meinungsbild im Inland und im Ausland zu beherrschen – zumindest solange, bis die AKP fest genug im Sattel saß, um dann im entscheidenden Moment – nämlich in dem Moment, in dem sich in der komplexen Machtstruktur die Spreu vom Weizen trennt – den absoluten Wahnsinn, nämlich die Trennung von der Rechtstaatlichkeit endgültig zu vollziehen.

Jetzt sind sie leider nicht mehr zu stoppen und es stehen uns harte Zeiten bevor. Wenn man hier in Europa meint, man sei sicher und es würde einen hier nicht belasten, dann irrt man sich gewaltig.

Nun wird es unbequem.

Denn man hat es zu lange zugelassen, dass vor lauter unnötiger Angst um den Verlust seiner hohen gesellschaftlichen Ansprüche, die man hierzulande hat, das Fehlen eben dieser in einem sehr nahe liegenden Schwellenland einfach zugelassen und legitimiert werden konnten.

Europa hat sich zu lange in Sicherheit gewogen und in bequemer Selbstsucht selber genügt und gefallen. Solange die Dinge liefen, war einem Erdogan als Pseudodemokratischer Despot an der Tür zum Osten gut genug.

Seit über einem Jahr finden im Osten des Landes Progrome von ungeheurem Ausmaß statt, ganze Ansiedlungen, Städte, Stadtviertel werden Plattgewalzt, die Menschen dämonisiert und verfolgt. Parteisitze in Brand gesetzt, legitimierte lokalpolitische Positionen enteignet. Journalist/innen verhaftet, mit dem Tode bedroht und ins Exil getrieben. Hinzu kommt, dass der Terror seinen Tribut fordert und Hunderte von Zivilisten und junge Rekruten ihr Leben opfern müssen, für eine Politik, die sie nicht verschuldet haben. Heute wurde die letzte große Tageszeitung – die traditionsreiche Cumhuriyet – überfallen und eigentlich konfisziert. Sie wird wohl, genau so, wie all die vielen anderen, ja wie sogar die östlichen kommunalen Verwaltungen, die in der Führung der Oppositionspartei HDP waren – einem regierungsfreundlichen Treuhänder übergeben.

ich bin zutiefst bestürzt, führe zwar mein Alltagsleben weiter, weil es mir irgendwie Halt gibt, aber die Tage vergehen zäh. vor allem, wenn ich an all meine Freunde und Familie dort denke!

Ich weiß nicht, was tun…

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